Im Hamburger Stahlwerk werden 240.000 Tonnen Schlacke pro Jahr bewegt. Der Cat 982 in „Steel Mill“-Ausführung trotzt bis zu 300°C, Staub und Abrieb – mit Hitzeschutz, Stahlkomponenten, Spezialhydraulik und erweiterten Sicherheitsfeatures für Mensch und Maschine.
Redaktion FLUIDRedaktionFLUID
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Die Aufbereitungsanlage zu beschicken und das Fertigmaterial aufzuhalden – das ist der Job für den Cat Radlader 982 in der Ausführung für Stahlwerke.Zeppelin)
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Heiß und hart geht es zur Sache in Hamburg, wenn die
Hanseatische Recyclingprodukt Vertriebsgesellschaft mbH (HRV), eine
Tochterfirma des Stahlwerks, auf dem Gelände von ArcelorMittal Schlacke
umschlägt. Baumaschinen wie ein neuer Cat Radlader 982 kommen dann an ihr Limit
und müssen dort bis zu ihrer äußersten Belastungsgrenze gehen. Für diesen Job
wurde das Ladegerät von Michael Otto, dem leitenden Verkaufsrepräsentanten der
Zeppelin Niederlassung Hamburg, konfiguriert. Weder die Schlacke darf dem
Radlader etwas anhaben noch die extremen thermischen Belastungen, die in der
Umgebung herrschen, wenn das Nebenprodukt der Stahlproduktion im Zuge der
Aufbereitung hergestellt wird.
Steel Mill Version
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Steel Mill Version – so wird die Spezialausführung von
Baumaschinen bezeichnet, die Aufgaben rund um die Stahlproduktion übernehmen
müssen. „Mit den Jahren und mit der Praxiserfahrung hat sich unsere Ausrüstung
immer weiterentwickelt und Sicherheitsstandards wurden verfeinert. Die Zeppelin
Niederlassung Hamburg weiß, was wir brauchen und kennt unsere genauen
Anforderungen“, so Metin Ayanoglu, Geschäftsführer bei HRV. Schutzmaßnahmen
müssen für größtmögliche Sicherheit von Mensch und Maschine sorgen, um die
Unfallgefahr auf ein Minimum zu reduzieren. „Gleichzeitig soll der Fahrer aber
nicht überfordert werden mit einem Zuviel an Ausrüstung“, erklärt Metin
Ayanoglu.
Grundvoraussetzungen für diesen Einsatz: Jeder Schlauch am
Radlader muss extra ummantelt sein. Komponenten aus Kunststoff würden sofort
in die Knie gehen. Deswegen sind sie aus Stahl und Bauteile wie Lampen oder
Hubzylinder besonders geschützt. Verwendet werden außerdem schwer entflammbare
Hydraulik-flüssigkeiten und Schmierstoffe. Die Einsatzbedingungen des Cat 982
dürfen nicht den Filter zusetzen und müssen darum täglich kontrolliert werden.
Großmaschige Kühler und ein Umkehrlüfter verhindern, dass auftretende
Staubpartikel nicht zulasten des Motors gehen. Extra verstärkt wurde auch das
Dach der Kabine, die zudem ein Wärmeschutzglas erhielt, was allein schon wegen
der abstrahlenden Wärme erforderlich ist. Die Fenster sind mit einem
speziellen Gummi isoliert.
Metin Ayanoglu (links), Geschäftsführer bei HRV, mit Michael Otto, leitender Verkaufsrepräsentant der Zeppelin Niederlassung Hamburg.Zeppelin)
Sicherheitsanforderungen in XXL
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HRV definiert in einem Lastenheft solche Ausrüstungsdetails,
die auf den Erfahrungen sowie Vorgaben des Stahlkonzerns ArcelorMittal und
dessen Standards hinsichtlich des Arbeits- und Gesundheitsschutzes basieren.
Die Standards, die für einen 35-Tonnen-Lader gelten, sind für alle Standorte
rund um den Globus, bezogen auf den Maschinentyp, dieselben. Und diese müssen dann Lieferanten wie Zeppelin umsetzen – so die
Vorgabe. Dabei gehen die Anforderungen hinsichtlich Sicherheit weit über die
üblichen Vorgaben hinaus. So signalisiert eine Leuchte außen am Dach vom
Fahrerhaus des Cat 982, ob der Maschinist seinen Sicherheits-gurt angelegt hat.
Selbst bei Sonnenschein sind die LED-Lichter in Betrieb, um das durch die
Schlacke geprägte grauschwarze Arbeitsumfeld auszuleuchten und somit für
Sichtbarkeit zu sorgen. Eine Rückfahrkamera ist ohnehin obligatorischer Standard.
Hinter dem Fahrerhaus wurde für den Fall, dass es brennt, ein Feuerlöscher
angebracht. Beim Arbeitsschutz geht es nicht nur darum, Gefahren zu vermeiden,
sondern Folgeschäden auszuschließen, die sich beispielsweise ergeben, wenn
Mitarbeiter falsche Arbeitsbewegungen ausführen. Auch darauf wird bei HRV
geachtet.
