Geplatzter Schlauch, Bild: fluid/hei

Wenn ein Hydraulikschlauch platzt, entstehen enorme Kräfte. Helfen kann ein Schlauchschutz, wie hier im Prüfstand bei Rauh Hydraulik. Bild: fluid/hei

Einen Hydraulikschlauch einfach nur zu montieren, reicht nicht aus. Schlauchleitungen stehen unter großen Belastungen: Reibungen, Hitze, Kälte und auch hohe Drücke. Leitungsbrüche und Leckagen sind keine Seltenheit. Trotzdem gehen Mitarbeiter ungeschützt an Schlauchleitungen vorbei, die unvorhergesehen platzen können. Die DIN/EN/ISO 4413 schreibt daher vor, dass wenn „der Schutz des Umfelds oder von Personen in unmittelbarer Nähe der Hydraulik-Schlauchleitung nicht durch eine feste Schutzeinrichtung möglich ist, so muss der Flüssigkeitsstrahl durch andere Einrichtungen zurückgehalten oder abgeschirmt werden“.

Hersteller sind lediglich für die nach eigener Einschätzung relevante Abschirmung an der Maschine zuständig, Anwender hingegen müssen für sichere Verkehrswege sorgen. Eine Sorgepflicht, die auch langsam bei Anwendern im Maschinenbau ankommt. Das Bewusstsein steigt, nicht nur um eigene Mitarbeiter zu schützen, sondern auch wegen eines steigenden Umweltgedankens. Fluid sprach mit Andreas Laubsch, Key Account Manager Seminarleitung von Rauh Hydraulik über die Pflichten der Anwender:

Andreas Laubsch von Rauh Hydraulik - Wer für den Schlauchschutz verantwortlich ist (Quelle: fluid)

Verkehrswege sinnvoll abschirmen

Wie Verkehrswege nun sinnvoll abgeschirmt werden, können Anwender aus der BGR 237 (neu: DGUV 113/015) erfahren. Sie bildet den Rahmen bei der Gefährdungsbeurteilung und liefert in diesem Zusammenhang Maßnahmen zum Schutz von Mitarbeitern. Weitere Hilfe erhalten Unternehmen vom Hydraulikspezialisten Rauh Hydraulik. Hier können Anwender im Prüflabor testen, welche Auswirkungen Reibung und zu hoher Druck auf Schläuche hat. Dafür werden Schläuche zuerst im optimalen Zustand unter Druck gesetzt und zum Platzen gebracht. Daneben erfolgen Tests mit beschädigten Schläuchen, die so auch im Realumfeld zum Einsatz kommen –ohne und mit Schlauchschutz.

Andreas Laubsch von Rauh Hydraulik - Sinn des Schutzschlauchtests (Quelle: fluid)

Neben komplett geplatzten Schläuchen, sind vor allem Pinholes für Mitarbeiter gefährlich. Der durch ein Pinhole austretende Ölstrahl kann schon ab einem Druck von fünf bar in die Haut eindringen, führt zu Öleinlagerungen und zu Verätzungen

Andreas Laubsch von Rauh Hydraulik - Gefahren von Pinholes (Quelle: fluid)

Sicherheit scheitert oft an Kosten

Trotzdem scheitern Sicherheitsvorkehrungen bei Unternehmen oft an den Kosten, erzählt ein Anwender bei Rauh Hydraulik. Sei bisher nichts passiert, sehen Unternehmen keinen Handlungsbedarf überhaupt Schutzmaßnahmen zu treffen. Dabei gebe es eine Vielzahl an Gründen, warum ein Schlauch platzt, erklärt Andreas Laubsch:

  • Fehler bei der Auswahl von Hydraulikschlauchleitungen
  • Herstellung- und Zusammenbaufehler
  • Hohe mechanische Beanspruchung infolge schlechter Verlegung
  • Hohe mechanische Beanspruchung bei der aufgerollten Lagerung von Leitungen
  • Beschädigung von außen
  • Beschädigungen von innen infolge hoher Drücke und Temperaturen, unzureichender Medienbeständigkeit der Werkstoffe, Druckimpulsen oder veränderter Betriebsbedingungen der Hydraulikanlage
  • Schäden an Dichtungen
  • Zu lange Austausch-, Prüf- oder Instandsetzungsintervalle
  • Fehler bei der Instandhaltung
  • Materialalterung

Test von Hydraulikschläuchen ohne Berstschutz bei Rauh Hydraulik (Quelle: fluid)

Test einer Hydraulik-Schlauchleitung 1SN DN 12, neues Schlauchmaterial, Betriebsdruck 160 bar, Prüfdruck 320 bar, mind. Berstdruck 640 bar. Die Schlauchleitung hat keinen Schutzschlauch und hält Dicht bis 800 bar. Geborsten bei ca. 820 bar mit explosionsartigem Ölaustritt.