Vernetzte Landmaschinen, Bild: STW

Heutige Landmaschinen werden immer stärker miteinander vernetzt, um effizienter zu arbeiten. Bild: STW

Hersteller von Landmaschinen haben erkannt, dass der reine Verkauf von Produkten im Zeitalter der Digitalisierung nicht mehr ausreicht. Durchgängige Lösungen, Apps, Services und Dienste sind als Ergänzung zum herkömmlichen Produkt wichtig zur Optimierung landwirtschaftlicher Prozesse. Kommunikationssysteme und Farming 4.0 sind entscheidende Innovationstreiber in der Landtechnik. Die Marktbeobachtungen zeigen, dass einige großen Landtechnik-Hersteller vorrangig geschlossene Kommunikationsketten innerhalb der eigenen Marke aufbauen. Der Aufbau von Plattformen steht dabei als Kundenbindungs-Mittel im Fokus. Um Offenheit und Datenaustausch realisieren zu können, werden Dritt-Systeme mittels individueller Schnittstellen aufwendig angekoppelt.

Datendrehscheibe für Maschinendaten

Datenmanagement heute, Bild: Krone
Heute müssen Landwirte, Maschinen, Zulieferer und Hersteller separat miteinander kommunizieren. Schnittstellen und Kanäle sind nicht standardisiert. Eine zeitaufwendige Planung von Ernte, Wartung und Logistik. Bild: Krone

Einen anderen Ansatz verfolgt ein Zusammenschluss namens DKE-Data, bestehend aus zehn Landtechnik-Herstellern, darunter AGCO, Amazone, Pöttinger und Krone. Im Rahmen der hersteller­übergreifenden Zusammenarbeit, geführt von der DKE-Data, haben die namhaften Landtechniker eine landwirtschaftliche Datendrehscheibe für Maschinendaten spezifiziert. Die Maschinen der teilnehmenden Landtechnik-Hersteller kommunizieren mit einem standardisierten Kommunikationsprotokoll online an die Datendrehscheibe DataHub. Dabei ist neben dem Kommunikationsprotokoll auch das Vokabular vereinheitlicht und bekannt.

Datenschutz und Datensicherheit werden durch eine Verwaltungszentrale realisiert, die Landwirte und Lohnunternehmer gemäß des Prinzips „informationelle Selbstbestimmung“ bedienen können. Dienste und externe Anwendungen erhalten nach Freigabe durch den Landwirt den Datenstrom zur Nutzung weitergeleitet. Aufgrund der standardisierten Schnittstellen ist Herstellerunabhängigkeit gegeben und fachliche Dienste sowie Anwendungen lassen sich aufgrund des bekannten Vokabulars zielgerichtet für die Branche entwickeln.

Datenmanagement mit DataHub, Bild: Krone
Mit der landwirtschaftlichen Datendrehscheibe, dem DataHub, sind alle Maschinen, Zulieferer und Hersteller online verbunden. Dienste und externe Anwendungen erhalten nach Freigabe des Landwirts den Datenstrom zur Nutzung. Bild: Krone

Die derzeitigen Entwicklungen zeigen, dass Innovationen in der Landtechnik oftmals auf Basis von Elektronik und IT realisiert werden. Der Einstieg in Datenmanagement und Farming 4.0 ist oftmals ein Lenksystem, das die Korrektursignale für hochgenaue und automatisierte Lenkbefehle über eine Internetverbindung von einem Korrekturdatendienst bezieht. Applikationskarten zur Reduzierung der Dünger- und Pflanzenschutzmengen sind der zweite Schritt in die digitale Welt. Im Bereich der Ernte werden dann Auftragsplanungen, Logistik und Telematik-Systeme relevant, um den landwirtschaftlichen Fuhrpark optimal in den immer kürzer werdenden Erntezeitfenstern einzusetzen. Beispiele für digitale Dienste rund um Farming 4.0 sind unter anderem digitales Nährstoff-Management, Erntelogistik-Werkzeuge sowie Pfadplanungswerkzeuge und Dienste zur Optimierung der Maschineneinstellungen.

