Schweißkomponente, Bild: Jebens

Exakt nach Kundenvorgabe stellt Jebens die Schweißkomponenten für den über 8 Meter langen Pressentisch her. Bild: Jebens

Mit einer Presskraft von 16.000 kN, vier Pleueln, Rädervorgelege, vier Servomotoren sowie einem fast acht Meter langen Tisch zählt die KSTU 4Q 16.000–60–11S–R–SE zu der größten geschweißten Baugröße, die Andritz Kaiser fertigt. Einsatz findet sie bei voestalpine Stamptec zur Fertigung von Strukturteilen für die neue A-Klasse von Mercedes-Benz. Die dafür erforderlichen Werkzeuge sind bis zu sechs Meter lang und die Presse ist sowohl für den Folgeverbund- als auch für den Transfer-Betrieb ausgelegt. Ähnliche Maschinen des Herstellers hat Daimler bereits in zwei seiner Presswerke mit 30.000 Hüben pro Tag im Einsatz.

Fertigung, Bild: Jebens
3.620 Millimeter hoch, 4.950 Millimeter lang und 7.950 Millimeter hoch: Andritz Kaiser beauftragte Jebens, Spezialist für große schwere Brennzuschnitte und komplexe Schweißkonstruktionen, mit der Fertigung des Pressentischs. Bild: Jebens

Präzision und Performance der Anlagen von Andritz Kaiser beruhen auf ihrer spezifischen Konstruktion: Der geteilt ausgeführte Hauptkörper mit Zugankern und Traversen zwischen den Ständern sorgt für optimiertes Schwingungsverhalten. Zugleich verbessert die Aussteifung per Quertraversen die Teilequalität durch höhere Stanzpräzision. Längere Anlagenlebensdauer und Werkzeugstandzeiten sprechen überdies für diese Konstruktion. Für ein Plus an Stabilität, Schwingungsfreiheit und Standzeiten steht zudem das Triebwerk mit vierfach gelagerter Exzenterwelle. Abhängig von der konkreten Aufgabenstellung wählt der Hersteller aus vier Antriebssystemen die optimale Motor-Getriebe-Kombination aus: Direktantrieb, Planetengetriebe, Schleppkurbel oder Servomotor. Die spezifische Integration der hochpräzisen Stößelführung verhindert zuverlässig und wartungsfrei alle Fertigungseinflüsse.

Ihr charakteristisches kompaktes Design verdanken die Pressen der Integration von Öltank und Hydraulikaggregaten in die Maschinen. So nimmt der Pressentisch den Öltank für die Druckölschmierung im geschlossenen Kreislauf auf. Die Baugruppen für Hydraulik, Pneumatik und Schmierung sind gut zugänglich in Installationsprofilen an den Pressenständern untergebracht. Diese ausgeklügelte Anordnung reduziert nicht nur den Wartungsaufwand, sondern auch den Platzbedarf der Anlagen. Ob Motorkomponenten für elektrische Zahnbürsten, Schnallen für Gesundheitssandalen oder Bauteile für hochwertige Fahrradschaltungen: Die Stanz- und Umformautomaten erfüllen Teiletoleranzen von 0,01 Millimetern – ein Sechstelhaaresdurchmesser. Ausbringmengen von 600 Kühlerlamellen aus 0,1 Millimeter dickem Aluminiumblech, 135 Gurtaufrollern, 35 Gehäusen für Kühlschrankkompressoren oder 50 Beschlägen aus hochfestem Stahl sind typische Minutenleistungen dieser Anlagen.

Per Schwertransport zum Kunden

156-Tonnen Komponent, Bild: Jebens
Das Handling der 156-Tonnen schweren Komponenten war Maßarbeit. Bild: Jebens

