Wie funktioniert der Getriebeheber mit Akkuschrauber-Hydraulik?
Mit dem jüngst entwickelten Getriebeheber schafft GL GmbH Metall- und Werkstatttechnik ein besonders ergonomisches und leistungsstarkes Hilfsmittel für den Werkstattalltag. Im Kern des Hubgerätes sitzt eine außergewöhnliche Hydraulikzylindereinheit von Bott. Diese wird bequem mit einem handelsüblichen Akkuschrauber betrieben.
Ragna SonderleittnerRagnaSonderleittner
VeröffentlichtGeändert
Im Kern des GL-Getriebehebers sitzt eine außergewöhnliche Hydraulikzylindereinheit von Bott. Sie wird mit einem handelsüblichen Akkuschrauber betrieben und führt den Schnellhub sogar unter Volllast und bei außermittiger Beladung aus.Bott)
Anzeige
Dirk Stier, Vertriebsleiter der GL GmbH Metall- und
Werkstatttechnik berichtet: „Gleich mehrere OEMs klopften in diesem Fall bei
uns an“. Die Konstrukteure aus Frickenhausen sind bekannt für ihre
zuverlässigen und benutzerfreundlichen Geräte für Kfz-Werkstätten. Daher
verlassen sich auch namhafte Automobilhersteller gerne auf den Erfindergeist
der Schwaben. Bei den Anfragen geht es um einen neuen Getriebeheber, der besser,
ergonomischer und sicherer als bisherige Hebezeuge sein soll. Nur die
Rahmenbedingungen werden definiert, doch das reicht für die erfahrenen
Entwickler aus. „Wir hatten zu diesem Zeitpunkt schon ein Bild des neuen
Getriebehebers vor Augen. Allerdings wussten wir nicht, ob und wie es sich
hydraulisch umsetzen lässt“, erzählt Stier.
Dafür holen sich die
GL-Konstrukteure Entwicklungspartner Bott ins Boot. Denn die Mössinger Hydrauliker
sind nicht nur Experten in ihrem Fach, sondern haben auch ein hervorragendes
Gespür für die Anwenderseite. Gezielt hinterfragen sie Arbeitsabläufe und
Zielsetzung und erarbeiten gemeinsam mit GL die Anforderungen an die
Zylindereinheit. So wird aus ‚besser, sicherer und ergonomischer‘ ein klar
umrissenes Lastenheft für einen außergewöhnlichen Getriebeheber.
Anzeige
Kraftsparend schrauben statt pumpen
Mobile Getriebeheber übernehmen bei Wartungs- und
Reparaturarbeiten im Motorraum eines Fahrzeuges im wahrsten Sinne des Wortes
eine tragende Rolle. Mit ihnen wird das Getriebe während des Ausbaus gestützt, anschließend
abgesenkt und nach unten aus dem Motorraum entnommen, innerhalb der Werkstatt transportiert
und nach getaner Arbeit für den Einbau wieder von unten in den Motorraum
gehoben. Sämtliche Arbeitsschritte müssen möglichst sicher vonstattengehen.
Doch bisher plagen sich Monteure oft mit Hand- oder Fußpumpen ab, mit deren
Hilfe sie die Last häppchenweise in die Höhe pumpen, denn schnell und druckluftunterstützt
fahren gängige Hydraulikzylinder nur ohne Last aus. Auch beim Absenken und Manövrieren
der schweren Bauteile ist große Sorgfalt geboten, damit das gesamte Konstrukt
weder kippt noch an Druckluftschläuchen hängen bleibt.
Durch den Akkuschrauber-Antrieb der Bott-Hydraulikeinheit entlastet der neue Getriebeheber im Werkstattalltag und arbeitet energieoptimiert sowie unabhängig von einer stationären Energieversorgung.GL)
„Das wollten wir natürlich besser lösen“, berichtet Markus
Haist, Prokurist und Verantwortlicher für Vertrieb und Technik der Wolfgang
Bott GmbH & Co. KG. Warum also den Hydraulikzylinder nicht völlig autark,
vom Druckluftnetz unabhängig und auch bei Belastung schnell und ohne manuellen
Krafteinsatz betreiben? Kurzerhand bringen die Experten von Bott die Idee ins
Spiel, die Hydropumpe mithilfe eines Akkuschraubers anzutreiben. Der Ansatz ist
grundsätzlich nicht unbekannt, doch bisher hat sich noch niemand daran gewagt, diese
Betriebsart industriell und für den Schnellhub unter Last einzusetzen. Ein
handelsüblicher Akkuschrauber ist normalerweise in jeder Werkstatt zur Hand
und im Vergleich zum Druckluftbetrieb arbeitet er energieoptimiert und ist
unabhängig von einer stationären Energieversorgung.