Gespräche mit den wichtigsten Kundenverbänden, wie zum Beispiel dem Deutschen Bauernverband, dem Bundesverband der Lohnunternehmer sowie dem Bundesverband der Maschinenringe, belegen, dass insbesondere die Großbetriebe und die überbetrieblich tätigen Akteure auf der Suche nach der optimalen Datenmanagement-Lösung sind. Aufgrund komplexer Schnittstellen beziehungsweise fehlender Vernetzung herrscht bei den Kundenverbänden noch eine abwartende Haltung. Die Forderung zur Lösung der Schnittstellen-Herausforderungen sowie die Entwicklung intelligenter Mehrwertdienste zur Kostensenkung in landwirtschaftlichen Betrieben werden durchgängig von allen Kundenverbänden gefordert.

Verknüpfung in einem Dienste-Netzwerk

Einzellösungen bieten heute bereits interessante Mehrwerte, Potenzial zur Einsparung von Ressourcen und Ansätze zur Erhöhung der Erntemengen und Erntequalitäten. Die Aufgabe der Branche ist die Verknüpfung der Einzeldienste in einem Dienste-Netzwerk beziehungsweise in einer landwirtschaftlichen Datendrehscheibe unter Berücksichtigung der Datenhoheit der Lohnunternehmer und Landwirte. Seitens der Technik sind intelligente Dienste gefragt, die Landwirten und Lohnunternehmern Zeit ersparen können, Ressourceneinsatz minimieren und Ernteerträge und Qualität erhöhen.

Die Daten und das Wissen der Landwirte und Lohnunternehmer hat essenzielle Bedeutung. Elektronische Datenhaltung und digitale Weitergabe von Informationen werden zunehmend zur Selbstverständlichkeit, jedoch gibt es im Kreise der Landwirte und Lohnunternehmer nach wie vor dazu kritische Stimmen. Landwirte sind nicht bereit, die Daten bei einem Hersteller zu speichern. Die Anforderungen der Endanwender an moderne Kommunikationssysteme hinsichtlich Datenschutz und Security lauten:

  • Das Eigentum der Daten bleibt beim Erzeuger (Landwirt / Lohnunternehmer),
  • der Anwender hat volle Möglichkeiten zur Selbstbestimmung,
  • der Anwender entscheidet, wem er welche Daten freigibt,
  • der Schutz vor fremdem Zugriff muss gewährleistet sein,
  • Zugriffe und Datennutzung werden dokumentiert,
  • befristete und selektive Datenfreigaben müssen realisierbar sein,
  • jede Anwendung umfasst eine Daten-Nutzungsbeschreibung,
  • Daten dürfen nicht an behördliche Einrichtungen weitergeleitet werden,
  • Daten müssen an einem neutralen Ort gespeichert werden,
  • Nutzung von zertifizierten Rechenzentren mit Zugriffsschutz.

Sorgfältiger Umgang mit Daten

Entwicklung Datennutzung Landmaschinen, Bild: Krone
Mit der Möglichkeit, Daten zu sammeln, steigen nicht nur die Vorteile für Landwirte, sondern auch die Anforderungen an das Systemmanagement und der Datenorganisation. Bild: Krone

Wenn diese Grundsätze erfüllt sind, dann ist eine Datenspei­cherung an einem neutralen und geschützten Ort im Web realisierbar. Die Gewährleistung des sorgfältigen Umgangs mit den landwirtschaftlichen Daten ist zukünftig zwangsweise erforderlich, um die sensiblen und betriebswirtschaftlich hochwertigen Daten zu schützen.

Die Landtechnik-Industrie hat aktuell die Chance, sich mit einem modernen Kommunikations-System nachhaltig als Digi­talisierungs-Vorbild zu positionieren und weitere Innovationen zu ermöglichen. Eine neutrale herstellerübergreifende Datendrehscheibe für Maschinendaten kann aufwendige und indivi­duelle Schnittstellen ablösen. Die Handlungs- und Entwicklungsmöglichkeiten für Dienste lassen sich dadurch erheblich steigern. Ein vereinheitlichtes Vokabular spart allen Prozessbeteiligten Integrations- und Testaufwände. Der Erfolg von Kommuni­kationssystemen hängt maßgeblich von Diensten und Kundenfunktionen verbunden mit Kundennutzen ab. Landtechnik-Hersteller und Dienste-Anbieter werden sich an dieser Stelle differenzieren.

Moderne Kommunikationssysteme werden nachhaltig für Veränderungen in der Landtechnik sorgen. Eine leistungsfähige Kommunikationsinfrastruktur, smarte Daten und smarte Dienste sind der Schlüssel für weitere Innovationen in der Landtechnik. hei

Autonomer Traktor für die Landwirtschaft - Interview mit CNH Industrial (Quelle: ke NEXT TV)