Auf dem Bild ist eine mobile Löscheinheit zu sehen, die mit Druckluftschaum arbeitet.

Für mobile Löschanlagen, wie sie etwa von Werkfeuerwehren auf großen Raffineriegeländen benötigt werden, ist die Orts-Unabhängigkeit wichtig. In diesen Fällen wird die MicroCAFS-Anlage um einen Atlas-Copco-Generator des Typs QAS 325 ergänzt (rechts auf dem Auflieger). Im Einsatzfall kann er den für den Kompressor benötigten Strom erzeugen. - Bild: MicroCAFS

| von Thomas Preuß, für Atlas Copco

MicroCAFS stellt Druckluftschaumanlagen her, mit denen auch hochviskose Löschmittel verarbeitet und mit hohen Durchflussraten gefördert werden können. Die Druckluftschäume sind umweltfreundlich und erzielen höhere Reichweiten als herkömmliche Wasser-Schaum-Systeme. Ein Elektrokompressor E-Air 900T von Atlas Copco trägt zum Erfolg der Lösung bei. Er verleiht dem Wasser-Schaum-Gemisch den richtigen Schub, um mit der Schaumkanone bis zu 80 m weit zu schießen.

"Unser Kunde ist ein großer Energieversorger in China, der seine Großtransformatoren mit Öl kühlt. Um genau zu sein, mit über 60 Tonnen Öl pro Trafo", umreißt Karl Perr, Geschäftsführer der MicroCAFS PBK GmbH im bayerischen Oberhausen die Dimensionen - und das Risiko: "Die Betriebstemperatur in den Trafos liegt bei 80 bis 90 Grad Celsius. Wenn da eine Wand aufreißt, das Öl ausfließt und brennt, ist das gesamte Umspannwerk in Gefahr." Der Brand müsste so schnell wie möglich gelöscht werden.

Der bayerische Mittelständler hat sich seit 20 Jahren in der Branche einen Namen gemacht: mit druckluftbetriebenen Kompaktgeräten, mit einfach zu bedienenden und leistungsstarken Fahrzeuganlagen, mit Druckzumischanlagen sowie mit stationären Lösungen für Industrieanwendungen, die große Durchflüsse von Druckluftschaum benötigen. Das Alleinstellungsmerkmal sind Schaumlöschanlagen, die mit einer speziellen Technologie bei den Durchflusswerten ein ganz neues Niveau für das Löschen von Industriebränden erreichen, wie Perr ausführt. "Unser größtes System fördert rund 32.000 Liter Schaumgemisch pro Minute", erklärt der Diplom-Ingenieur. Etwa 6.500 Liter davon sei mit Wasser versetztes Schaummittel, der Rest Druckluft - und das ist der Clou daran: "Wir löschen nicht mit einem normalen Schaum, sondern mit einem Druckluftschaum", so Perr weiter. Der habe gegenüber reinem Wasser und konventionellem Schaum mehrere Vorteile, unter anderem einen wesentlich höheren Wirkungsgrad.

Was zeichnet Druckluftschaum aus?

Auf dem Bild ist ein Brandbekämpfung der Werksfeuerwehr mit Druckluftschaum zu sehen.
Die Schaumlöschanlagen von MicroCAFS erreichen mit einer speziellen Technologie bei den Durchflusswerten ein ganz neues Niveau für das Löschen von Industriebränden. Das derzeit größte System fördert bis zu 32.000 Liter Schaumgemisch pro Minute. - Bild: MicroCAFS

"Löschen ist ja vor allem ein Kühlprozess", erläutert Karl Perr. "Mit Wasser erreicht man einen Wirkungsgrad von 10 Prozent, mit normalem Schaum 30 Prozent. Mit dem Druckluftschaum aber kommen wir durch eine starke Steigerung der Verdampfungsrate auf über 90 Prozent!" Damit könne MicroCAFS auch sogenannte kritische Brände löschen, ebenso wie Brände großer Lithium-Ionen-Batterien, wie sie auf Schiffen für den Antrieb genutzt werden. Die Löschanlage ist mittlerweile Basis für eine Betriebserlaubnis von Schiffen bis zu einer Batterieleistung von 1,5 Megawatt (MW). Der zweite Vorteil: Der Druckluftschaum erzielt durch die Druckluft um 20 Prozent höhere Reichweiten als herkömmliche Wasser-Schaum-Systeme. Dazu trägt ein Elektrokompressor E-Air 900T von Atlas Copco bei, der in die Anlagen integriert ist. Er wurde dafür ausgelegt, qualitativ hochwertige Luft zu erzeugen. Dafür ist er mit eingebautem Nachkühler und Wasserabscheider ausgestattet und kann optional eine nachgeschaltete Filterung erhalten, um die Luftqualität weiter zu verbessern.

