Aufzug - Bild: Harald Pettersen - Statoil

Zwei Drittel der Beine stehen unter Wasser. In einem der Beine transportiert ein Aufzug Mitarbeiter in ganzen neun Minuten von der Station bis zum Fundament am Meeresboden. Hier herrscht ein Druck von 35 Kilogramm pro Quadratzentimeter. Um diesen Druck stand zu halten, wurden in den zwei Meter dicken Betonwänden Stahlgitter verbaut – diese würden für 15 Eiffeltürme reichen. Bild: Harald Pettersen - Statoil

Knapp 100 Kilometer vor der norwegischen Küste, westlich von Bergen: hier liegt der größte Erdgasfeld in der Nordsee: das Troll-Gasfeld. Es umfasst rund 60 Prozent der norwegischen Offshore-Erdgasreserven und ist das größte bisher entdeckte Erdgasvorkommen in der Nordsee. Troll deckt zehn Prozent des westeuropäischen Gasbedarfs und soll für 50 bis 70 Jahre Erdgas liefern. Von hier wird das geförderte Erdgas per Pipeline europaweit exportiert. Das Troll-Gasfeld wird von der staatlichen norwegischen Ölgesellschaft Statoil betrieben und wurde unter der Leitung des Shell-Konzerns erschlossen.

Die größte Bohrinsel der Welt

Hier steht heute die größte Gasförderplattform der Nordsee und gleichzeitig die größte Bohrinsel der Welt: die Troll A. Sie wurde 1995 im Trockendock von Stavanger, Norwegen, gebaut und soll bis ins Jahr 2066 Gas fördern. Die Plattform ist 472 Meter hoch, wiegt 683.600 Tonnen (1,2 Millionen Tonnen mit Ballast) und ist die größte und schwerste Struktur, die von Menschenhand je bewegt wurde. In nur sechs Jahren wurden die Beine und die Plattform der weltgrößten Bohrinsel gebaut.

Allein für die Konstruktion der Beine mussten die verantwortlichen Ingenieure sich einiges einfallen lassen. Nicht nur, dass diese bis zu 14 Meter hohen Wellen standhalten müssen, die Bohrinsel muss auch im Joghurt-artigen Meeresboden sicher verankert werden. Um gegen den Druck bestehen zu können, wurden die Betonbeine in einem besonderen Verfahren gefertigt: im sogenannten Slip-forming. Dabei wurden die Beine mit Hilfe einer Gleitschalung, die per Hydraulik an der Säule hochgezogen wird, in einem Zug gebaut. Die Säulen werden quasi in einem Stück gegossen, denn jede Verbindungsnaht wäre eine potenzielle Schwachstelle. Die Wände sind zwei Meter dick und bestehen aus Beton und Stahlgittern. Insgesamt wurde Stahl für 15 Eiffeltürme verbaut. Durch diese Kombination sind die Beine besonders stabil und gleichzeitig flexibel genug, um hohen Wellen Stand zu halten. Denn die Beine der Plattform stehen zu zwei Drittel, das heißt 303 Meter tief, im Wasser. Um von der Bohrinsel zum Fuß der Beine zu gelangen, benötigt ein Aufzug in einem der Beine ganze neun Minuten.

Die vier Beine werden mit Hilfe eines „chord shortener“, einem Band aus Stahl miteinander verbunden. Dieses verhindert, dass potenzielle starke Wellenfrequenzen die Beine zerstören. Wie das passieren könnte? Vergleichen kann man es mit einem zerspringendem Glas. Ein Glas hat eine bestimmte Frequenz. Will man dieses nun zum Zerspringen bringen, muss beispielsweise eine Gitarre, die gleiche Frequenz senden. Dadurch versetzt es das Glas in Schwingungen. Hält es diesen Bewegungen nicht mehr Stand, zerbricht es. Verändert man jedoch die Frequenz des Glases, in dem man zum Beispiel einen Gegenstand an das Glas hält, ist es vor der vorherigen Frequenz sicher.

Das gleiche passiert bei den Betonbeinen der Troll A. Das Betonband erhöht die Frequenz der Beine, so dass sie durch die Wellenfrequenzen nicht mehr zerstört werden können.

Schwerer Transport aufs Meer

Sechs Jahre lang wurde an der 22.500 Tonnen schweren Arbeitsplattform und den Beinen gebaut. Im Januar 1995 erfolgte die „Hochzeit“ des Bohrinsel-Unterteils und der Arbeitsplattform. Dazu wurden die Ballasttanks im Sockel sowie die gesamten Säulen geflutet und im Fjord abgesenkt, sodass die vier Säulen nur noch knapp über das Wasser ragten. Erst dann konnte die auf Pontos schwimmende Arbeitsplattform von Schleppern über die Säulen gezogen werden.

Troll A - Bild: Anette Westgard - Statoil
In den zwei Meter dicken Die Troll A wird von insgesamt 19 Vakuum-Pfählen von einer Länge von 45 Metern im Meeresboden gehalten. Diese Pfähle bilden eine Fläche von drei Fußballfeldern. Das Prinzip mit dem die Plattform verankert ist, basiert auf der Kraft einer Vakuumpumpe. Das Vakuum in den Pfählen hält die Plattform im Meeresboden fest. Bild: Anette Westgard - Statoil

Anschließend wurde die gesamte Bohrinsel auf 230 Meter über den Meeresspiegel angehoben, um sie im Mai 1995 zu ihrem Bestimmungsort zu ziehen. Zehn Schlepper mit insgesamt 130.000 PS benötigten zehn Tage, um die Bohrinsel mit einer Geschwindigkeit von 1,7 Knoten zum 170 Seemeilen entfernten Troll-Gasfeld zu schleppen. Mit diesem Transport gilt die Plattform als das größte und schwerste je von Menschenhand bewegte Bauwerk. Danach wurde die Sea Troll A auf den Meeresboden abgesenkt. Hier herrscht ein Druck von 35 Kilogramm pro Quadratzentimeter, dem die zwei Meter dicken Betonwände aushalten müssen. Jede Verbindungsstelle würde hier zum Verhängnis werden.

Feste Verankerung im Meeresboden

Im schlammigen Meeresboden wurden die Beine mit Hilfe von neunzehn knapp 45 Meter langen Vakuumpfählen verankert. Diese halten die Bohrplattform nach dem Prinzip einer Vakuumpumpe im Joghurt-artigen Boden fest. Indem die hohlen Behälter im Boden abgesenkt werden, wird die Luft in den Pfählen so zusammen gestaucht, dass ein Vakuum entsteht. Dadurch herrscht in den Pfählen und außerhalb ein unterschiedlicher Druck. Der Druck außerhalb ist größer als in den hohlen Pfählen und hält diese so im Boden fest.

Innerhalb weniger Tage sackte die 656.000 Tonnen schwere Bohrinsel so rund neun Meter in den Meeresboden ab. Die Arbeitsplattform befindet sich nun etwa 60 Meter über dem Meeresspiegel.