Ein Prototyp wird gebaut, in dessen Inneren die von Bott
entwickelte Zylindereinheit steckt. Abhängig von der Drehzahl des
Akkuschraubers funktioniert der Schnellhub damit auch unter der zuvor
definierten Maximallast. Schon bei diesem Modell sind für den Feinhub und das
Absenken des Zylinders zwei Pedale integriert, damit beide Hände während des
Bedienens frei bleiben. Nach dem Bau des ersten Mustergerätes ziehen die Entwickler
zusätzlich die Expertise des zuständigen TÜVs zu Rate. Schließlich steht am
Ende des Projekts die Prüfung und Freigabe an. Doch das Gespräch mit den
Sachverständigen des TÜVs bringt zusätzliche, für die Hydrauliker bisher
unbekannte Anforderungen ans Licht.
Getriebe liegen nie wirklich mittig auf
Anzeige
Zwar zeigen die ersten Tests mit dem Prototyp, wie
zuverlässig der Lastenheber insgesamt und der Schnellhub im Speziellen
arbeitet. Allerdings war man bisher von einer relativ gleichmäßigen Beladung
des Zylinders ausgegangen. Doch Getriebe liegen in der Praxis nie wirklich
mittig auf der Aufnahme eines Getriebehebers, selbst wenn sie sorgfältig
positioniert werden. Eine Tatsache, die im Werkstattalltag so
selbstverständlich ist, dass man schlicht versäumt hatte, sie zu erwähnen. „Aus
hydraulischer Sicht ist das beinahe eine Katastrophe“, erklärt Markus Haist.
Denn Hydraulikzylinder sind nicht für übermäßige Querkräfte geeignet und können
bei zu hoher exzentrischer Belastung verklemmen. Ein Sicherheitsproblem, das es
zu lösen gilt und die Hydraulikspezialisten natürlich zusätzlich anspornt.
Die von Bott entwickelte Zylindereinheit bewältigt auch auftretende Querkräfte bei außermittiger Beladung und befördert Getriebe im Schnellhub auf die maximale Arbeitshöhe von zwei Metern.GL)
Der tiefsitzende Schwerpunkt der Hydraulikeinheit und das spezielle Fahrwerk gewährleisten den festen Stand des Getriebehebers. Durch die vier Lenkrollen und eine Verdrehsicherung lässt er sich auch mit Beladung leicht und sicher manövrieren.GL)
Weitere Entwicklungszyklen folgen, in denen das Team den
Hubzylinder optimiert. Dabei machen die Experten von Bott scheinbar Unmögliches
möglich und erschaffen eine Zylindereinheit, die sowohl im Schnellhub als auch
vollausgefahren die auftretenden Querkräfte bewältigt. Der zusätzliche Nutzen,
den diese neue Lösung bietet, ermutigt die Auftraggeber, ihre ursprünglichen
Grenzwerte zu erhöhen. Die Leistungsdaten des neuen Getriebehebers liegen daher
heute weit über den anfänglichen Vorgaben. Durch die spezielle Ausführung der Zylindereinheit
trägt das mobile Gerät nun auch außermittig platzierte Getriebe bis 600 kg und befördert sie schnell und sicher auf die maximale Arbeitshöhe, die mittlerweile bei 2.000 mm liegt. Gleichzeitig verlagern
die Entwickler das Hauptgewicht des hydraulischen Kraftpakets nach unten, um
den Schwerpunkt des Hubgerätes möglichst
weit abzusenken und damit einen kippsicheren Stand zu gewährleisten. Ein spezielles Fahrwerk von GL mit vier Lenkrollen,
zwei davon gebremst, und mit Verdrehsicherung runden das Gesamtwerk ab. Damit lässt
sich der mit 750 x 750 x 850 mm sehr kompakte Getriebeheber
sicher manövrieren.
