Cybersecurity bereits im Produkt-Design integrieren
Mit »QuBA-libre« stellen das Fraunhofer AISEC und die Sick AG ein Open-Source-Tool zur Verfügung, das die Risikobewertung von Produkten deutlich vereinfacht und Hersteller bei der Umsetzung des Cyber Resilience Acts effizient unterstützt.
Das Risikobewertungstool QuBa-libre ermöglicht die Validierung des Cybersecuritystatus von Produkten wie Sensoren oder Edge-Geräten sowie von einfachen Systemen bereits in deren Entwicklungszyklus.
Fraunhofer AISEC)
Die vom Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte
Sicherheit AISEC mit der SICK AG entwickelte Risk-Assessment-Methode
»QuBA-libre« bewertet die Cybersicherheit von Produkten schnell und einfach.
Sie ist jetzt als Open-Source-Tool auf GitHub verfügbar. Das
fragenbogenbasierte Assessment ermöglicht es, den Risikostatus von Produkten
mit einheitlichem Schutzbedarf effizient und ressourcenschonend zu ermitteln.
Automatisierte Risikobewertung, Vorschläge für Gegenmaßnahmen, Dokumentation
und Zuordnung zu den Anforderungen aus dem Cyber Resilience Act (CRA)
reduzieren die Komplexität der Risikobewertung und -behandlung. »QuBA-libre«
ermöglicht die Integration von Schutzmechanismen – sowohl in der Konzeptions-
und Design-Phase neuer Produkte als auch bei der Risikobewertung und
Nachrüstung von Bestandsprodukten. Damit unterstützt das Fraunhofer AISEC
Produkthersteller, Cybersicherheit als Qualitätsmerkmal ihrer Produkte zu
gewährleisten und die Cybersecurity-Anforderungen des CRA umzusetzen.
Der European Cyber Resilience Act (CRA) ist eine 2024
verabschiedete EU-Verordnung zu grundlegenden Cybersicherheitsanforderungen für
Produkte mit digitalen Elementen sowie vernetzte Hardware- und
Software-Produkte. Ziel ist es, die Cybersicherheit im Binnenmarkt zu erhöhen
und Transparenz über das Sicherheitsniveau dieser Produkte zu schaffen. Hersteller und Händler müssen die Sicherheit während des
gesamten Produktlebenszyklus gewährleisten und bis November 2027 die
Konformität neu eingeführter Produkte sicherstellen. Zu den Anforderungen
zählen explizit der Nachweis von Risikoanalysen, das Vermeiden von
Angriffsflächen und die frühzeitige Integration von Schutzmechanismen in
Konzeption und Design.
Komplexe Risikoanalysen ermöglichen eine hohe Präzision der
Aussagen über den Cybersicherheitsstatus, erfordern jedoch auch einen
erheblichen zeitlichen und finanziellen Aufwand. Das Open-Source-Tool
»QuBA-libre« nutzt die Methode einer fragebogengestützten Bewertung und
bearbeitet einfache Massenprodukte mit deutlich weniger Aufwand. Es schließt
die Lücke zwischen hochkomplexen Risikoanalysen für spezialisierte und
kritische Einzelkomponenten und Produkten mit homogener Sicherheitsstruktur,
die auf Untergliederungen wie Sicherheitszonen verzichten.
Risiken erkennen, Security-Maßnahmen
ergreifen, Produkte CRA-konform absichern
Das vom Fraunhofer AISEC in Zusammenarbeit mit der Sick AG
entwickelte und implementierte Open-Source-Tool nutzt einen strukturierten
Fragebogen als zentrales Element. Die Fragen umfassen beispielsweise Punkte zur
Einschätzung der Auswirkungen auf Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit
sowie zur Angriffsfläche des Untersuchungsgegenstands. Auf Basis der Antworten
und einer hinterlegten Wissensdatenbank erfolgt eine automatisch erstellte
Risikobewertung.
Dieser Assessment-Prozess umfasst folgende Schritte:
- Entwickler und Sicherheitsexperten beantworten den Fragebogen mit Fragen zum Impact Rating und zum erforderlichen Angriffspotenzial.
- Das Tool erstellt eine automatisierte Risikobewertung anhand der gegebenen Antworten unter Verwendung vorhandener Risikokataloge.
- Automatisiert werden geeignete Gegenmaßnahmen vorgeschlagen, um erkannte Risiken zu mitigieren.