Bis der neue Stanz- und Umformautomat für voestalpine Stamptec einsatzbereit war, wurde im Auftrag von Andritz Kaiser wortwörtlich viel bewegt: Das Gesamtgewicht der Presse beträgt über 450 Tonnen, die in mehreren Teilen per Schwertransport zum Kunden geliefert, dort von dem Anlagenbauer montiert und in Betrieb genommen wurden. Dabei war der Pressentisch mit 156 Tonnen Stückgewicht der gewichtsmäßig größte Brocken. Das Kopfteil brachte „nur“ 100 Tonnen auf die Waage, jeder der acht Meter langen Zuganker mit 220 Millimetern Durchmesser rund 3,5 Tonnen. „So mancher Wettbewerber hätte den Tisch mindestens 30 Tonnen leichter gebaut“, sagt Joachim Bolz, Geschäftsführer von Andritz Kaiser. Doch mangelnde Stabilität im Tisch birgt die Gefahr, dass der Stößel anfängt zu „atmen“ – und damit sowohl Werkzeug als auch die Qualität der Stanzteile beeinträchtigt werden. Um das zu verhindern, setzt sein Unternehmen auch bei diesem Tisch auf höchste Stabilität durch Bauteilhöhe und eine Vielzahl an Rippen, die bei Jebens in das Gestell geschweißt wurden. Neben der geforderten Steifigkeit der Teile ist für den Konstrukteur die größte Herausforderung, dass diese riesigen Komponenten auf der Baustelle mit weniger als einem Zehntelmillimeter Toleranz aufeinander passen müssen. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Zulieferer wie Jebens: Bei dem Pressentisch galt es für den Schweißexperten, Toleranzen von 0,04 bis 0,05 Millimetern einzuhalten.

Triebwerk,  Bild: Jebens
Eine entscheidende Rolle für Stabilität, Schwingungsfreiheit und Standzeit des Jebens-Pressentischs spielt das Triebwerk mit vierfach gelagerter Exzenterwelle. Bild: Jebens

Schon viele Jahre beliefert Jebens den Pressenhersteller mit Grobblechen und Brennteilen. Erstmals betraute der Pressenbauer jetzt jedoch den Spezialisten für Maßarbeit in Stahl mit Fertigung, Bearbeitung und umfassender Vormontage. Ausschlaggebend hierfür waren die im Vorjahr bei Jebens deutlich erweiterten Fertigungsmöglichkeiten durch die Eröffnung des Zweigwerks in Nördlingen. Zwei Schweißroboter, mehrere Schweißfachingenieure und ein XXL-Glühofen machen die Komplettbearbeitung von so extremen Formaten möglich.

Eine große Herausforderung

XXL-Glühofen, Bild: Jebens
Mit dem XXL-Glühofen und Schweißrobotern ist Jebens für die Komplettbearbeitung von Bauteilen bis zu 160 Tonnen gut gerüstet. Bild: Jebens

Mit 3.620 Millimeter Höhe, 4.950 Millimeter Länge und 7.950 Millimeter Breite war der Pressentisch dennoch eine echte Herausforderung für Jebens. Exakt nach Kundenvorgabe wurden die Schweißkomponenten mit 146 Tonnen Stückgewicht schweißtechnisch hergestellt. In dem 15 Meter langen, 5,8 Meter breiten und 3,8 Meter hohen Glühofen erhielten sie die erforderliche Wärmebehandlung. Die mechanische Bearbeitung sowie die Endlackierung nach Kundenvorgabe erfolgten unter Regie von Jebens bei einem Partnerunternehmen – ebenso wie die anschließende hydraulische und elektrische Vormontage von Hauptkomponenten wie Ziehkissen und deren kompletter Antrieb. Die Organisation der erforderlichen Sondertransporte für Anlieferung und Abholung beim externen Bearbeitungspartner sowie des abschließenden Transports zu voestalpine Stamptec übernahm Jebens ebenfalls.

Servo-Presse, Bild: Jebens
Ihr kompaktes Design verdanken die Servo-Pressen der Integration von Öltank und Hydraulikaggregaten in die Maschine. Bild: Jebens

Joachim Bolz: „Wir sind sehr zufrieden mit der gesamten Durchführung bei Jebens.“ Stefan Kaiser, ebenfalls Geschäftsführer bei Andritz Kaiser und Enkel des Gründers, ergänzt: „Jebens hat sich unter vier, fünf anderen Bewerbern durch die Mischung aus Nähe und Kompetenz durchgesetzt. Er war nicht der billigste, aber mit Blick auf das Gesamtpaket der seinen Preis werteste Anbieter.“ Entscheidend für diese Bewertung ist auch für ihn das „gute Projektmanagement von Jebens, das durch offene, gute Kommunikation, sehr gute Lieferantenauswahl und erstklassige Umsetzung geprägt war.“

Da der Bau von Pressen in dieser Dimension auch bei Andritz Kaiser nicht zum Tagesgeschäft gehört, war ein kontinuierlicher Austausch zwischen Konstruktion und Fertigung unverzichtbar. Beide Geschäftsführer loben den guten, offenen Dialog mit Jebens. Entsprechend positiv fällt das Fazit von Joachim Bolz zu Fertigung, Vormontage und Abwicklung durch den Spezialisten für komplexe Schweißkonstruktionen im Großformat aus: „Das haben sie wirklich gut gemacht!“ hei

 

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