Glühend heiße Schlacke wird erst aus Kübeln in
Schlacke-Beete ausgekippt. Dann muss die Schlacke auf Temperaturen von bis zu
300 Grad Celsius abkühlen, bis sie im übertragenen Sinn wieder angefasst werden
kann. Dann kommt ein Cat Radlader 988 ins Spiel, der die Schlacke-Beete reinigt
und ausfährt. Aber das ist nur ein Betätigungsfeld von HRV. Das andere: die
Aufbereitungsanlage zu beschicken und das Fertigmaterial aufzuhalden – das ist
wiederum Sache vom Cat 982, der das Material aufnimmt und abfährt.
Zuverlässigkeit und ein störungsfreier Betrieb sind
wesentliche Kriterien für HRV, um den Produktionsfluss nicht zu unterbrechen,
wenn Nachschub an Schlacke verarbeitet werden muss. 240 000 Tonnen pro Jahr
werden in Hamburg an Nebenprodukten bewegt. Dabei leisten die Baumaschinen
einen wesentlichen Beitrag zur Stahlproduktion. Der harte Einsatz fordert auch
einen Baumaschinenlieferant wie Zeppelin in Hamburg hinsichtlich Service, um
solche Geräte am Laufen zu halten.
Beansprucht wird der Radlader nicht nur thermisch, sondern
durch das abrasive Material der Elektroofen-Schlacke, was Verschleiß
verursacht. Der unmittelbare Kontakt mit der Schlacke wirkt sich auf die fünf
Kubikmeter große Schaufel aus. Um nicht in Mitleidenschaft gezogen zu werden,
wurde sie aus Hardox 500 gefertigt. Das veranschaulicht ebenfalls, wie
herausfordernd hier das Arbeitsumfeld ist und unter welchen Bedingungen hier
Leistung von der Maschinentechnik abgerufen wird, wenn gewaltige Stoffströme umgeschlagen
werden – etwa von Eisenerz, Schrott und Nebenprodukten wie Schlacke.
An Nachhaltigkeit wird weiter gearbeitet
Um Walzdraht für Schweißdrähte, Autoreifen, Stahlseile und
Schrauben herzustellen, werden Schrott und Eisenschwamm im
Elektrolichtbogenofen eingeschmolzen. Das beansprucht viel Energie. In Hamburg
wird intensiv gearbeitet, um den Energieverbrauch weiter zu senken und den
CO2-Ausstoß zu reduzieren. Das Stahlwerk an der Elbe unternimmt weit mehr als
das Einsparen von Emissionen, betrachtet man den Eisenschrott, der jährlich in
die Produktion mit einfließt und somit dem Wertstoffkreislauf wieder zugeführt wird.
Aber auch für die bei der Stahlproduktion anfallenden 240 000 Tonnen
Nebenprodukte haben die Hanseaten einen Ver-wendungszweck: 150 000 Tonnen an
grauschwarzer Schlacke dienen im Straßenbau als Schottertrag- oder
Asphaltdeckschicht; 30 000 Tonnen an weißer Schlacke können als Düngemittel in der Landwirtschaft verwendet und die
Eisenoxide in Sinteranlagen oder Zementwerken eingesetzt werden – ganz im
Sinne einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft, für die auch der neue Cat 982
seinen Beitrag leistet.
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FAQ zum Schlacke-Umschlag in Hamburg
Welche Temperaturen hält der Cat 982 in der „Steel Mill“-Ausführung aus? - Der Cat 982 trotzt bis zu 300 °C.
Welche Aufgabe übernimmt der Cat 988 im Prozess? - Er reinigt die Schlacke-Beete und fährt sie aus, nachdem die Schlacke abgekühlt ist.
Wofür wird der Cat 982 eingesetzt? - Er nimmt das Material auf, fährt es ab, beschickt die Aufbereitungsanlage und hält Fertigmaterial auf Halde.
Warum sind besondere Schutzmaßnahmen am Radlader notwendig? - Weil thermische Belastungen, Staub und Abrieb den Einsatz prägen und die Unfallgefahr auf ein Minimum reduziert werden muss.
Welche Sicherheitsfeatures sind am Cat 982 umgesetzt? - Eine Leuchte zeigt außen am Dach an, ob der Sicherheitsgurt angelegt ist, LED-Lichter sorgen für Sichtbarkeit, eine Rückfahrkamera ist Standard und ein Feuerlöscher ist hinter dem Fahrerhaus angebracht.
Warum besteht die Schaufel aus Hardox 500? - Um dem abrasiven Material der Elektroofen-Schlacke standzuhalten und Verschleiß zu reduzieren.
Wie werden die Nebenprodukte der Stahlproduktion genutzt? - 150.000 Tonnen grauschwarze Schlacke dienen im Straßenbau, 30.000 Tonnen weiße Schlacke können als Düngemittel verwendet werden und Eisenoxide werden in Sinteranlagen oder Zementwerken eingesetzt.