Beschaffung als Auftragsquelle

Hydraulik in militärischen Systemen

Hydraulik wird bei der Bundeswehr aus den gleichen Grundprinzipien eingesetzt wie im zivilen Bereich, aber die Anforderungen hinsichtlich der Einsatzbedingungen und der Sicherheitsaspekte unterscheiden sich teilweise deutlich.

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Grafische Darstellung des Spähfahrzeugs NG im Gelände.
Grafische Darstellung des Spähfahrzeugs NG im Gelände.

Hydrauliksysteme zeichnen sich durch ihre kompakte Bauart aus, mit der große Kräfte präzise übertragen werden können. Hydrauliksysteme werden u.a. bei Abstützungen, Rampen, Panzerluken, Fahrwerken und Lenksystemen von Fahrzeugen eingesetzt. Bei militärischen Systemen (Fahrzeugen) ist Platz, Gewicht und Funktionalität in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen. Der Schutz der Besatzung hat hierbei höchste Priorität. Robust und zuverlässig bei Schmutz, Staub, Regen, Eis und Schnee müssen die Systeme jederzeit funktionieren. Dies bedeutet zum Beispiel, dass die militärischen Anforderungen für Hitze (+49°C) und Kälte (-46°C) erfüllt sein müssen. Notbetrieb und Redundanzen sind bei den funktionalen Forderungen für militärische Systeme einzupreisen. Weitere Aspekte sind feuerresistente Hydraulikflüssigkeiten sowie die Vermeidung der Entstehung von giftigen Dämpfen. Nicht zuletzt sind Geräusch- und Signaturreduzierungen, wie z. B. leise Abläufe, geringe Wärmeabstrahlung und kaum Vibrationen wichtige Anforderungen bei der Auslegung von militärischen Systemen. Abschließend ist der Aspekt der Wartung unter Gefechtsbedingungen bei der Auslegung der Systeme zu berücksichtigen ist. 

Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw)

Hauptaufgabe des BAAINBw ist die bedarfs- und forderungsgerechte Ausstattung der Bundeswehr mit leistungsfähiger und sicherer Wehrtechnik. Die Bandbreite reicht dabei vom Kampfpanzer über Kriegsschiffe und IT-Technik bis hin zur persönlichen Ausrüstung der Soldatinnen und Soldaten. Darüber hinaus widmet sich das Beschaffungsamt der Entwicklung und der Erprobung neuer Wehrtechnik – die sechs wehrtechnischen Dienststellen der Bundeswehr sind ebenso Teil des BAAINBw bzw. des Organisationsbereiches wie die beiden wehrwissenschaftlichen Institute der Bundeswehr und das Marinearsenal. Die Ausstattung der Bundeswehr mit Material und Gerät orientiert sich grundsätzlich an ihrem Auftrag. Auslöser von Beschaffungsprozessen sind immer sogenannte Fähigkeitslücken oder Bedarfe, die durch die Truppe identifiziert werden und nach einem positiven Entscheidungsprozess gedeckt werden. Der Erwerb des Materials, die Beschaffung, muss sich am Grundsatz der Wirtschaftlichkeit orientieren. Oberste Priorität hat dabei außerdem der Faktor Zeit. Schon im Juli 2022 hatte der Bundestag ein Gesetz zur Beschleunigung der Beschaffungsprozesse in den Streitkräften beschlossen, um Aufträge schneller und leichter vergeben zu können. 

Bedarf feststellen

Erste und wichtigste Regel im Beschaffungsprozess: Die Bundeswehr kauft nur Material, das für die Landes- und Bündnisverteidigung oder für ihre Aufträge im Ausland benötigt wird. Grundlage für die Feststellung der Rüstungsbedarfe ist das Fähigkeitsprofil der Bundeswehr. Im Fähigkeitsprofil werden die personellen und materiellen Bedarfe zusammengefasst, die zur Erfüllung der Vorgaben aus der Politik und den NATO-Verpflichtungen benötigt werden. 

Entscheidung zur Beschaffung

Das Planungsamt prüft dann, ob der gemeldete Bedarf tatsächlich besteht und auf welchem Weg er gedeckt werden kann: Vielleicht können die Bundeswehr-Dienstleister Abhilfe schaffen oder das benötigte Produkt ist sogar auf dem zivilen Markt frei erhältlich. Dafür wird dann ein integriertes Projektteam (IPT) aus Rüstungsexperten, Planern und den späteren Nutzern aus der Truppe gebildet. 

