KI in der Fluidtechnik treibt den Wandel von hardwaredominierten Komponenten hin zu datenbasierten Services, intelligenter Hydraulik und neuen Geschäftsmodellen.
Dr. Steffen Haack von Bosch Rexroth bei seinem Vortrag annläßlich des Internationalen Fluidtechnischen Kolloquiums in Aachen.IFAS RWTH Aachen)
Anzeige
Summary:
Dr. Steffen Haack von Bosch Rexroth ordnete beim Internationalen Fluidtechnischen Kolloquium in Aachen die Rolle von KI in der Fluidtechnik ein. Im Mittelpunkt stehen generative KI, datenbasierte Services, intelligente Hydrauliksysteme und neue Geschäftsmodelle. Die Entwicklung verändert Prozesse, Produkte und die strategische Positionierung der Branche.
In seinem Vortrag anlässlich des Internationalen
Fluidtechnischen Kolloquiums in Aachen fasste Dr. Steffen Haack (Bosch Rexroth
AG) den aktuellen Stand der digitalen Transformation und Anwendungen von
KI in der Fluidtechnik zusammen und bot gleichzeitig eine strategische
Perspektive.
Während in den vergangenen Jahrzehnten vor allem
Effizienzsteigerungen in Konstruktion, Fertigung und Betrieb der Fluidtechnik
im Fokus standen, verschiebt sich die Perspektive nun grundlegend. Was sich
derzeit abzeichnet, ist die Transformation einer traditionell hardwaredominierten,
transaktionalen Branche hin zu einem wachsenden daten- und softwarezentrierten
Ökosystem. Auch wenn man sicherlich noch am Anfang steht.
Anzeige
Ein anschauliches Bild für diesen Wandel liefert der
Vergleich mit digitalen Plattformen aus der Konsumwelt. So wie
Streaming-Dienste die Medienindustrie grundlegend verändert haben, indem sie
Inhalte nicht mehr als Produkt, sondern als kontinuierlichen Service anbieten,
entwickelt sich auch die Industrie in Richtung nutzungsbasierter,
datengetriebener Modelle. Für die Fluidtechnik bedeutet dies eine schrittweise Abkehr
vom reinen Hardware-Produktverkauf hin zu integrierten Lösungen, die Hardware,
Software, Service und Daten untrennbar miteinander verbinden.
Dieses neue Verständnis wird häufig unter den Begriffen
„Hardware as a Product Plus“, „Software as a Product“ oder „Data as a product“
usw. zusammengefasst. Dahinter verbirgt sich die Idee, dass die physische
Komponente – etwa eine Hydraulikpumpe oder ein Ventil – lediglich den
Ausgangspunkt der Wertschöpfung bildet. Ein zusätzlicher Mehrwert entsteht
durch digitale Erweiterungen, etwa durch Softwarefunktionen, die das Verhalten
der Systeme optimieren. Datenbasierte Services sorgen für mehr Transparenz und eine erhöhte
Zeitersparnis durch kontinuierliche Interaktion zwischen Produktlieferanten,
OEM und Anwender.
Damit verändert sich die Ökonomie. Statt einmalig verkaufter
Investitionsgüter treten serviceorientierte Modelle immer mehr in den
Vordergrund. Solche Konzepte ermöglichen es, Maschinenleistung nutzungsabhängig
abzurechnen, während gleichzeitig neue Erlösquellen durch datenbasierte
Dienstleistungen entstehen. Für Produkthersteller bedeutet dies eine stärkere
Kundenbindung, für Betreiber eine höhere Flexibilität und Transparenz.
Anzeige
Generative KI - Optimierung interner Prozesse
Strategischer Wandel der Fluidtechnik von einer rein hardwareorientierten Branche hin zu einem softwaregetriebenen Ökosystem.erstellt mit KI)
Eine Schlüsselrolle in diesem Transformationsprozess spielt
die generative KI.
Zum einen ist da die Optimierung interner Prozesse. Hier wird KI eingesetzt, um
Effizienz-potenziale entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu heben. In der
Fluidtechnik reicht das Spektrum von der automatisierten Erstellung technischer
Dokumentationen über die Unterstützung im Engineering bis hin zur Optimierung
von Lieferketten, der Qualitätsüberwachung und von Vertriebsprozessen.
