Prüfstandstechnologie

Hydraulik- und Automationslösung für Automotive-Forschung

Ein neues Automotive-Forschungszentrum in Deutschland setzt auf Systemtechnik aus Österreich. Hainzl liefert Hydraulik, Automatisierung und Systemintegration für sieben Prüfstände – und übernimmt die komplette Umsetzung des Großprojekts.

Industrielle Pumpenanlage mit roten Aggregaten und Edelstahlrohren in heller Halle
Die Anlage umfasst unter anderem einen 40.000-Liter-Tank, zehn Hochdruckpumpeneinheiten, eine Förderleistung von 4.800 Litern pro Minute bei 290 bar sowie mehr als drei Megawatt Antriebsleistung.

Von Anfang an war klar, dass dieses Projekt besondere Dimensionen mit sich bringt. Ein 40.000 Liter-Tank, zehn Hochdruckpumpeneinheiten, 4.800 Liter pro Minute bei 290 bar, und mehr als drei Megawatt Antriebsleistung – Zahlen, die selbst in der Branche nur wenige Unternehmen abdecken können und selbst große Player am Markt fordern. „Dieses Projekt ist ein Paradebeispiel für unsere Systemkompetenz“, sagt Christoph Kappacher, Geschäftsbereichsleiter von Hainzl Systemtechnik. „Wir liefern nicht nur Hydraulik, wir liefern Lösungen und bringen als Generalunternehmer unsere komplette Engineering- und Umsetzungskompetenz“. Die Herausforderung liegt aber auch im geforderten Automatisierungsgrad und in der Integration in die gesamte Gebäudetechnik des geplanten Forschungszentrums.

Ein hoher Automatisierungsgrad 

Die technischen Anforderungen waren hoch. Der Kunde wollte ein vollständig automatisiertes Gesamtsystem: Transparenz über sämtliche Energiedaten, zentrale Verwaltung, eine durchgängige Einbindung in die übergeordnete Leittechnik, eine klare Alarmorganisation, eine zentrale Bedienung über mehrere verteilt angeordnete Bedienterminals und eine automatische Versorgung der Prüfstände über ein Machine-to-Machine-Interface. Die hydraulische Versorgungseinheit sollte nicht nur Leistung bereitstellen, sondern sich aktiv auf wechselnde Prüfstandsanforderungen einstellen. Dazu kam die Forderung nach hoher Energieeffizienz. Die Anlage sollte Leistungsbedarf erkennen und koordinieren sowie verbrauchsabhängig ansteuern.

Für Hainzl bedeutete das: Die Anlage musste nicht nur groß, sondern vor allem intelligent sein. Für die Umsetzung der Automatisierungsanforderungen seiner Kunden steht bei Hainzl ein eigenes Engineering‑Team bereit, das Hardware‑Planung, Schaltschrankbau und Softwareentwicklung abdeckt. Diese Nähe zwischen Hydraulik‑ und Automatisierungsentwicklung spielt eine große Rolle, weil viele Funktionen erst im Zusammenspiel beider Bereiche entstehen. Prüfstandsanforderungen, Datenverarbeitung und energierelevante Steuerungslogik konnten so direkt im Projektverlauf abgestimmt werden.

Ocean-Bildschirm vor eingehaustem Industrieroboter in Fertigungsanlage
Ocean übernimmt zentrale Funktionen der Anlagensteuerung, darunter Bedienung über HMI, Datenerfassung, Monitoring, Alarmorganisation sowie die Integration in die Leittechnik des Kunden.

Die hauseigene Automatisierungsplattform Ocean übernahm eine Schlüsselrolle in der gesamten Steuerung der Anlage: Ocean ist eine von Hainzl entwickelte Automatisierungsplattform, die alle Funktionen einer modernen Anlagensteuerung bündelt – von Bedienung der Anlage über die HMI, über Datenerfassung und Visualisierung bis hin zu Monitoring‑ und Analysefunktionen. Auch hier hat Hainzl ein eigenes Team aus Programmierern, die sich um die Weiterentwicklung und Anpassung der eigenen Softwarelösung kümmert. „Die Automatisierung war bei diesem Projekt nicht nur eine Ergänzung zur Hydraulik, sondern ein eigener Schwerpunkt“, sagt Florian Piesl, kaufmännischer Projektleiter bei Hainzl. „ Viele Prozesse laufen im Hintergrund automatisiert ab, etwa die energieabhängige Zuschaltung der Verbraucher oder die Priorisierung der Alarme. Ohne eine zentrale Plattform wie Ocean wäre diese Komplexität nicht darstellbar gewesen.“