Außergewöhnliche Lösung mit Spielraum
Anzeige
Der Weg zum optimalen Getriebeheber war zwar zunächst
etwas holprig. Doch durch die enge Zusammenarbeit und den Ehrgeiz, über den
Tellerrand zu schauen, haben GL und Bott eine außergewöhnliche Lösung auf die
Beine gestellt, die den Umgang mit schweren Bauteilen erheblich erleichtert.
Die neueste Entwicklung verspricht sogar noch weitere Einsatzfelder für die
Zukunft, denn die Zylindereinheit mit Akkuschrauber-Antrieb ist in alle
Richtungen skalierbar.
Quelle: Wolfgang Bott GmbH & Co. KG
FAQ zum Getriebeheber mit Akkuschrauber-Hydraulik
Was ist das Besondere am Getriebeheber von GL und Bott? - Der Getriebeheber kombiniert eine speziell entwickelte
Hydraulikzylindereinheit mit einem handelsüblichen Akkuschrauber als Antrieb.
Dadurch entfällt manuelles Pumpen oder der Einsatz von Druckluft vollständig,
was Ergonomie, Sicherheit und Effizienz im Werkstattalltag deutlich erhöht.
Wie funktioniert der Akkuschrauber-Antrieb in der
Hydraulik? - Der Akkuschrauber treibt die integrierte Hydropumpe direkt
an. Je nach Drehzahl des Geräts wird der Zylinder schnell oder feinfühlig
bewegt – und das auch unter voller Last. Die Lösung arbeitet energieoptimiert
und unabhängig von stationären Versorgungsnetzen.
Welche Vorteile bietet der Getriebeheber im Vergleich zu
herkömmlichen Modellen? - Im Vergleich zu klassischen Getriebehebern mit Hand- oder
Fußpumpe ermöglicht die neue Lösung ein kraftsparendes, schnelles Heben und
Senken unter Last. Gleichzeitig reduziert sie körperliche Belastungen für das
Werkstattpersonal und erhöht die Arbeitssicherheit.
Wie sicher ist der Getriebeheber bei außermittiger
Belastung? - Da Getriebe in der Praxis selten exakt mittig aufliegen,
wurde die Zylindereinheit speziell für hohe Querkräfte ausgelegt. Der
Getriebeheber kann auch außermittig platzierte Lasten bis zu 600 kg zuverlässig
und verklemmungsfrei bewegen.
Welche maximale Traglast und Hubhöhe werden erreicht? - Der Getriebeheber trägt Getriebe mit einem Gewicht von bis
zu 600 kg und hebt sie auf eine maximale Arbeitshöhe von 2 000 mm. Damit
übertrifft das Gerät die ursprünglich definierten Leistungsanforderungen
deutlich.
Welche Rolle spielte der TÜV bei der Entwicklung? - Bereits in der Prototypenphase wurde der TÜV in die
Entwicklung eingebunden. Die Sachverständigen lieferten wichtige Hinweise zu
sicherheitsrelevanten Anforderungen, die in weiteren Entwicklungszyklen
konsequent umgesetzt wurden.
Wie wird der Getriebeheber ergonomisch bedient? - Für den Feinhub und das Absenken sind Pedale integriert,
sodass der Bediener beide Hände frei behält. Das erleichtert das sichere
Positionieren des Getriebes und verbessert die Kontrolle während des gesamten
Arbeitsprozesses.
Für welche Werkstätten eignet sich der Getriebeheber
besonders? - Der Getriebeheber eignet sich ideal für Kfz-Werkstätten,
OEM-Werkstätten und Instandhaltungsbetriebe, in denen regelmäßig schwere
Antriebsstränge aus- und eingebaut werden und hohe Anforderungen an Ergonomie
und Sicherheit bestehen.
Ist die Akkuschrauber-Hydraulik auch für andere
Anwendungen geeignet? - Ja. Die entwickelte Zylindereinheit ist skalierbar und
eröffnet perspektivisch weitere Einsatzfelder, bei denen schwere Lasten mobil,
sicher und unabhängig von Druckluft oder Stromnetzen bewegt werden müssen.