Besonders im Wissensmanagement zeigt sich das Potenzial
eindrucksvoll. Servicetechniker, die bislang auf umfangreiche Handbücher
angewiesen waren, können heute mithilfe generativer KI gezielt auf relevante
Informationen zugreifen. Die Analyse komplexer Dokumente erfolgt nahezu in
Echtzeit, wodurch sich Stillstandzeiten reduzieren und die Servicequalität
signifikant verbessert. Gleichzeitig lassen sich standardisierte Aufgaben wie
die Erstellung von Schaltplänen, Risikoanalysen oder Projektzeitplänen automatisieren,
was die Produktivität in Engineering-Abteilungen deutlich steigert.
Anzeige
Bemerkenswert ist dabei, dass sich die Nutzung von KI
zunehmend von spezialisierten Expertenkreisen löst. Durch intuitive
Benutzeroberflächen, hinterlegten Wissensdatenbanken und mit Hilfe des
sogenannten Prompt Engineerings wird der Zugang zu leistungsfähigen Modellen
erheblich vereinfacht. Anwender müssen keine tiefgehenden Kenntnisse in
Algorithmik oder Statistik mehr besitzen, um komplexe Analysen durchzuführen
oder hochwertige Ergebnisse zu generieren. Diese Demokratisierung der KI führt
dazu, dass digitale Werkzeuge in immer mehr Bereichen der Organisation Einzug
halten und dort unmittelbaren Mehrwert schaffen.
KI wirkt aber auch in den Produkten selbst. Hier entsteht ein
strategischer Hebel, da sich die Leistungsfähigkeit technischer Systeme deutlich
verbessern lässt. In der Fluidtechnik sind das intelligente
Hydraulikkomponenten und -systeme, die nicht nur reagieren, sondern proaktiv
agieren können. Damit hilft die Fluidtechnik den OEM bessere Maschinen zu
bauen. Ein Beispiel für die Integration von KI in die Produktfunktionalität selbst ist
die automatisierte Inbetriebnahme. Gerade bei komplexen mobilen Maschinen, wie
beispielsweise Baggern, ist die modellbasierte Regelung traditionell ein
zeitaufwendiger Prozess. Durch den Einsatz selbstlernender Modelle kann dieser
Prozess drastisch verkürzt werden. Die Systeme analysieren ihr eigenes
Verhalten in kurzen Testzyklen und optimieren die Regelung eigenständig. In
konkreten Anwendungen konnte der Inbetriebnahme-Aufwand auf diese Weise um bis
zu 70 Prozent reduziert werden – ein echter Effizienzsprung.
Ein weiteres Anwendungsfeld ist die vorausschauende Wartung.
Durch die kontinuierliche Erfassung und Auswertung von Betriebsdaten lassen
sich Zustandsveränderungen frühzeitig erkennen. Moderne
Machine-Learning-Modelle analysieren hochkomplexe Datenströme und
identifizieren Muster, die auf bevorstehende Ausfälle hinweisen. In der Praxis
bedeutet dies, dass hydraulische Komponenten wie Axialkolbenpumpen mit hoher
Genauigkeit vorhersagen können, wann ein Defekt eintreten wird – oft bereits
mehrere Tage und Wochen im Voraus. Wartung wird planbar, ungeplante Stillstände
werden minimiert, und die Verfügbarkeit von Maschinen steigt signifikant.
Anzeige
Parallel dazu entwickeln sich intelligente Diagnosesysteme,
die weit über klassische Condition-Monitoring-Ansätze hinausgehen. Generative
KI ist in der Lage, nicht nur Abweichungen zu erkennen, sondern auch klare kontextbezogene
Handlungsempfehlungen auszugeben.
Wie man sich für den Wandel fit macht
Die Umsetzung dieser Konzepte erfordert eine leistungsfähige
technologische Basis. Neben dem AI-Tool-Portfolio und der notwendigen Hardware-Rechenleistung
ist eine skalierbare Cloud-Infrastruktur entscheidend. Sie bilden das Fundament
für die Speicherung und Verarbeitung großer Datenmengen sowie für die
Bereitstellung digitaler Services.
