• Vorbereitung manuelle Rohrbiegung

    Für eine fachgerechte Rohrbiegung braucht es natürlich ein Rohr, eine Handbügelsäge, einen Winkel, einen Schraubstock sowie eine Wasserwaage. - Bild: fluid

  • Schraubstock mit Biegerolle

    Eine Biegerolle komplettiert das Rüstzeug beim Biegen. - Bild: fluid

  • Rohr im Handrohrbieger

    Beim Biegen eines 90-Grad-Winkels immer bis 92 Grad ca. biegen, weil das Rohr leicht zurückfedert. - Bild: fluid

  • Rohr richtig markieren

    Die geforderte Länge beträgt exakt 200 Millimeter. - Bild: fluid

  • Messung der Rohrbiegung

    Die Rohrbiegungen immer von Anfang des Rohres bis Mitte Rohr messen. - Bild: fluid

  • Spannung des Rohres halten

    Ist das Rohr nicht auf Spannung, kann es Abweichungen in der Ebene geben. - Bild: fluid

1. Vorbereitungen:

Matthias Müller, Trainer IHA: „Wir brauchen dazu erst einmal einen Schraubstock. Wir machen das heute mit einer Handbiegevorrichtung. Diese ist für den Instandhalter, wenn es einmal schnell gehen muss, vollkommen ausreichend. Für Maschinenbauer gibt es spezielle Dornbiegemaschinen, um eben auch die Wandsteige nicht zu reduzieren. So wird das Rohr nicht geknickt. Wir nehmen also das Rohr, längen es uns anforderungsgerecht ab und reinigen es mit einem Projektil. Dann nehmen wir uns einen Zollstock oder Gliedermaßstab, wie er offiziell heißt, halten das vernünftig an und markieren uns das erste Maß. Ich habe mir angewöhnt, mein Rohr mit einem A für Anfang zu markieren. Das hat eine Bewandtnis, weil Sie ja auch zwischen den zwei Biegungen 200 Millimeter haben wollen. Ich muss das Rohr also durch die Biegevorrichtung stecken. Bei dem Rohrbiegen muss ich aufpassen, dass die Matrizen auch dem Rohrdurchmesser entsprechen. Hier haben wir ein 12er-Rohr. Nun brauche ich noch einen Anschlagwinkel dazu. Das heißt, ich nehme diesen Markierungsstrich. Der Markierungsstrich von 200 Millimetern wird hier mittels Winkel an die Kante der Biegerolle angelegt. Dabei sollte das Rohr ein bisschen auf Spannung gehalten werden, damit es nicht verrutscht.

2. Biegen

Müller: „Den Griff aufstecken und dann das Rohr mit Gefühl biegen, das heißt nicht in einem Ruck, sondern schön mit Gefühl bis zum 90-Grad-Winkel biegen. Das Rohr hat eine Eigenart, das heißt, durch das Biegen ist es wie eine Feder.  Wir sprechen hier von einer gewissen Rückfederung. Das heißt, um 90 Grad zu erreichen, muss ich einen Winkel von ungefähr 91, 92 Grad biegen, weil das Rohr zurückfedert. So komme ich auf 90 Grad. Wir überbiegen jetzt bewusst auf 91 oder 92 Grad und wenn ich loslasse, sieht man anhand der Werkbank, dass wir nahezu parallel dazu sind.“

3. Achtung: Neutrale Faser beachten!

Müller: „Dann entnehmen wir das Rohr aus der Biegevorrichtung und messen das geforderte Maß nach – und zwar werden die Rohrbiegungen immer von Anfang des Rohres bis Mitte Rohr gemessen. Und siehe da, wir haben in der neutralen Faser, die wir bemaßen, genau 200 Millimeter. Jetzt wollten Sie ja von diesem Rohrbogen zu dem Rohrbogen auch 200 Millimeter. Wichtig ist, dass wir immer die neutrale Faser bemaßen. Das heißt, das Maß, das ich jetzt eintragen muss, ist von Mitte Rohrbogen bis hier 200 Millimeter lang. Das machen wir in dem Fall, ich lege also wieder als Hilfsmittel, eine Wasserwaage an, idealerweise mit Magnethalter, das heißt, ich habe eine Hand frei. Nun müssen Sie wissen: Beim 12er-Rohr liegt die Mitte bei 6 Millimeter, das heißt, ich muss zu den 200 Millimetern auch den halben Rohrdurchmesser zugeben. Das heißt, ich zeichne 206 Millimeter an – von Mitte Rohr bis Mitte Rohr. Und damit ich die Mitte anzeichnen kann, nehme ich mir als Hilfsmittel die Wasserwaage hinzu. Damit Sie nun wissen, wie Sie das Rohr wieder in die Biegevorrichtung legen können, haben Sie sich ja das A für Anfang notiert. Nun muss das Rohr einfach durch die Biegevorrichtung geschoben werden – und zwar immer in die gleiche Richtung. Ich gehe mal davon aus, dass Sie auch in einer Ebene bleiben möchten?

fluid: Ja, bitte – das machen wir.

Müller: Das macht die Sache etwas schwieriger. Deswegen ist die Wasserwaage unheimlich wichtig. Das heißt, im Vorfeld wird auch diese Biegevorrichtung im Schraubstock in das Wasser gelegt, also ausgerichtet. Und jetzt nehme ich die Wasserwaage als Hilfsmittel. Wenn ich nämlich ohne sie biegen würde, wären wir nicht in einer Ebene. Ich ziehe wieder meine 90 Grad – und auch hier wieder an die Überdehnung denken, also gerne eher auf ca. 92 Grad. Nun haben wir ein U. Wir sind in einer Ebene, das heißt, es wackelt auch nichts.

fluid: Herr Müller, herzlichen Dank!

Extra-Tipp!

Zum Schluss noch ein Tipp. Denken Sie daran: Bitte ablängen nur mit dem passenden Gerät – bitte keine Flex oder Winkelschleifer nehmen, sonst verändere ich das Gefüge. Das heißt, ich zerstöre mein Rohr. Nehmen Sie eine Bandsäge, Handbügelsäge oder eine Absägevorrichtung, je nachdem was am besten für Sie ist, ja, und dann kann es mit der Rohrumformung oder Rohrbearbeitung losgehen, sei es eine Schneideringmontage, Rohrumformung etc..