"Früher wurde die Schaumblase durch Hinzuziehen von Umgebungsluft erst an der Spitze der Düse erzeugt", erklärt Perr. "Die Luft kann einerseits dreckig sein oder, wegen der Brandrauchumgebung, auch zu Problemen in der Schaumbildung führen. Mit unseren Druckluftschaumanlagen erreichen wir dagegen eine viel bessere Schaumqualität, weil das Schaum-Wasser-Gemisch schon in unserer Anlage mithilfe von Druckluft erzeugt und an das Ausbringungsorgan gefördert wird." Zudem werde dabei die in der Druckluft gespeicherte Energie freigesetzt. Sie verleihe dem Gemisch zusätzlichen Schub, der zu einer größeren Reichweite der Schaumkanone führt.

Anlagen für hochviskose Löschmittel ausgelegt

Auf dem Luftbild ist ein Werksgelände zu sehen, auf dem die Werksfeuerwehr mit Druckluftschaum löscht.
Die Druckluftschaumanlagen von MicroCAFS setzen dem Schaum-Wasser-Gemisch noch Druckluft hinzu. Das führt zu einer besseren Schaumqualität - und die in der Druckluft gespeicherte Energie verleiht dem Gemisch zusätzlichen Schub, der zu einer hohen Reichweite der Schaumkanone von derzeit bis zu 80 m führt. - Bild: MicroCAFS

Karl Perr ist stolz darauf, mit seinen Druckluftschaum- und Schaumdosieranlagen am Puls der Zeit zu sein: "Wir gehören zu den Ersten, die die neuen, hochviskosen Löschmittel verarbeiten können", sagt er. Denn die modernen, umweltfreundlicheren Schaummittel stellen die Löschtechnik vor hohe technologische Herausforderungen. Während herkömmliche Schäume sich in der Vergangenheit wie Wasser verarbeiten ließen, seien die neuen, zu 100 Prozent umweltverträglichen Mittel zäh wie Honig. "Die hohe Viskosität führt zu einem ganz anderen Mischverhalten und erfordert eine neue Anlagentechnik", erklärt Perr. Sprich: Weil die neuen Schaummittel dickflüssiger sind, ist mehr Aufwand nötig, um die hohen Durchflussraten für die gewünschte Löschwirksamkeit zu erzielen.

"Die Schaumpumpen sind unsere eigene Entwicklung und schon die halbe Miete für unsere spezielle Lösung", betont Karl Perr. Wo herkömmliche Kolbenpumpen mit den höher viskosen Medien an ihre Grenzen kämen, seien die Exzenterschneckenpumpen für die Dosierung hervorragend geeignet. "Bei den Mischventilen wiederum kommt es darauf an, verlustfrei zu vermischen. Auch das gelingt uns mit einer eigenen Konstruktion, auf die wir sogar ein Patent haben." Die Düse wiederum kaufe er als Standardprodukt zu.

Wie funktioniert der Elektrokompressor?

Bleibt als wichtige, große Komponente für die Druckluftschaumanlagen der Kompressor. Er erzeugt die Druckluft, mit der das Schaummittel gemischt wird, um über eine Lanze als Löschschaum ausgeschossen werden zu können. Hier hat MicroCAFS vor kurzem in einem Pilotprojekt erstmals einen elektrischen Kompressor von Atlas Copco eingesetzt, und zwar den neuen E-Air 900T. Der mobile Elektrokompressor wird von einem 160-kW-Motor angetrieben und arbeitet sehr effizient und leise. Er liefert Druckluft von 7 bis 10 bar bei einem Volumenstrom von bis zu 25 m3/min und ist eine energieeffiziente und kompakte Alternative zu dieselgetriebenen Kompressoren. Mit der Einheit, die um bis zu 50 Prozent kleiner und bis zu 30 Prozent leichter ist als die meisten vergleichbaren Kompressoren, kann MicroCAFS den Schaum 80 m weit schießen.

"Der chinesische Energieversorger hat ja an Strom keinen Mangel und installiert unsere Löschsysteme jeweils als stationäre Lösung", erklärt MicroCAFS-Chef Karl Perr. "Da ist ein kompakter Elektrokompressor natürlich die bevorzugte Variante." Für mobile Löschanlagen, wie sie etwa von Werkfeuerwehren auf großen Raffineriegeländen benötigt werden, ist dagegen die Orts-Unabhängigkeit wichtig. In diesen Fällen wird die MicroCAFS-Anlage noch um einen Generator des Typs QAS 325 ergänzt, der im Einsatzfall den für den Kompressor benötigten Strom erzeugen kann, oder es kommt ein dieselbetriebener Atlas-Copco-Kompressor zum Einsatz.

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