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Emissionen sind auch auf der diesjährigen Agritechnica vom 12. bis 18. November in Hannover ein großes Thema. (Bild: DLG)

Die Typgenehmigung nach Emissionsstufe V für Motoren kleiner 56 kW und ab 130 kW kann ab 1. Januar 2018 erfolgen. Die Markteinführung ist ab 1. Januar 2019 vorgesehen. Die volumenstärkste Klasse von 56 bis 130 kW folgt ein Jahr später. Die größte Herausforderung resultiert aus der Begrenzung der Partikelanzahl. Somit wird die Agritechnica 2017 einen weiteren Wendepunkt in Sachen Abgasreinigung darstellen, denn bereits zur 2019er-Auflage der Messe wird die Umstellung auf die neue Abgasnorm mehr oder minder abgeschlossen sein. Die Einführung dieser, bereits seit Längerem angekündigten schärferen Vorschriften wird nicht nur Traktoren, sondern vielmehr alle selbstfahrenden landwirtschaftlichen Maschinen mit Dieselmotor betreffen.

Im Rahmen der Agritechnica werden alle führenden Motorenhersteller ihre Ansätze auf der Spezialmesse „Systems & Components“ präsentieren, einer internationalen Plattform für die neuesten Entwicklungen in den Bereichen Getriebe, Motoren und Hydraulik für Landmaschinen und verwandte Branchen. Für den fachlich interessierten Landwirt besteht hier die Chance, sich aus erster Hand darüber zu informieren, ob und wie sich beispielsweise die neuen Technologien in Zukunft auf die Traktor-Betriebskosten auswirken werden. Für Vertreter der Industrie, wie beispielsweise Traktorenhersteller, hingegen besteht hier eine Chance, die verschiedenen Ansätze zu vergleichen, mit denen die Motorenhersteller die neuen Emissionsstandards erreichen wollen.

Emissionsstufe V, was steckt dahinter?

Die europäische Abgasnorm der Stufe V wurde von der EU im September 2016 vorgestellt und stellt einen weiteren Meilenstein auf dem seit Mitte der 1990er-Jahren beschrittenen Weg hin zu weniger Emissionen aus Dieselmotoren dar. Verglichen mit den ersten Motoren der Stufe I, die um 1999 auf den Markt kamen, bedeutet die Emissionsstufe V eine Reduktion der Mono-Stickoxide NO und NO2 (zusammengefasst auch bekannt als NOx) und deren Kohlenwasserstoffverbindungen um 94 Prozent sowie eine 98-prozentige Reduktion der im Verbrennungsprozess erzeugten Rußpartikel. Gerade die Reduktion des Rußpartikelausstoßes steht im Mittelpunkt der Abgasstufe V; für den spezifischen Ausstoß von Rußpartikeln in Abhängigkeit von der Motorleistung wird im Bereich zwischen 19 und 560 kW ab Januar 2019 eine Obergrenze von 1x1012 je kWh gelten. Für die Hersteller bedeutet dies, dass sie vor allem den Ausstoß von Feinstäuben reduzieren müssen, die bislang noch ungefiltert in die Atmosphäre entlassen werden.

Die Technologie ist vorhanden

Um die in den letzten 20 Jahren stetig steigenden Anforderungen an die Abgasreinigung erfüllen zu können, wurden einige neue technische Lösungen erfolgreich und flächendeckend auf dem Markt eingeführt. Begriffe wie DOC für Dieseloxidationskatalysatoren, DPF für Dieselpartikelfilter, EGR für Abgasrückführung (engl.: exhaust gas recirculation) und SCR für selektive, katalytische Reduktion finden sich heute in jedem Traktorenprospekt und zumindest grob können sich die meisten Landwirte ein Bild davon machen, was in den einzelnen Abgasreinigungsprozessen passiert.

Während in den Zwischenstufen die Ziele noch über verschiedene Wege erreicht werden konnten, wird die Abgasstufe V wohl allen Herstellern eine auf den jeweiligen Motor abgestimmte Kombination von SCR-, EGR-, DOC- und DPF-Technologien abverlangen. Wir erinnern uns: New Holland beispielsweise führte zur Abgasstufe IIIB in seinen FPT-Industrial-Motoren SCR-Technik mit AdBlue ein, während John Deere diese Vorschriften über eine „Diesel-only“-Strategie mittels Abgasrückführung einhalten konnte. Für die Emissionsstufe V setzen die Hersteller, ob Cummins, Deutz, FPT-Industrial, John Deere, MTU oder Perkins, alle auf Kombinationslösungen, wobei der Schwerpunkt der jeweiligen Abgasreinigungsstrategie auch weiterhin innerhalb gewisser Grenzen variiert.

An Stufe VI wird schon gearbeitet

Im Straßenverkehr, das heißt bei Pkw und Lkw mit Dieselmotoren, hat die EU bereits die Abgasstufe Euro VI eingeführt, was darauf schließen lässt, dass die Stufe VI auch bei landwirtschaftlichen Fahrzeugen über kurz oder lang kommen wird. Einen festen Zeitplan für diesen Übergang gibt es indes bislang noch nicht.

Allerdings sollen in etwa bis Ende 2018 beziehungsweise Ende 2020 die Ergebnisse zweier Studien bei der Europäischen Kommission vorliegen, von denen die weiteren Entscheidungen stark abhängen. In der ersten Studie wird geprüft, ob man ältere, bereits im Markt befindliche Motoren auf höhere Standards nachrüsten kann, in der zweiten Studie sucht man nach weiteren schädigenden Emissionen, die bislang nicht unter die Emissionsstufe V fallen. Mit den Abgasstufen V und VI entwickeln sich die Motorenmärkte in Europa und den USA übrigens auseinander. Denn im Gegensatz zu den weitgehend ähnlichen und in etwa parallel eingeführten Standards Euro I bis Euro IV in Europa beziehungsweise Tier 1 bis Tier 4 in den USA gibt es in Nordamerika bislang keine Pläne, eine Abgasnorm Tier 5 einzuführen. hei

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