Präzise Generalüberholung eines Mehrstufengebläses
Mehrstufige Gebläse laufen oft über Jahrzehnte – vorausgesetzt, Wartung und Überholung stimmen bis ins Detail. Der Beitrag zeigt am Beispiel der Zusammenarbeit von Continental Industrie und der Schwarzer GmbH & Co. KG, wie Demontage, Prüfung, Reinigung und Wuchten ineinandergreifen, damit am Ende vor allem eines passt: der Rundlauf.
Erfolgreich überholt: Mehrstufengebläse von Continental Industrie vor der Konfektionierung und dem Abtransport (v. links vorne: Tobias Boeckh, Continental Industrie; Thomas Schwarzer, Christian Schwarzer und Siegfried Linke von Schwarzer in Northeim)
Continental Industrie GmbH)
Die
Biogasbranche und andere industrielle Anwendungen sind auf zuverlässige
Verdichtertechnik angewiesen. Mehrstufige Gebläse der Continental Industrie
GmbH aus Dormagen gelten üblicherweise als besonders langlebig und laufen
teilweise über mehrere Jahrzehnte hinweg störungsfrei. Grund dafür ist die
regelmäßige Wartung und fachgerechte Überholung, um sich in Marathoneinsätzen
zu bewähren. Die professionelle Zusammenarbeit mit der Schwarzer GmbH & Co.
KG aus Northeim zeigt, welche Komplexität und Expertise die Instandhaltung
dieser anspruchsvollen Aggregate erfordert.
Wartungsintervalle
entscheiden über den Dauerbetrieb
„Gebläse von
Continental Industrie sind zwar für eine Haltbarkeit von 30 Jahren ausgelegt, allerdings
brauchen sie zwischendurch auch mal einen Boxenstop", erklärt Tobias
Boeckh, Geschäftsführer der Continental Industrie GmbH. Besonders bei
Rohgasgebläsen empfiehlt der Hersteller alle zwei Jahre eine Überholung mit
Lager- und Dichtungswechsel, da andernfalls die erforderliche Gasdichtheit
nicht mehr gewährleistet ist. Vernachlässigte Wartung kann selbst bei solch
robusten Maschinen zu Totalschäden führen. Im Alltag müssen
rund 30 Prozent der zur Überholung eingehenden Wellen solcher mehrstufigen
Gebläse verschleißbedingt ausgetauscht werden. „Im Zusammenhang mit Biogasanwendungen
hängt ihr Zustand stark von der Gasqualität ab – sauberes Gas erhöht die
Lebensdauer beispielsweise erheblich", erklärt Christian Schwarzer,
Elektromaschinenbauermeister und technischer Geschäftsführer bei der Schwarzer
GmbH & Co. KG.
Demontage
als handwerkliche Herausforderung
Mehrstufige
Gebläse auseinanderzunehmen ist alles andere als trivial. „Eine handwerklich
aufwendige und herausfordernde Arbeit, die viel Erfahrung erfordert",
betont Christian Schwarzer. „Teile sind oft buchstäblich miteinander ‚verwachsen‘
und müssen mit einer Presse getrennt werden. Häufig ist auch ein wiederholtes
Erhitzen erforderlich, um die Verbindungen zu lösen. Daran sind oft mehrere
Mitarbeiter und schweres Gerät beteiligt.“ Besondere
Vorsicht gelten den Aluminium-Laufrädern für ATEX- und Biogasanwendungen. Sie
sind bewusst weich konstruiert, um Funkenbildung zu vermeiden, gleichzeitig
aber stabil genug für die auftretenden Fliehkräfte. „Beim Erwärmen und Pressen
ist hier äußerste Sorgfalt geboten, um Verformungen oder Risse zu
vermeiden", erklärt der Fachmann. Wenn das Erwärmen nicht ausreicht,
werden die Teile in eigens hergestellten Vorrichtungen ausgepresst.
Alle
Komponenten einzeln vermessen
Nach der
Demontage folgt die akribische Prüfung aller Komponenten. Jede Welle wird
einzeln auf einer Drehbank auf Rundlauf millimetergenau geprüft. Dabei werden
Biegungen ausgeschlossen und die Maßhaltigkeit von Passungen für Lager und
Dichtringe kontrolliert. Für die Laufräder gilt ähnliches: Auch sie werden
einer umfassenden Prüfung auf Rundlauf, Verformungen, Risse oder Anlaufspuren
unterzogen. „Bei
Lagerschäden sind die Laufräder vermutlich abgenutzt und müssen genau vermessen
werden, um eine Wiederverwendbarkeit zu beurteilen", erläutert Siegfried
Linke, Elektromaschinenbauermeister und Werkstattleiter.
Vom
Sandstrahl zur Waschanlage
Die Gasdichtheit
der Gebläse lässt sich nur bei makellos sauberen Bauteilen beurteilen und
sicherstellen. Das Team von Schwarzer unterzieht sie darum einem mehrstufigen
Reinigungsprozess: Zunächst erfolgt das Sandstrahlen, um grobe Ablagerungen und
Lack zu entfernen, ohne dabei Material zu verlieren oder Passungen zu
beschädigen. Hartnäckige Verschmutzungen an Dichtflächen werden anschließend
händisch gereinigt. In einem
speziellen Reinigungsraum werden große Bauteile mit einem Dampfstrahler
vorgereinigt. Eine programmierbare Industrie-Waschanlage – intern
„Riesen-Spülmaschine" genannt – wäscht die Teile bei 85°C, um so auch
hartnäckigste Ablagerungen zu beseitigen. „Die Gebläse können erstaunliche
Mengen an Ablagerungen, Flüssigkeiten oder Fetten enthalten", berichtet
das Schwarzer-Team aus der Praxis.
Maßnahmen
für die Laufruhe
Ein
entscheidender Schritt erfolgt im hauseigenen Wuchtraum von Schwarzer. Die
komplette Rotorwelle wird mit den Laufrädern auf einer Wuchtmaschine
ausgewuchtet, die hohe Wuchtgüte von G7 ist dabei Standard. „Das ist besonders
wichtig für mehrstufige Gebläse und längere Wellen, da bereits kleinste
Unwuchten Schwingungen verursachen können, die die Lebensdauer der Lager
drastisch verkürzen", erklärt Christian Schwarzer. Die Maschine
gibt exakt an, wo Material noch abgetragen werden muss – etwa durch Bohren oder
Schleifen. Nach dem Wuchten wird der Rotor wieder zerlegt und sorgfältig
markiert, um die korrekte Reihenfolge der Laufräder bei der späteren Montage
sicherzustellen.
Mit
jedem Detail auf der sicheren Seite
Vor der
abschließenden Montage wird jede Welle poliert, um ein Verklemmen zu vermeiden
und einen reibungslosen Ablauf zu sichern. Diese scheinbar unbedeutende
Maßnahme spart Zeit und Kosten und sichert die hohe Qualität des Endprodukts.
Nach all diesen präzisen Schritten und positiven Prüfergebnissen erfolgt am
Ende die fachgerechte Montage.
70 Jahre Reparatur-Expertise
Das 1956 gegründete Familienunternehmen Schwarzer wird 2026 sein 70-jähriges Jubiläum feiern. „Unser Herz schlägt traditionsgemäß immer noch für die Reparatur", betont Christian Schwarzer. „Die Schwerpunktlegung auf die Reparatur ist nicht nur nachhaltig, sondern für die meisten Kunden auch die schnellste Lösung", ergänzt sein Bruder Thomas Schwarzer, kaufmännischer Geschäftsführer. Mit 25 Mitarbeitern achtet das Unternehmen darauf, alle Positionen doppelt zu besetzen, um Ausfälle zu vermeiden. „Ob Wuchten oder Drehbank, trotz Urlaubszeiten oder Krankheitsfällen bleibt hier nichts liegen", versichert Thomas Schwarzer. Schwarzer bildet zum Elektroniker für Maschinen und Antriebstechnik aus und übernimmt die Kandidaten anschließend.
Fachgerecht
repariert ist nachhaltiger
„Reparatur
bedeutet häufig nicht nur Wiederherstellung des Originalzustandes, sondern auch
deren Verbesserung", erklärt Tobias Boeckh von Continental Industrie. Dazu
zählen Komponenten mit höherer Qualität oder weiterentwickelte Bauteile, die
ursprünglich noch nicht die zeitgemäße Güte hatten. „Vor allem in konjunkturschwachen
Phasen ist die Reparatur bestehender Anlagen gefragter als eine
Neuanschaffung", bestätigt Thomas Schwarzer. Die
Partnerschaft zwischen Continental Industrie und Schwarzer zeigt exemplarisch,
wie spezialisierte Werkstattpartner zur Nachhaltigkeit industrieller Prozesse
beitragen. Nach der fachgerechten Überholung verlassen die Gebläse die
Werkstatt in Northeim quasi wie neu – bereit für weitere Jahre zuverlässigen
Betriebs.
FAQ zur Überholung von Gebläsen
Welche Empfehlung gilt für Rohgasgebläse im Wartungszyklus? - Der Hersteller empfiehlt alle zwei Jahre eine Überholung mit Lager- und Dichtungswechsel, da andernfalls die erforderliche Gasdichtheit nicht mehr gewährleistet ist.
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Wovon hängt der Zustand der Wellen in Biogasanwendungen besonders ab? - „Im Zusammenhang mit Biogasanwendungen hängt ihr Zustand stark von der Gasqualität ab – sauberes Gas erhöht die Lebensdauer beispielsweise erheblich".
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Warum ist die Demontage mehrstufiger Gebläse anspruchsvoll? - „Eine handwerklich aufwendige und herausfordernde Arbeit, die viel Erfahrung erfordert", außerdem sind Teile oft „verwachsen“ und müssen mit Presse sowie wiederholtem Erhitzen gelöst werden.
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Worauf ist bei Aluminium-Laufrädern für ATEX- und Biogasanwendungen zu achten? - „Beim Erwärmen und Pressen ist hier äußerste Sorgfalt geboten, um Verformungen oder Risse zu vermeiden".
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Weshalb werden Laufräder bei Lagerschäden genau vermessen? - „Bei Lagerschäden sind die Laufräder vermutlich abgenutzt und müssen genau vermessen werden, um eine Wiederverwendbarkeit zu beurteilen".
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Warum ist der Reinigungsprozess so wichtig? - Die Gasdichtheit lässt sich nur bei makellos sauberen Bauteilen beurteilen und sicherstellen; intern heißt die Industrie-Waschanlage „Riesen-Spülmaschine".
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Warum ist das Wuchten für mehrstufige Gebläse zentral? - „Das ist besonders wichtig für mehrstufige Gebläse und längere Wellen, da bereits kleinste Unwuchten Schwingungen verursachen können, die die Lebensdauer der Lager drastisch verkürzen".
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Weshalb wird Reparatur als nachhaltige Option beschrieben? - „Reparatur bedeutet häufig nicht nur Wiederherstellung des Originalzustandes, sondern auch deren Verbesserung", zudem ist sie „nicht nur nachhaltig, sondern für die meisten Kunden auch die schnellste Lösung".
Erstellt mit Material von Continental Industrie GmbH