Interview mit Sebastian Kappel, Regional OEM Sales Director, Danfoss
Effizienz entsteht im System – nicht in der Einzelkomponente
Effizienter, vernetzter, intelligenter: Danfoss stellt nicht mehr die einzelnen Komponenten in den Mittelpunkt, sondern das Gesamtsystem. Im Interview zur Agritechnica erklärte Sebastian Kappel, warum die Zukunft in hybriden Antrieben, integrierten Subsystemen und smarten Steuerungskonzepten liegt, weshalb Hydraulik trotz Elektrifizierung unersetzbar bleibt und wie autonome Funktionen sowie KI die Maschinen effizienter machen.
Ragna SonderleittnerRagnaSonderleittner
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Sebastian Kappel, Regional OEM Sales Director, Danfoss.Danfoss)
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Herr Kappel, Sie sagen, Danfoss habe seine Produktstrategie
weiterentwickelt – weg von Einzelkomponenten, hin zu kompletten Subsystemen.
Was bedeutet das konkret?
Sebastian Kappel: Wir haben 2025 intensiv daran gearbeitet,
unsere Komponenten stärker zu integrieren und als funktionale Gesamtlösungen
darzustellen. Ein gutes Beispiel ist unser Telehandler-Modell auf der Messe: Dort
konnten wir zeigen, wie Pumpe, Ventile, Zylinder und Fluid-Conveyance-Produkte
im Zusammenspiel funktionieren. Kunden sehen damit nicht nur einzelne Bauteile,
sondern ein vernetztes System. Das schafft Transparenz – und genau dorthin
wollen wir weitergehen.
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Sie sprechen von Systemlösungen. Welchen Vorteil hat das für
einen OEM?
Kappel: Der OEM erwartet, dass wir sein Gesamtsystem verstehen –
nicht nur die Komponente. Viele Kunden wollen Entwicklungszeit sparen und
setzen auf bestehende, parametrierbare Funktionsbausteine. Unsere ‚Plus+1 Building
Blocks‘ sind so ein Ansatz: Der Kunde muss nicht alles selbst programmieren.
Gleichzeitig bleiben wir offen – wer eigenen Code nutzen möchte, kann das tun.
Oft entsteht ein Mix aus kundeneigener Software und unseren Bausteinen.
Die Branche steht unter Druck: Effizienz, Emissionen,
Kosten. Wie begegnen Sie diesen Herausforderungen?
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Kappel: Wir alle wissen: Effizienzsteigerung ist der Schlüssel. Dazu
reicht es nicht mehr, Komponenten separat zu optimieren. Entscheidend ist das
gesamte System, also wie die Bauteile miteinander interagieren. Hydraulik, Elektronik,
Software und Daten müssen sinnvoll verknüpft sein. Nur dann senkt man Verbrauch
und Emissionen nachhaltig. Und genau diesen systemischen Ansatz verfolgen wir –
auch unter dem Aspekt globaler Trends, etwa Energiepreise, politische
Unsicherheiten oder neue Absatzmärkte.
In vielen Segmenten wird gemischt: verschiedene Hersteller,
verschiedene Systemteile. Bleibt Ihre Architektur offen?
Kappel: Ja, absolut. Kunden kombinieren häufig Pumpen und Ventile
unterschiedlicher Anbieter. Das muss funktionieren – und ist auch möglich.
Natürlich erzielen Sie die beste Effizienz, wenn alles aus einem Guss ist. Aber
Lieferkettenprobleme haben gezeigt, dass Redundanz wichtig ist. Daher
unterstützen wir auch Multi-Vendor-Setups. Entscheidend ist die funktionierende
Integration.
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Elektrifizierung ist ein Megatrend. Wie positionieren Sie
die Hydraulik in diesem Umfeld?
Kappel: Hydraulik bleibt leistungsstark, kompakt und robust –
insbesondere bei großen Kräften und Drehmomenten. Wir sind überzeugt, dass die
Zukunft hybrid ist: E-Hydraulik. Elektrische Nebenfunktionen, 24- oder
48-Volt-Motoren, intelligente Pumpen, gekoppelt mit hydraulischer
Kraftübertragung. Das Beste aus beiden Welten. Rein elektrische Lösungen stoßen
besonders in der Landwirtschaft an Grenzen – Stichwort Energiespeicher auf dem
Feld. Daher wird Hydraulik in dem Bereich noch lange eine zentrale Rolle
spielen.
Autonomie rückt immer mehr in den Fokus. Wie weit ist da
die Entwicklung?
Kappel: Autonomie ist vielschichtig. Vollautonome, fahrerlose
Maschinen sind rechtlich noch nicht überall zulässig, obwohl es technisch
möglich ist. Aber teilautonome Funktionen – automatische Spurführung, Sensorik,
vorausschauende Regelung – diese Dinge sind längst Realität. Wir arbeiten
intensiv an solchen Lösungen und testen sie in unseren Entwicklungszentren, zum
Beispiel in Nordborg in Dänemark. Die Maschine soll ihre Funktionen optimieren
können, bevor der Bediener überhaupt eingreift. Das ist dann ein echter Effizienzgewinn.
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Welche Rolle spielt KI bei Danfoss?
Kappel: Wir nutzen KI aktuell vor allem intern, etwa für
Meeting-Transkripte oder Analysen. Richtung Produktentwicklung geht es eher um
intelligente Algorithmen, also vorausschauende Steuerungen. Die Maschine soll
im optimalen Wirkungsgrad arbeiten – dafür sammeln und analysieren wir Daten
schon seit Jahren. Ob man es KI oder intelligente Steuerung nennt, ist
zweitrangig. Wichtig ist: Elektronik und Hydraulik wachsen zusammen.
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Ein Thema auf der Messe war Ihr neuer
Zwei-Draht-Geflechtschlauch GH888. Was hat es damit auf sich?
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Kappel: Wir erreichen damit eine Kombination aus hoher
Druckbelastbarkeit, Flexibilität und geringeren Herstellungskosten im Vergleich
zu einem Spiralschlauch. Die Herausforderung liegt in der Fertigung: im Wickelwinkel,
der Überlappung und der exakten Kraftübertragung. Diese Expertise haben unsere
Werke über Jahre aufgebaut. Der Schlauch eignet sich besonders für Hauptpumpen
in Traktoren – eine extrem sensible Komponente. Weniger Draht bedeutet weniger
Gewicht und bessere Verlegbarkeit, ohne Kompromisse bei Sicherheit oder
Lebensdauer.
Sie erwähnen häufig Kundennähe. Wie sieht das konkret aus?
Kappel: Viele Kunden schicken uns komplette Maschinen – oder
Subsysteme wie Lenkmodul oder Fahrantrieb. Unsere Aufgabe lautet dann:
Effizienzsteigerung, Systemoptimierung oder komplette Umrüstung auf
Danfoss-Lösungen. Wir betreiben dafür eigene Applikationszentren in Europa, den
USA und Asien. Das ist für uns ein echter Wettbewerbsvorteil. Nur wenn wir die
Maschine verstehen, können wir die richtigen Komponenten entwickeln. Stillstand
ist keine Option – Systeme werden kontinuierlich weiterentwickelt.
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Was bedeutet das für die Zukunft?
Kappel: Die Anforderungen steigen: mehr Effizienz, mehr
Automatisierung, geringere Emissionen. Die Landwirtschaft und Bauindustrie
werden weiter wachsen – bei gleichzeitigem Fachkräftemangel und steigenden
Kosten. Unsere Aufgabe ist es, Maschinen intelligenter zu machen und Ressourcen
zu schonen. Mit der Kombination aus Hydraulik, Elektronik, Software und
System-Know-how sind wir dafür gut aufgestellt. Oder wie wir intern sagen:
Engineering a Better Future.
Die Fragen stellte Ragna Sonderleittner
FAQ: Systemeffizienz und smarte Hydraulik bei Danfoss
Was versteht Danfoss unter einem Systemansatz?
Danfoss setzt auf die Integration von Komponenten zu
funktionalen Subsystemen. Statt einzelner Bauteile wie Pumpe oder Ventil stehen
vernetzte Gesamtlösungen im Fokus – inklusive Software und Steuerung.
Warum ist Systemeffizienz wichtiger als
Einzeloptimierung?
Einzeln optimierte Komponenten bringen nur begrenzte
Effizienzgewinne. Erst das Zusammenspiel im Gesamtsystem senkt Verbrauch,
Emissionen und Entwicklungsaufwand nachhaltig.
Können Danfoss-Lösungen mit Produkten anderer Hersteller
kombiniert werden?
Ja, Danfoss unterstützt Multi-Vendor-Architekturen. Auch in
Systemen mit Komponenten unterschiedlicher Hersteller sorgt Danfoss für
reibungslose Integration und Performance.
Welche Rolle spielt Hydraulik in Zeiten der
Elektrifizierung?
Hydraulik bleibt zentral für Anwendungen mit hoher
Leistungsdichte. Danfoss kombiniert hydraulische Kraftübertragung mit
elektrischen Antrieben zu hybriden E-Hydraulik-Lösungen.
Wie weit ist Danfoss bei autonomen Maschinenfunktionen?
Teilautonome Funktionen wie Spurführung, Sensorintegration
und vorausschauende Steuerung sind bereits Realität. Vollautonome Systeme
hängen aktuell noch von gesetzlichen Rahmenbedingungen ab.
Wird bei Danfoss bereits künstliche Intelligenz
eingesetzt?
Aktuell nutzt Danfoss KI für interne Prozesse und in Form
intelligenter Steuerungsalgorithmen, die die Maschinenleistung optimieren. Die
Grenzen zwischen KI und smarter Software sind dabei fließend.
Was ist das Besondere am neuen GH888-Geflechtschlauch?
Der Zwei-Draht-Schlauch GH888 bietet hohe Druckfestigkeit
bei gleichzeitig geringerem Gewicht und besserer Verlegbarkeit – ideal für
Hauptpumpen in Landmaschinen.
Wie bringt Danfoss seine Lösungen nah an den Kunden?
Danfoss betreibt weltweit Applikationszentren, in denen
komplette Maschinen analysiert und für Systemeffizienz optimiert werden. Das
ermöglicht maßgeschneiderte Lösungen für OEMs.