Ocean übernimmt beim Forschungs- und Entwicklungszentrum die Alarmorganisation mit Priorisierung und unterstützt die Instandhaltung über mehrere Terminals vor Ort beim Kunden. Die Plattform regelt die hydraulischen Leistungen präzise, dokumentiert die Energiedaten, bereitet diese für Analysen auf und bindet das Gesamtsystem nahtlos in die Leittechnik des Kunden ein.

Technik mit Hebelwirkung: Boosterpumpen mit Doppelfunktion 

Ein zentrales technisches Detail hatten wesentlichen Einfluss auf den Projektverlauf und war nicht zuletzt ein wichtiger Grund für den Zuschlag an Hainzl: die Lösung in Bezug auf die niederdruckseitige Ölversorgung der Hochdruckpumpen. Hainzl nutzt Boosterpumpen, die das Öl mit etwa zwei bar aktiv in die Hochdruckpumpen fördern. Das verbessert das Saugverhalten, reduziert Kavitation und steigert die Standzeiten der Hochdruckpumpen. Gleichzeitig lassen sich die Ansaugleitungen einfacher und kostengünstiger ausführen. Die Boosterpumpen erfüllen gleichzeitig die Funktion der Umwälzpumpen, welche bei jedem System dieser Größe zum Einsatz kommen. Somit haben die Pumpen eine Doppelfunktion, einerseits für Filtration und Kühlung, zweitens fördern sie das Öl aktiv in die Hochdruckpumpen, wo der Druck auf 290 bar erhöht wird. Die Doppelfunktion der Boosterpumpen war ein technischer Schlüssel“, sagt Florian Piesl. „Wir konnten zeigen, dass die Lösung nicht nur technisch funktioniert, sondern auch Betriebskosten senkt und die Anlagenverfügbarkeit verbessert. Das ist effizient und nachhaltig.“

Neben technischen Parametern prägten auch die strengen Werksnormen des Automobilherstellers die Umsetzung des Gesamtprojekts. Elektrische Vorgaben, Anforderungen an Sicherheits- und Ergonomiestandards sowie klare Regeln zum Handling schwerer Komponenten mussten bereits in der Konzeptphase berücksichtigt werden. Das Projektteam baute diese Vorgaben früh ein, um spätere Anpassungen während Montage und Abnahme zu vermeiden.

Boosterpumpen fördern das Öl aktiv in die Hochdruckpumpen, verbessern das Saugverhalten, reduzieren Kavitation und übernehmen gleichzeitig Aufgaben für Filtration und Kühlung.

Integration von Anfang an 

Da die Halle neu errichtet wurde, war Hainzl von Anfang an in die Planung eingebunden. Leitungswege, Anschlussräume und Medienversorgung wurden gemeinsam mit den beteiligten Gewerken abgestimmt. „Wir haben von Beginn an bei der Gestaltung der Hydraulikräume mitgewirkt und die Planung so weit verfeinert, dass wir den ursprünglich vorgesehenen Raumbedarf von vier auf drei Technikräume reduzieren konnten“, sagt Florian Piesl. „Als Generalunternehmer koordinierten wir die Schnittstellen zu den anderen Gewerken und stimmten unsere Systeme mit Elektrik, Verkabelung sowie Klimatisierungs-, Kühl- und Heißwasserversorgung ab. Diese zentrale Koordination erleichtert den Ablauf für den Kunden deutlich.“

Nach rund einem Jahr Vorlaufzeit bis zum Auftragserhalt folgte eine Projektlaufzeit von etwa zwei Jahren. Hainzl verantwortete das vollständige Engineering, die Beschaffung, den Schaltschrankbau, die Ocean‑Programmierung, den Aufbau und Testlauf in Linz, die Montage beim Kunden sowie Dokumentation und Inbetriebnahme. In Linz entstand die komplette Anlage im Probebetrieb, bevor sie in Teilen zum Kunden transportiert wurde. Dort folgten Aufbau, Anbindung an die Leittechnik, Inbetriebnahme und umfangreiche Tests. „Manche Details klären sich erst, wenn man die Anlage im Betrieb sieht“, so Piesl. „Deshalb war die Vorababnahme in Linz ein wichtiger Schritt, um dem Kunden Sicherheit zu geben.“ Die Partnerschaftlichkeit in der Abstimmung mit dem Kunden ist ein wichtiger Schlüsselfaktor für den Erfolg eines Projekts dieser Größe, hebt Piesl hervor.

