Wie Megatrends die Fluidtechnik neu ausrichten
Die Fluidtechnik steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Globale Megatrends verändern Forschung, Entwicklung und industrielle Anwendungen zunehmend.
Prof. Dr.-Ing. Marcus Geimer ordnete auf dem Internationalen Fluidtechnischen Kolloquium 2026 die europäische Fluidtechnik in globale Megatrends ein.
IFAS RWTH Aachen)
Summary: Prof. Dr.-Ing. Marcus Geimer ordnete auf dem Internationalen Fluidtechnischen Kolloquium 2026 in Aachen die europäische Fluidtechnik in globale Megatrends ein. Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Künstliche Intelligenz, Urbanisierung und Globalisierung wirken demnach direkt auf Forschung und Technologieentwicklung. Die Auswirkungen reichen von mehr Energieeffizienz über digitale Zwillinge bis zu datengetriebenen Systemen.
Im Rahmen seines Vortrags auf dem Internationalen
Fluidtechnischen Kolloquium 2026 in Aachen machte Prof. Dr.-Ing. Marcus Geimer
deutlich, dass sich die europäische Forschungslandschaft nur im Kontext globaler
Megatrends verstehen lässt.
Die Fluidtechnik steht vor tiefgreifenden Transformationen.
Lange Zeit geprägt von mechanischen und hydraulischen Fragestellungen,
entwickelt sie sich zunehmend zu einem vernetzten, datengetriebenen
Technologiefeld. Diese Entwicklung ist nicht allein das Resultat technischer
Innovationen. Vielmehr wird sie von globalen Megatrends getrieben, die weit
über die Ingenieurwissenschaften hinausreichen und gesellschaftliche,
ökologische sowie ökonomische Veränderungen bündeln.
Megatrends als Taktgeber der Forschung
Megatrends sind keine kurzfristigen Modeerscheinungen,
sondern tiefgreifende Entwicklungen mit einer Wirkungsdauer von mehreren
Jahrzehnten. Sie wirken global, sind hochkomplex und stehen in enger
Wechselwirkung zueinander. Für die Fluidtechnik identifizierte Geimer mehrere
dieser Trends als besonders prägend.
Im Zentrum steht der Megatrend der Neo-Ökologie. Der
zunehmende Druck, CO₂-Emissionen zu reduzieren und Ressourcen effizienter zu
nutzen, beeinflusst die Forschung in nahezu allen Bereichen. Parallel dazu
schreitet die Digitalisierung mit hoher Geschwindigkeit voran. Sie sorgt nicht
nur für eine zunehmende Vernetzung technischer Systeme, sondern verändert auch
Entwicklungsprozesse und Geschäftsmodelle grundlegend. Eng damit verknüpft ist
die Künstliche Intelligenz, die als eigenständiger Trend neue Möglichkeiten der
datenbasierten Steuerung eröffnet.
Hinzu kommt die Urbanisierung, die mit wachsender Dynamik
neue Anforderungen an Infrastruktur, Produktivität und Versorgungssysteme
stellt. Schließlich bleibt auch die Globalisierung ein entscheidender
Einflussfaktor, wenngleich sie zunehmend von geopolitischen Spannungen und
Tendenzen zur Deglobalisierung überlagert wird. Entscheidend ist dabei, dass diese Trends nicht isoliert
wirken. Veränderungen in einem Bereich ziehen zwangsläufig Anpassungen in
anderen nach sich.
Von globalen Entwicklungen zu konkreten Technologien
Die Wirkung dieser Megatrends wird besonders deutlich, wenn
man ihren Einfluss auf konkrete Forschungsfelder betrachtet. Aus den großen
gesellschaftlichen Entwicklungen lassen sich klare technologische Schwerpunkte
ableiten, die die europäische Fluidtechnik derzeit prägen.
Ein zentrales Feld ist die Steigerung der Energieeffizienz.
Getrieben durch den Klimawandel und die Forderung nach nachhaltigen Lösungen
konzentrieren sich viele Forschungsaktivitäten darauf, Verluste zu reduzieren
und Systeme effizienter zu gestalten. Parallel dazu gewinnt die Automatisierung
weiter an Bedeutung, da sie eine wesentliche Voraussetzung für steigende
Produktivität darstellt.
Eine Schlüsselrolle nimmt der digitale Zwilling ein. Als
virtuelles Abbild realer Systeme ermöglicht er es, komplexe fluidtechnische
Anwendungen zu simulieren, zu analysieren und zu zielgerichtet zu warten. Damit
fungiert er als Bindeglied zwischen Grundlagenforschung und industrieller
Anwendung und eröffnet neue Wege in der Systementwicklung. Diese Entwicklungen zeigen, wie eng wissenschaftliche
Grundlagenarbeit mit konkreten industriellen Anforderungen verknüpft ist.
