Wie Industrie und Streitkräfte bei der Beschaffung zuammenarbeiten
Auf der vergangenen Maritime Security & Defence Conference wurde klar, dass moderne Verteidigungsbeschaffung nur mit mehr Tempo, Effizienz und echter Kooperation gelingen kann.
Wie es um die Sicherheit in Europa insbesondere vor dem Hintergrund des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine bestellt ist, beleuchtete Admiral a.D. Joachim Rühle in seiner viel beachteten Keynote.
MS&D)
Nie war der Handlungsdruck
größer. Die Veranstaltung im Internationalen Maritimen Museum Hamburg setzte
Maßstäbe bei der Zusammenarbeit zwischen militärischen und politischen
Entscheidungsträgern und der Industrie. Die internationale Sicherheitskonferenz
MS&D (Maritime Security & Defence Conference) ist erfolgreich zu Ende
gegangen. Mit knapp 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus ganz Europa war
die Veranstaltung im Internationalen Maritimen Museum Hamburg komplett
ausgebucht. Im Zentrum stand die Zusammenarbeit zwischen Industrie und
Streitkräften bei der Beschaffung von Rüstungsgütern. „Das enorme Interesse an
der MS&D zeigt, wie wichtig das Thema gerade im maritimen Sektor ist. Hier
macht sich die verschärfte Sicherheitslage deutlich bemerkbar“, sagt Konteradmiral
a.D. Karsten Schneider, Präsident des Deutschen Maritimen
Instituts (DMI), das die Konferenz inhaltlich gestaltet hat.
Militärische Resilienz
Wie es um die Sicherheit in Europa insbesondere vor dem
Hintergrund des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine bestellt ist,
beleuchtete Admiral a.D. Joachim Rühle in seiner viel
beachteten Keynote. Die akute Bedrohung zeige sich bereits in zahlreichen
hybriden Attacken etwa in der Ostseeregion und erfordere wirksame militärische
Gegenmaßnahmen.
Rühle, bis vor kurzem Chef des Stabes im Alliierten
Hauptquartier SHAPE und damit einer der wichtigsten NATO-Offiziere: „Wir dürfen
uns nicht länger auf wirtschaftliche Stärke allein verlassen. Europa muss
sicherheitspolitisch handlungsfähig werden – mit verteidigungsbereiten
Streitkräften, resilienter Infrastruktur und einer Industrie, die schnell
liefern kann. Entscheidend ist, dass wir unsere Streitkräfte materiell zügig
transformieren und die Beschaffungsprozesse radikal beschleunigen. Nur wenn
Truppe, Politik und Wirtschaft gemeinsam Tempo aufnehmen, wird Europa bis 2029
wirklich verteidigungsfähig sein.“
Geballte Expertise
Das spannte den Bogen zum Thema Verteidigungsfähigkeit. Die
lässt sich nach übereinstimmender Meinung der versammelten Expertinnen und
Experten nur gewährleisten, wenn außer in Personalstärke auch im großen Stil in
militärische Ausrüstung investiert wird. Deutschland und seine europäischen
Verbündeten haben ihre entsprechenden Etats massiv und nachhaltig ausgeweitet.
Doch wie bekommt man die PS schnell auf die Straße?
Besonders aufschlussreich war hier der Beitrag von
Keynote-Speaker Norbert Blumenthal, Unterabteilungsleiter Rüstung
III im Bundesverteidigungsministerium. Wohl kaum jemand kann die Facetten des
Beschaffungswesens insbesondere im Marinebereich so fundiert analysieren wie
er. Vor seinem Wechsel ins Bundesverteidigungsministerium war Blumenthal
stellvertretender Abteilungsleiter See im Bundesamt für Ausrüstung,
Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr in Lahnstein – einer zentralen
Schnittstelle für die militärische Beschaffung. „Die Bedrohungslage ist eindeutig – unsere Antwort muss eine Marine sein, die
jederzeit einsatzbereit, technologisch überlegen und in ihren Fähigkeiten
schnell anpassungsfähig ist“, betonte Blumenthal. „Dazu setzen wir auch
verstärkt auf internationale Kooperation, um nicht nur die Interoperabilität
mit unseren Partnern zu gewährleisten, sondern durch die Einführung und
gemeinsame Nutzung möglichst identischer Systeme, Synergien in Logistik,
Ausbildung und Weiterentwicklung zu schaffen. Um den aktuellen
sicherheitspolitischen Herausforderungen zu begegnen, kommt es entscheidend
darauf an, dass unsere industriellen Partner die beauftragten Systeme im Zeit-
und Kostenrahmen und in der gebotenen Qualität liefern.“
Begeistertes Feedback
Hochkarätige Speaker, exklusive Einblicke – entsprechend
positiv fällt das Resümee der Veranstalter aus: „Es gibt wohl europaweit
kein Event, das so viele geballte Informationen aus dem Maschinenraum des
militärischen Beschaffungswesens liefert. Die zweitägige MS&D Conference im
September 2026 wird einen Blick auf das „global procurement“ werfen“,
sagt Claus Ulrich Selbach, Vice President Exhibitions bei der
Hamburg Messe und Congress. Das war auch der Eindruck vieler Teilnehmerinnen und
Teilnehmer. „Die MS&D Conference 2025 hat sich für SINN Power eindeutig
gelohnt. Wir konnten gezielt mit Entscheiderinnen und Entscheidern aus
Bundeswehr, EU und Industrie ins Gespräch kommen und wertvolle Einblicke in
aktuelle Bedarfe gewinnen. Die Konferenz hat uns klare Orientierung gegeben und
konkrete Anknüpfungspunkte für zukünftige Kooperationen geschaffen“, sagt
Geschäftsführer Dr.-Ing. Philipp Sinn.
Ole Johannsen, CEO von Develogic, ergänzt: „Die
MS&D ist nicht nur eine Fachkonferenz für maritime Sicherheit, sondern auch
ein Ort, an dem sich die maritime Community in Hamburg und darüber hinaus
vernetzt. Für uns ist der persönliche Austausch mit regionalen und
internationalen Partnern entscheidend, um neue Sichtweisen kennenzulernen und
gemeinsame Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft zu diskutieren.
Hamburg als maritimes Zentrum bietet dafür die perfekte Bühne, denn hier
entstehen Ideen, die die Branche voranbringen.“
Wie sich die Abläufe vereinfachen und beschleunigen lassen,
war ebenfalls Gegenstand der Diskussionen auf dem Podium. Mehr Effizienz an den
zentralen Schnittstellen zwischen Politik, Militär, Industrie und
Dienstleistern gilt als eine entscheidende Voraussetzung, um Mittel gezielt
einzusetzen und Projekte zügig umzusetzen. Dafür geht die Bundeswehr schon
jetzt neue Wege in der Beschaffung und setzt auf schnelle Lösungen für aktuelle
Herausforderungen in Zusammenarbeit mit dem Startup-Ökosystem und Innovatoren
aus der Truppe. Sven Weizenegger, Leiter des Cyber Innovation
Hub der Bundeswehr, und Flottillenadmiral Dirk Gärtner, Leiter
der Abteilung Planung und Konzeption im Marinekommando, nannten dafür einige
prägnante Beispiele aus der Praxis, machten aber auch deutlich, was alles noch
verbessert werden muss, um die ambitionierten Ziele zu erreichen.
Erfolgreiches Netzwerken
„Die Veranstaltung hat den Nerv der Zeit getroffen“,
resümiert Mitorganisator Konteradmiral a.D. Karsten Schneider.
„Unsere klare Fokussierung auf Beschleunigung und moderne Beschaffungsprozesse
hat genau die richtigen Zielgruppen zusammengebracht.“ Panels und Networking-Formate boten wertvolle Möglichkeiten,
Vertreter der Streitkräfte und Unternehmen mit Interesse am Verteidigungsmarkt zusammenzubringen. Mit Spannung blickt die Branche nun auf die nächste reguläre
MS&D, die im kommenden September wieder im Rahmen der maritimen
Weltleitmesse SMM stattfinden wird. „Ich bin mir sicher, dass wir bis dahin
schon einige Schritte vorangekommen sein werden“, sagt Karsten
Schneider.
FAQ zur Veranstaltung MS&D
Wie viele Teilnehmende waren vor Ort? - Mit knapp 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus ganz Europa war die Veranstaltung komplett ausgebucht.
Worum ging es thematisch im Kern? - Im Zentrum stand die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Streitkräften bei der Beschaffung von Rüstungsgütern.
Welches zentrale Signal wurde auf der Konferenz betont? - Dass moderne Verteidigungsbeschaffung nur mit mehr Tempo, Effizienz und echter Kooperation gelingen kann.
Wann ist der nächste thematische Schwerpunkt als Ausblick genannt? - „Die zweitägige MS&D Conference im September 2026 wird einen Blick auf das „global procurement“ werfen“.
Quelle: MS&D