Anzeige
Es ist allerdings für Unternehmen nicht immer leicht, in
einem hochdynamischen Technologieumfeld die richtigen Entscheidungen zu
treffen. Die Vielzahl verfügbarer Tools und Plattformen erschwert die Auswahl
langfristig tragfähiger Lösungen. Investitionen müssen daher nicht nur unter technologischen, sondern auch unter
strategischen Gesichtspunkten bewertet werden, um nachhaltige
Wettbewerbsvorteile zu sichern.
Neben der technologischen Dimension gewinnt auch der
organisatorische Wandel zunehmend an Bedeutung. Die Einführung generativer KI
verändert Arbeitsprozesse und Kompetenzanforderungen grundlegend. Unternehmen
investieren daher intensiv in die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter, um den
Umgang mit neuen Werkzeugen zu vermitteln und deren Potenziale auszuschöpfen.
Dabei steht weniger die technische Tiefe als vielmehr die Fähigkeit im
Vordergrund, KI sinnvoll in den eigenen Arbeitskontext zu integrieren.
Fazit
Anzeige
Die Fluidtechnik entwickelt sich von einer klassischen
Ingenieurdisziplin zu einem interdisziplinären Feld, in dem mechanisches
Know-how, Softwarekompetenz und Datenverständnis eng miteinander verzahnt sind.
Langfristig zeichnet sich außerdem ab, dass fluidtechnische Systeme immer mehr
Teil größerer digitaler Ökosysteme werden. Maschinen kommunizieren miteinander,
Daten werden über Plattformen hinweg ausgetauscht, und Services werden in
Echtzeit bereitgestellt. In diesem Umfeld wird die Fähigkeit, Daten intelligent
zu nutzen, zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
Generative KI ist dabei weit mehr als ein Werkzeug zur
Effizienzsteigerung. Sie ist ein strategischer Hebel, der die Art und Weise
verändert, wie Produkte entwickelt, betrieben und vermarktet werden. Für die
Fluidtechnik bedeutet dies die Chance, sich neu zu positionieren – nicht nur
als Anbieter von Komponenten, sondern als Gestalter intelligenter, vernetzter
Systeme.
Der Transformationsprozess ist bereits in vollem Gange. Die
entscheidende Frage ist nicht mehr, ob sich die Branche verändert, sondern wie
schnell und konsequent Unternehmen diesen Wandel gestalten. Wer frühzeitig in
digitale Kompetenzen, Dateninfrastrukturen und KI-basierte Lösungen investiert,
wird die Zukunft der Fluidtechnik aktiv mitprägen.
FAQ zu KI in der Fluidtechnik
• Welche Rolle spielt generative KI in der Fluidtechnik? – Generative KI unterstützt interne Abläufe, etwa bei technischer Dokumentation, Engineering, Wissensmanagement, Qualitätsüberwachung, Lieferketten und Vertriebsprozessen.
• Wie verändert KI in der Fluidtechnik die Inbetriebnahme? – Selbstlernende Modelle können das Systemverhalten analysieren und Regelungen eigenständig optimieren. In konkreten Anwendungen ließ sich der Inbetriebnahme-Aufwand um bis zu 70 % reduzieren.
• Welche Vorteile bringt KI in der Fluidtechnik für die Wartung? – Durch die Auswertung von Betriebsdaten lassen sich Zustandsveränderungen frühzeitig erkennen. Wartung wird planbarer, ungeplante Stillstände können reduziert werden.
• Warum wird KI in der Fluidtechnik strategisch wichtiger? – Die Branche entwickelt sich von hardwaredominierten Produkten hin zu daten- und softwarezentrierten Ökosystemen mit neuen Services und Geschäftsmodellen.
• Wie wirkt sich KI in der Fluidtechnik auf Hydraulikkomponenten aus? – Intelligente Hydraulikkomponenten und -systeme können nicht nur reagieren, sondern zunehmend proaktiv agieren und damit die Leistungsfähigkeit technischer Systeme verbessern.