Technologiekompetenz aus Linz Hainzl ist ein Technologieunternehmen mit rund 1.000 Mitarbeiter:innen, das ein breites Spektrum industrieller Anwendungen abdeckt. Die Fluidtechnik ist eine seiner Kernkompetenzen, ergänzt durch umfassendes Automatisierungs- und Software-Know-how. Diese Verbindung ermöglicht es dem Unternehmen, komplexe Industrieanlagen vollständig zu planen, zu produzieren und beim Kunden zu implementieren. „Unsere Hydrauliksysteme entstehen immer im Zusammenhang mit anspruchsvollen Steuerungs- und Automatisierungsaufgaben. Der Mehrwert liegt in der intelligenten Gesamtlösung – nicht in einzelnen Komponenten“, erklärt Geschäftsbereichsleiter Christoph Kappacher.

Partnerschaftliche Systemintegration mit Bosch Rexroth 

Die Einzelkomponenten wie Pumpen, Ventile und die Steuertechnik, stammen vom langjährigen Partner Bosch Rexroth, einem weltweit führenden Anbieter hochwertiger Hydrauliklösungen. Hainzl übernahm die vollständige Systemintegration und lieferte ein schlüsselfertiges Gesamtsystem.

„Solche Projekte zeigen, wie wertvoll unsere langjährige Zusammenarbeit mit Hainzl ist“, sagt David Ratzberger, Geschäftsführer Bosch Rexroth Österreich. „Unsere Komponenten erfüllen die hohen Qualitätsanforderungen der Automobilindustrie – gemeinsam mit Hainzl bringen wir sie effizient und präzise in komplexe Systemlösungen ein.“

Schlüsseltechnologie für die Fahrzeugentwicklung der Zukunft 

Wenn das Forschungszentrum Mitte 2026 in Betrieb geht, wird die von Hainzl entwickelte Hydraulik- und Automatisierungslösung eine zentrale Rolle bei der Simulation zukünftiger Fahrzeuggenerationen einnehmen. Das Projekt unterstreicht die hohe technologische Kompetenz, die am Standort Linz gebündelt ist – und die Bedeutung von Hainzl als Systemanbieter in anspruchsvollen industriellen Schlüsselprojekten.

FAQ

Welche Aufgabe übernimmt Hainzl in dem Projekt? - Hainzl liefert die komplette Hydraulik- und Automatisierungslösung, einschließlich Steuerung, Verrohrung und vollständiger Systemintegration für das neue Automotive-Forschungszentrum.

Welche technischen Dimensionen hat die Anlage? - Die Anlage umfasst unter anderem einen 40.000-Liter-Tank, zehn Hochdruckpumpeneinheiten, eine Förderleistung von 4.800 Litern pro Minute bei 290 bar sowie mehr als drei Megawatt Antriebsleistung.

Welche Rolle spielt die Automatisierungsplattform OCEAN? - OCEAN übernimmt zentrale Funktionen der Anlagensteuerung, darunter Bedienung über HMI, Datenerfassung, Monitoring, Alarmorganisation sowie die Integration in die Leittechnik des Kunden.

Warum sind Boosterpumpen für das System entscheidend? - Sie fördern das Öl aktiv in die Hochdruckpumpen, verbessern das Saugverhalten, reduzieren Kavitation und übernehmen gleichzeitig Aufgaben für Filtration und Kühlung.

Welche Bedeutung hat das Projekt für Hainzl? - Das Projekt unterstreicht die Systemkompetenz des Unternehmens und zeigt seine Fähigkeit, komplexe Industrieanlagen mit Hydraulik-, Automatisierungs- und Softwarelösungen vollständig umzusetzen.

Quelle: Hainzl