Herausfordernde Zeiten, klare Antworten

So positioniert sich die Fluidtechnik für 2026

Trotz anhaltender Unsicherheiten und zunehmendem internationalem Wettbewerbsdruck eröffnen Digitalisierung, nachhaltige Systemlösungen und gezielte Fachkräftesicherung neue Perspektiven. 

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Hydraulikkomponenten an Arbeitsmaschine
Die Fluidtechnik blickt nach einem herausfordernden Jahr 2025 vorsichtig optimistisch auf 2026.

Das Jahr 2025 war für die Fluidtechnik herausfordernd, eine nachhaltige konjunkturelle Erholung stellte sich nicht ein. Insgesamt zeigte sich die Fluidtechnik dabei gegen Ende des Jahres stabiler als noch zu Beginn. Der nominale Umsatz lag zum Jahresende in etwa auf dem Vorjahresniveau.

Die Pneumatik bewegt sich seit einiger Zeit in einer Seitwärtsbewegung sowohl in Umsatz als auch Auftragseingang. In der Hydraulik wurde hingegen die Talsohle bei den Auftragseingängen durchschritten. Für den Zeitraum Januar bis Oktober 2025 ergab sich dort im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein nominaler Zuwachs von acht Prozent, allerdings ausgehend von einem niedrigen Niveau. Auch der Umsatz zeigte gegen Jahresende eine positive Tendenz.

Hartmut Rauen, Geschäftsführer des Fachverbands Fluidtechnik und stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA

Digitalisierung und Nachhaltigkeit bleiben die zentralen Bausteine für eine wettbewerbsfähige Fluidtechnik. Wir treiben diese Themen gemeinsam kraftvoll voran, und gestalten aktiv die Zukunft.”

Hartmut Rauen, Geschäftsführer des Fachverbands Fluidtechnik und stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA

Unsicherheiten erschweren die Planbarkeit von Investitionen und bürokratische Hürden verlangsamen notwendige Anpassungen. Unter diesen Bedingungen fallen die Erwartungen für das Jahr 2026 verhalten optimistisch aus. Da wichtige Kundenbranchen zuletzt leicht angezogen haben, scheint ein moderates Wachstum möglich. Der Vorstand des Fachverbandes Fluidtechnik im VDMA rechnet entsprechend in seiner Prognose für 2026 mit einem nominalen Umsatzwachstum von nominal plus drei Prozent.

Die Fluidtechnik bewegt sich dabei weiterhin in einem anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld. Konjunkturelle Unsicherheiten, geopolitische Spannungen und ein zunehmender internationaler Wettbewerbsdruck prägen die Rahmenbedingungen. Gleichzeitig eröffnen zentrale Handlungsfelder neue Chancen: digitale Transformation, effiziente Systeme und die Sicherung qualifizierter Fachkräfte werden zunehmend entscheidend für die Zukunftsfähigkeit der Branche. Der VDMA Fachverband Fluidtechnik setzt sich aktiv für diese Entwicklungen ein. Ziel ist es, Orientierung zu geben, gemeinsame Aktivitäten voranzutreiben und die Wettbewerbsfähigkeit der Fluidtechnik als Schlüsseltechnologie für den Maschinen- und Anlagenbau nachhaltig zu stärken.

Dies ist auch notwendig, denn auf den internationalen Märkten verschärfen sich die Wettbewerbsbedingungen spürbar. Anbieter aus China treten mit hoher industrieller Skalierung, schneller Marktdurchdringung und ausgeprägter Kosteneffizienz auf, oft umfangreich und systematisch staatlich subventioniert. Dieser Wettbewerbsdruck ist kein kurzfristiges Phänomen, sondern Ausdruck einer sich verändernden globalen Wirtschaftsordnung. Fragen der Rohstoffversorgung, der Handelsbeziehungen und der technologischen Wettbewerbsfähigkeit rücken stärker in den Fokus, während große Wirtschaftsräume ihre Industriepolitik zunehmend strategisch ausrichten. Für Unternehmen entsteht nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit daher weniger über kurzfristige Maßnahmen, sondern über Innovationskraft, Produktivität, strategische Klarheit und die Fähigkeit, sich flexibel an neue Rahmenbedingungen anzupassen.