Megatrends werden so zu Technologietreibern, die die Richtung der Innovation
vorgeben.
Digitalisierung und KI: Vom System zur Plattform
Besonders tiefgreifend ist der Einfluss der Digitalisierung
auf die Fluidtechnik. Systeme, die früher weitgehend isoliert arbeiteten,
werden heute zunehmend vernetzt. Sensorik, Datenanalyse und cloudbasierte
Plattformen schaffen die Grundlage für neue Formen der Steuerung und
Optimierung. In diesem Kontext gewinnt auch die Künstliche Intelligenz an
Bedeutung. Maschinelles Lernen ermöglicht es, Betriebszustände zu analysieren,
Prozesse zu optimieren und Systeme adaptiv zu steuern. Damit verschiebt sich
der Fokus von der klassischen Regelung hin zu datengetriebenen, selbstlernenden
Systemen. Diese Entwicklung wird dir Fluidtechnik grundlegend verändern. Sie wird nicht länger ausschließlich als physikalische
Disziplin verstanden, sondern entwickelt sich zu einem integralen Bestandteil
digitaler Wertschöpfungsketten.
Nachhaltigkeit als Leitlinie technologischer Entwicklung
Der Einfluss der Neo-Ökologie reicht weit über einzelne
Forschungsprojekte hinaus. Nachhaltigkeit wird zunehmend zur zentralen
Leitlinie technologischer Entwicklung. Dabei geht es nicht nur um die Reduktion
von Emissionen, sondern um eine grundsätzliche Neuausrichtung von Systemen und
Prozessen.
Interessant ist, dass Nachhaltigkeit eng mit anderen Trends
verknüpft ist. Ohne Digitalisierung lassen sich viele Effizienzpotenziale nicht
erschließen, und ohne Automatisierung bleiben Skaleneffekte begrenzt. Die
großen Fortschritte entstehen somit im Zusammenspiel verschiedener
Technologien. Für die Fluidtechnik bedeutet dies eine klare strategische
Ausrichtung: Energieeffizienz und Ressourcenschonung werden zu zentralen
Innovationsfeldern, die langfristig über Wettbewerbsfähigkeit entscheiden.
Urbanisierung als unterschätzter Innovationstreiber
Während Digitalisierung und Nachhaltigkeit häufig im Fokus
stehen, wird die Urbanisierung oft unterschätzt. Dabei gehört sie zu den
wichtigsten Treibern zukünftiger Entwicklungen. Mit dem Wachstum urbaner Räume
steigt der Bedarf an Infrastruktur, Energie und Versorgungssystemen erheblich. Diese Entwicklung hat direkte Auswirkungen auf die
Anforderungen an Maschinen und Anlagen. Sie müssen nicht nur leistungsfähiger,
sondern gleichzeitig effizienter und nachhaltiger werden. Für die Fluidtechnik
ergibt sich daraus ein klarer Auftrag: Systeme müssen so ausgelegt sein, dass
sie steigende Produktivitätsanforderungen mit minimalem Ressourceneinsatz
erfüllen. Die Forschung reagiert darauf mit einem verstärkten Fokus
auf Effizienzsteigerung, Automatisierung und Systemintegration.
Transformation als Dauerzustand
Die entscheidende Erkenntnis lautet: Zukunftsfähige Lösungen
entstehen nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel von Digitalisierung,
Nachhaltigkeit und gesellschaftlichem Wandel. Für Forschung und Industrie
bedeutet dies, dass sie ihre Strategien konsequent an diesen Entwicklungen
ausrichten müssen. Die Fluidtechnik wird damit zu einem zentralen Baustein der
industriellen Transformation – und zu einem entscheidenden Faktor für die
Gestaltung einer nachhaltigen und vernetzten Zukunft.
FAQ zu Megatrends in der Fluidtechnik
• Welche Megatrends prägen die Fluidtechnik? – Vor allem Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Künstliche Intelligenz, Urbanisierung und Globalisierung beeinflussen die Fluidtechnik.
• Warum ist die Fluidtechnik für die Industrie wichtig? – Sie verbindet Effizienzsteigerung, Automatisierung und Systemintegration mit industriellen Anwendungen.
• Welche Rolle spielt der digitale Zwilling in der Fluidtechnik? – Der digitale Zwilling ermöglicht Simulation, Analyse und gezielte Wartung fluidtechnischer Systeme.
• Wie verändert Künstliche Intelligenz die Fluidtechnik? – KI unterstützt datenbasierte Steuerung, Prozessoptimierung und adaptive Systeme.