- Zur Risikobehandlung ordnen Entwickler und Sicherheitsexperten den in der Risikobewertung erstellten Angriffsschritten vorgeschlagene Annahmen und Gegenmaßnahmen zu.
- Es erfolgt eine Risikobewertung für verbleibende Risiken durch IT-Sicherheitsfachkräfte.
- Die Dokumentation mit der Zusammenfassung der Ergebnisse und der Zuordnung zu den Anforderungen aus dem CRA erfolgt über das Tool automatisch.
»QuBA-libre ermöglicht eine umfassende und schnelle Analyse
der Cybersicherheit eines einfachen Produktes. Sie ist die Basis für
maßgeschneiderte Sicherheit, die bereits bei der Konzeption und im Design des
Produkts ansetzt und späteren, aufwändigen Absicherungsmaßnahmen zuvorkommt«,
erläutert Bartol Filipovic, Leiter der Abteilung Product Protection &
Industrial Security am Fraunhofer AISEC. Entsprechend den Vorgaben des CRA unterstützt eine Risikobewertung zu Beginn
der Produktentwicklung, Sicherheitslücken frühzeitig und systematisch zu
erkennen und Angriffsflächen zu vermeiden. Die bei »QuBA-libre« automatisch
generierte Zuordnung der Risikobewertung zu den Vorgaben aus dem CRA zeigt auf,
wo noch Handlungsbedarf besteht. Sind hingegen alle Vorgaben erfüllt, dient die
Dokumentation als Nachweis über ein CRA-konformes und somit sicheres Produkt.
Expertise des Fraunhofer AISEC im Risk-Assessment
Die Basis der Risikobewertung von Produkten bilden
weitreichende Kataloge von Risikoszenarien und Angriffsverfahren sowie
Maßnahmenkataloge nach der IEC 62443-4-2. Diese Cybersicherheitsnorm definiert
technische Sicherheitsanforderungen für Komponenten industrieller
Automatisierungs- und Steuerungssysteme (IACS). Ausgangspunkt für »QuBA-libre« war das vom Fraunhofer AISEC entwickelte Modular
Risk Assessment (MoRA), das Risikoanalysen komplexer vernetzter IT-Systeme
ganzheitlich abbildet und seit vielen Jahren erfolgreich im Einsatz bei
industriellen Partnern ist. »QuBA-libre« greift die Grundprinzipien von
MoRA auf – jedoch optimiert und konzentriert auf einzelne IT-Produkte wie
Sensoren oder Edge-Geräte. Das Fraunhofer AISEC unterstützt Unternehmen, die Analyse mithilfe von
»QuBA-libre« auf ihre Bedürfnisse anzupassen. Dabei werden die generischen
Kataloge zur Risikobewertung durch unternehmensbezogene Zusatzeinträge ergänzt.
Im Fokus stehen spezifische, tatsächlich vorliegende Risikofaktoren sowie die
Bewertung und Umsetzung von individuellen Schutzmaßnahmen.
Quelle: Fraunhofer AISEC
FAQ zu QuBA-libre
Was ist »QuBA-libre«? - »QuBA-libre« ist ein vom Fraunhofer AISEC gemeinsam mit der SICK AG entwickeltes Open-Source-Tool zur schnellen und strukturierten Risikobewertung der Cybersicherheit von Produkten.
Welches Ziel verfolgt das Tool? - Es unterstützt Hersteller dabei, Cybersicherheitsanforderungen effizient umzusetzen und die Vorgaben des Cyber Resilience Acts zu erfüllen.
Für welche Produkte ist »QuBA-libre« besonders geeignet? - Das Tool richtet sich insbesondere an einfache Massenprodukte mit homogener Sicherheitsstruktur ohne komplexe Untergliederungen wie Sicherheitszonen.
Wie läuft die Risikobewertung ab? - Grundlage ist ein strukturierter Fragebogen, aus dessen Antworten automatisiert eine Risikobewertung, geeignete Gegenmaßnahmen sowie eine CRA-konforme Dokumentation abgeleitet werden.
Auf welchen Standards basiert die Methodik? - Die Risikobewertung nutzt umfangreiche Risiko- und Maßnahmenkataloge, unter anderem nach der Norm IEC 62443-4-2, und greift die Grundprinzipien des Modular Risk Assessment (MoRA) auf.