Zukunftsperspektiven der Fluidtechnik

Unabhängig von den konjunkturellen Rahmenbedingungen treibt die Branche daher ihre Zukunftsthemen weiter voran. Der VDMA Fachverband Fluidtechnik setzt auf Innovationskraft und technologische Weiterentwicklung. Mit dem Verbundprojekt Fluid 4.0 wird die Digitalisierung der Fluidtechnik gezielt vorangetrieben. Industrielle Digitale Zwillinge in Form der Verwaltungsschale (Asset Administration Shell, AAS), neue Datenraum-Lösungen und Geschäftsmodelle zeigen, dass die Branche ihre technologische Zukunft aktiv gestaltet. Die Sonderschau „Fluid Power 4.0“ auf der vergangenen Hannover Messe 2025 machte diese Entwicklungen sichtbar und förderte den Dialog zwischen Industrie, Politik und Forschung.

Mit Blick auf Nachhaltigkeit gewinnt zudem das Thema Circular Economy weiter an Bedeutung. Das kürzlich veröffentlichte Whitepaper, das im Rahmen des vom BMWE geförderten Forschungsprojekts Fluid 4.0 vom VDMA gemeinsam mit dem Fraunhofer IIS erarbeitet wurde, analysiert die Chancen und Herausforderungen bei der Umsetzung zirkulärer Strategien in der Fluidtechnik.

Diese Aktivitäten stehen im Einklang mit den politischen Zielsetzungen auf nationaler und europäischer Ebene. Die Vorgaben der EU und der Bundesrepublik verdeutlichen, wie eng ökologische, ökonomische und industrielle Aspekte heute miteinander verbunden sind. Eine zentrale Aufgabe besteht darin, fluidtechnische Produkte und Systeme effizienter auszulegen und CO₂-Emissionen sowohl in der Herstellung als auch im Betrieb zu reduzieren. Effiziente Fluidtechnik schafft damit die technologische Basis für leistungsfähigere und nachhaltigere Maschinen und wird zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor für die Kunden der Branche.

Ein weiteres zentrales Handlungsfeld bleibt die Fachkräfte- und Nachwuchssicherung. Der neu gegründete Bildungsfonds Fluidtechnik (BFF) setzt hier ein wichtiges Zeichen. Ziel ist es, fluidtechnische Inhalte an Hochschulen und Universitäten nachhaltig zu stärken und den Austausch zwischen Wissenschaft und Industrie weiter auszubauen.

VDMA fordert Reformen und Bürokratieabbau

Hydraulikzylinder mit Anschlüssen
Komplexe Hydraulik erfordert Fachkenntnis

Auch das Jahr 2026 wird von Unsicherheiten begleitet sein. Der VDMA hat den bestehenden Reformstau klar benannt und wird sich weiterhin dafür einsetzen, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen am Standort zu verbessern. Erste Schritte sind erkennbar, etwa durch die Abschwächung des europäischen Lieferkettengesetzes und Vereinfachungen bei den Nachhaltigkeitsberichtspflichten. Weitere Reformen bleiben jedoch dringend erforderlich.

Für die Fluidtechnik gilt: Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Bildung bleiben auch für die Zukunft die zentralen Leitlinien. Gemeinsam wird der VDMA diese Themen weiter vorantreiben, um die Branche zu stärken und ihre Marktposition langfristig zu sichern.

FAQ zur Lage der Fluidtechnik

  • Wie entwickelte sich der Umsatz der Fluidtechnik 2025? Der Umsatz blieb nominal auf dem Niveau des Vorjahres.

  • Welche Entwicklung zeigte die Hydraulik 2025? Die Auftragseingänge stiegen nominal um acht Prozent im Zeitraum Januar bis Oktober, ausgehend von niedrigem Niveau.

  • Wie sieht die Prognose für 2026 aus? Der VDMA rechnet mit einem nominalen Umsatzwachstum von drei Prozent.

  • Welche Schwerpunkte setzt die Branche aktuell? Digitalisierung, nachhaltige Systemlösungen und Fachkräftesicherung.

  • Was beinhaltet das Projekt Fluid 4.0? Es fördert digitale Zwillinge, neue Datenräume und Geschäftsmodelle.

  • Welche Rolle spielt Circular Economy? Sie gewinnt an Bedeutung. Ein Whitepaper analysiert Herausforderungen und Potenziale zirkulärer Strategien.

  • Welche politischen Forderungen stellt der VDMA? Bürokratieabbau, Reformen und verbesserte wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen.