Ralph Reherger, Bild: fluid

Ralph Rehberger ist Key Account Manager bei Hansa-Flex mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung in der Hydraulikbranche. Bild: fluid

Wie geht es dem Hydraulik-Markt aktuell?
Ich glaube, dass die ganze Branche in einer Erwartungshaltung ist. Dieses Jahr stehen bei uns Bundestagswahlen an. Wir haben einen neuen Präsidenten in Amerika, demgegenüber hat der Maschinenbau momentan noch Fragezeichen in den Augen. Der Maschinenbau in Deutschland schwächelt. Es wird ein schwieriges Jahr. Was jedoch anzuziehen scheint, ist der Mining-Bereich. Viele Baggerhersteller, denen es über Jahre hinweg nicht gut ging, haben wieder eine verbesserte Auftragslage. Hansa-Flex selbst sieht Wachstumsmärkte für die nächsten Jahre und Jahrzehnte im Ausland.

Wo genau?
Unser Chef sieht unter anderem Afrika als Wachstumsmarkt. Dazu sind wir in Asien schon relativ lange und breit vertreten und ich glaube, das ist noch extremst ausbaufähig. Natürlich haben wir in China einen rückläufigen Markt, der ist immer noch nicht sehr stabil, aber mittel- bis langfristig gesehen, glaube ich schon, dass Asien – Indien wurde bisher vernachlässigt – und Afrika sicherlich noch weiter Zielmärkte sein werden. Es gibt also noch Wachstumsländer – Deutschland gehört meiner Meinung nach nur bedingt dazu. Aber bei Hansa-Flex sind wir breit aufgestellt. Das ist ein großes Plus. Wir sind in allen Sparten vertreten, ob das jetzt Bagger sind, ob das die Windenergie ist, es gibt, glaube ich, keine Sparte, wo irgendwo ein Medium durchläuft, wo wir nicht mit am Ball sind. Das ist ganz gut, wenn mal eine Sparte schlecht läuft, dann sind wir mit anderen gut vertreten.

Sie sprachen gerade auch von Windenergie. Wie viel Hydraulik kommt da zum Einsatz?
Sie wären überrascht: relativ viel. Jedes Rotorblatt kann verstellt werden, das heißt, es wird ein Zylinder benötigt, ozonbeständige Spezialschläuche und Rohrleitungen für die Bremssysteme des Rotors. Das ist für uns ein großer Markt und wir beliefern die ganze Range der Hersteller – auch als Erstausrüster. Nicht zu vernachlässigen ist in diesem Business natürlich auch das Ersatzteilgeschäft. Es gilt: Je mehr Windräder gebaut werden, desto besser.

Ralph Rehberger von Hansa-Flex. Bild: fluid

"Wenn man in neue Märkte, wie den Offshore-Markt investiert, muss man sich auch neuen Herausforderungen stellen."

Ralph Rehberger, Hansa-Flex

Da kommen im Offshore-Bereich ja ganz neue Herausforderungen auf Sie zu, wenn es um das Ersatzteilgeschäft und Ihren Hydraulik-Notdienst geht?
Genau, die Servicetechniker müssen schon heute einen Steignachweis haben. Das heißt, wenn sie auf über 100 Meter hochgehen, müssen sie einen Nachweis erbringen, dass sie höhentauglich sind.

Und dann gab es bei uns schon die fixe Idee, ob wir ein Boot kaufen sollten. Man lacht, aber es ist wirklich so: Wie kommt der Service-Techniker sonst an sein Ziel? Allerdings witzeln wir zur Zeit eher noch darüber. Der Offshore-Bereich ist relativ neu im Markt, aber es wird eine Herausforderung sein, der sich Hansa-Flex stellen muss. Denn wenn Offshore eine Reparatur notwendig ist, kann man da mit einem Sprinter nicht einfach mal hinfahren und hat die Werkstatt dabei – man braucht wirklich ein Boot. Wie gesagt: Noch ist das nur eine lustige Geschichte, aber ich glaube, dass man, wenn man in neue Märkte wie den Offshore-Markt investiert, sich auch den neuen Herausforderungen stellen muss.

Mal ein bisschen provokativ gefragt: Braucht es bald vielleicht gar keinen Notfallservice mehr? Die Unternehmen sagen, all ihre Produkte werden immer besser, ausfallsicherer und wartungsfreier. Wird da mit den Jahren nicht auch Ihr Notfallservice weniger in Anspruch genommen?
Es gibt ja auch viele Schäden, die gar nicht durch Prozessfehler zustandekommen, sondern durch mechanische Fehler. Man fährt beispielsweise mit dem Stapler über irgendwelche Rohr- oder Schlauchleitungen drüber. Es gibt viele Ausfallursachen. Unser Hauptkundenklientel ist die Baggerbranche, denn da, wo gebaggert oder abgerissen wird, da gehen auch Schlauchleitungen kaputt. Das ist ein großer Zielmarkt für unseren mobilen Service. Ich würde das gar nicht so überspitzt darstellen. Es gibt viele Anwendungsfehler, die einfach unabhängig von der Produktqualität gemacht werden und viele Einflussfaktoren von außen, die zu Schäden führen.

Allerdings ist es schon so, dass die Produkte, die heute am Markt sind, sehr gut ausgereift sind. Die Qualität der Konstrukteure und der Produktionsleute hat extrem zugenommen. Ich bin jetzt 20 Jahre in der Branche und erlebe relativ oft, dass man irgendwo hingerufen wird, und es wirklich nur Nuancen sind, die in der Montage falsch gemacht wurden. Und die Sensibilisierung für Schulungsmaßnahmen hat zugenommen. Das ist nicht so, weil Fehler gemacht werden, sondern weil der Anspruch einfach da ist.

Das Thema Condition Monitoring gewinnt an Bedeutung, wie sieht es damit in Komponenten wie Schläuchen und Verbindungstechnik aus?
Wer soll das bezahlen? Natürlich gibt es das, auch bei Schneidringen und Elastomerdichtungen mittels Drucksensorik, um die Dichtheit zu gewährleisten, aber das ist dann so diffizil, dass wir uns in Bereichen bewegen, in denen es wirklich um null Stillstandszeiten geht. Es gibt schon viel in dem Bereich, und die Sensorik wird immer günstiger. Anlagenbetreiber sehen, wo sie einen Druckverlust haben, wenn zum Beispiel eine Spritzgießmaschine nicht mehr schließt. Das Tool des Monitorings ist schon vorhanden. In der normalen Fahrzeugtechnik sowie in der Bau- oder Landmaschine sind bereits jetzt schon viele Dinge ersichtlich, aber ein voll umfängliches Monitoring über alles betrachtet, sehe ich dort beispielsweise nicht so. Es soll und muss ein System auch bezahlbar bleiben, man kann nicht jede Leitung überwachen.

Zurzeit nicht oder auf lange Sicht nicht?
Es ist oftmals eine Kostenfrage. Jeder Betreiber schaut wirklich extrem auf die Kosten. Wir sprechen in Deutschland und ganz Europa von Verdrängungsmärkten. Da will sich kein Anlagenbetreiber oder Hersteller erlauben, einfach 20, 30 oder 50 Prozent mehr für das Monitoring auszugeben. Wie gesagt: in kleinen Maßen ist es vorhanden. Da, wo es notwendig ist und da, wo es absolut Sinn macht, ist es auch ein gutes Tool. Aber dass man volle Transparenz erreicht, das sehe ich auch für die nächsten Jahre nicht. hei