3D-gedruckter Schädel in Hand, Bild: Arburg

Schädelimplantate aus bioresorbierbarem Polylactid (PLA), additiv hergestellt auf einer Freeformer-Anlage von Arburg. Die Kombination von Spritzguss und additiver Fertigung soll die Losgröße 1 ermöglichen. Bild: Arburg

"Das Wachstum wird sich definitiv fortsetzen, speziell durch den großen Nachholbedarf bei den Entwicklungs- und Schwellenländern und wegen der Tendenz zur mobilen Versorgung, die neue Geräte benötigen.“ Dr. Thomas R. Dietrich ist Geschäftsführer beim IVAM, dem Fachverband für Mikrotechnik, der auch viele Unternehmen der Medizintechnik vertritt. An der Entwicklung änderten weder protektionistische Maßnahmen einiger Länder noch die Kostendämpfung im Gesundheitswesen etwas. Dietrich: „In vielen Ländern können deutsche Produkte nicht selbst gefertigt werden.“ Und kostenintensive Personalleistungen würden durch moderne Medizintechnik ersetzt.

In Sachen Kostendämpfung gibt sich auch Jörg Michaelis, Bereichsleiter des Applikationszentrums für Mikrokunststofftechnologien im Kunststoff-Zentrum in Leipzig (KUZ) gelassen. Das KUZ entwickelt kunststofftechnische Lösungen wie Lab-on-a-Chip-Anwendungen, Anwendungen für den Einsatz von bioresorbierbaren und Hochleistungskunststoffen, Optiken für medizintechnische Geräte und medizinische Implantate. Ständige neue Anfragen zeigten: „Kostendämpfende Maßnahmen spielen bei den Neuentwicklungen keine wesentliche Rolle, trotzdem wird eine kosteneffiziente Bearbeitung mit kurzen Entwicklungszeiten immer wichtiger.“

Bild: IVAM

Mobile-Health (mHealth)-Lösungen gehören zu den Hauptantriebsfaktoren des signifikanten Wachstums, das der weltweite Gesundheitsmarkt derzeit verzeichnet.

Dr. Thomas R. Dietrich, IVAM

Boomsektor Medizintechnik

Ein wichtiger Spritzgießmaschinen-Hersteller für die Medizintechnik ist Wittmann-Battenfeld. Dort arbeitet Gerald Plöchl als Produktmanager Medical: „Aus unserer Sicht ist die Medizintechnik ein Markt, der über die Jahre sehr konstant wächst.“ Seit Jahren gehe es im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich bergan. „Die Medizintechnik gehört zu den Boomsektoren in der Kunststoffverarbeitung und wird sich auch in den kommenden Jahren dynamisch weiterentwickeln“, pflichtet Sven Kitzlinger bei. Der anwendungstechnische Berater für Medizintechnik beim Wettbewerber Arburg begründet das mit ständigen Materialinnovationen, die neue Einsatzbereiche eröffneten. Ein Problem dabei nennt allerdings Harald Grün, geschäftsführender Gesellschafter von MDX Devices: Neue Werkstoffe müssen vom Hersteller für entsprechende medizinische Applikationen freigegeben sein, „was leider immer seltener der Fall ist“.

Bild: KUZ

Die Miniaturisierung ist ein sehr wichtiger Entwicklungsschwerpunkt, der durch neue Kunststoffverarbeitungstechnologien und deren Weiterentwicklung viele neue Möglichkeiten eröffnet.

Jörg Michaelis, Kunstoff-Zentrum in Leipzig

Grüns Unternehmen bietet alle Leistungen zur Entwicklung, Industrialisierung und Produktion von Mikro-Bauteilen, -Baugruppen und Devices. Hergestellt werden sie im Mikro-Spritzguss und Spritzguss aus High-Performance-Kunststoffen. Er weist außerdem auf sich verändernde Rahmenbedingungen wie die neue EU-Gesetzgebung Medical Device Regulation (MDR) hin, die „für gewisse Irritationen sorgt“. Aber grundsätzlich schätzt er die wirtschaftliche Entwicklung, „speziell die der Kunststofftechnik als sehr positiv“ ein. Seine Begründung: Der Zugang zu Gesundheitsleistungen ist einer der globalen Megatrends.

Einen klaren Trend zu individualisierten Methoden der Diagnostik und Behandlung macht Thomas Dietrich vom IVAM aus. Das erfordert neue Methoden der Labordiagnostik und der individuellen Wirkstoffentwicklung für maßgeschneiderte Therapien. Dietrich: „Hierfür sind mikrofluidische Systeme ebenso unentbehrlich wie für die Point-of-Care-Diagnostik, beispielsweise Lab-on-a-Chip oder Mikropumpen für die individuelle Dosierung von Medikamenten.“ Das Spritzgießen ermöglicht deren kostengünstige Herstellung.

Bild: Wittmann-Battenfeld

Es gibt viele Ideen, aber die meisten sind zurzeit noch nicht umsetzbar; auf jeden Fall wird es auch in der medizinischen Versorgung mehr Online-Versorgung geben.

Gerald Plöchl, Wittmann-Battenfeld