Vergabe

Wird der Lösungsvorschlag des IPT gebilligt, fertigt das BAAINBw eine funktionale Leistungsbeschreibung mit den geforderten technischen Leistungswerten an. Anschließend prüft der Inspekteur der betroffenen Teilstreitkraft, ob die Leistungsbeschreibung und der tatsächliche Bedarf übereinstimmen. Ist dies der Fall, wird das Vergabeverfahren eingeleitet. Es unterliegt dem europäischen Vergaberecht, wodurch der freie Zugang zu öffentlichen Aufträgen der EU-Mitgliedstaaten für Unternehmen sichergestellt wird. Nach der öffentlichen Ausschreibung erstellen die Unternehmen ein Angebot. Anschließend werden die Angebote verglichen. Den Zuschlag erhält das Unternehmen mit dem wirtschaftlichsten Angebot. Unterlegene Bieter haben die Möglichkeit, auf dem Rechtsweg gegen eine Vergabeentscheidung vorzugehen – entweder per Rüge oder per Klage. Das ist ein Grund dafür, warum sich die Beschaffungsprozesse in der Vergangenheit mitunter hingezogen haben. Die Bundeswehr teilt ihre Absicht, einen Auftrag zu vergeben je nach Verfahrensart in einer Auftragsbekanntmachung auf SERVICE.BUND.DE - Aktuelle Ausschreibungen der öffentlichen Verwaltung Deutschlands (Bund, Länder, Städte und Kommunen) und/oder https://ted.europa.eu/de/ mit. Eine Übersicht aller Auftragsbekanntmachungen ist über die e-Vergabe-Plattform des Bundes https://www.evergabe-online.de/ abrufbar. Dort können Sie alle  Angaben einsehen.  

Für weiterführende Informationen zur Vergabe von öffentlichen Aufträgen verweise ich außerdem auf unsere umfangreiche Broschüre: Vergabe bei der Bundeswehr

FAQ zur Vergabe von Aufträgen der Bundeswehr

  • Welche typischen Einsatzfelder haben Hydrauliksysteme bei der Bundeswehr? - Hydrauliksysteme werden u.a. bei Abstützungen, Rampen, Panzerluken, Fahrwerken und Lenksystemen von Fahrzeugen eingesetzt.

  • Welche Umgebungsbedingungen müssen militärische Hydrauliksysteme abdecken? - Robust und zuverlässig bei Schmutz, Staub, Regen, Eis und Schnee müssen die Systeme jederzeit funktionieren; zudem müssen die militärischen Anforderungen für Hitze (+49°C) und Kälte (-46°C) erfüllt sein.

  • Welche Punkte sind funktional einzuplanen? - Notbetrieb und Redundanzen sind bei den funktionalen Forderungen für militärische Systeme einzupreisen.

  • Welche zusätzlichen Anforderungen spielen bei der Auslegung eine Rolle? - Weitere Aspekte sind feuerresistente Hydraulikflüssigkeiten sowie die Vermeidung der Entstehung von giftigen Dämpfen; außerdem sind Geräusch- und Signaturreduzierungen wie z. B. leise Abläufe, geringe Wärmeabstrahlung und kaum Vibrationen wichtig, ebenso die Wartung unter Gefechtsbedingungen.

  • Welche Stationen prägen den Beschaffungsprozess? - Auslöser sind Fähigkeitslücken oder Bedarfe der Truppe, die Prüfung erfolgt durch das Planungsamt, es wird ein integriertes Projektteam (IPT) gebildet, das BAAINBw erstellt eine funktionale Leistungsbeschreibung, der Inspekteur prüft die Übereinstimmung, anschließend startet das Vergabeverfahren nach europäischem Vergaberecht mit Angebotseinreichung, Vergleich und Zuschlag.

  • Wo werden beabsichtigte Vergaben und Auftragsbekanntmachungen sichtbar? - Je nach Verfahrensart auf SERVICE.BUND.DE - Aktuelle Ausschreibungen der öffentlichen Verwaltung Deutschlands (Bund, Länder, Städte und Kommunen) und/oder https://ted.europa.eu/de/ sowie über die e-Vergabe-Plattform des Bundes https://www.evergabe-online.de/.