Potenzielle Probleme beim Abschleppvorgang:

fluid-Chefredakteur Wolfgang Kräußlich (links im Bildanschnitt) im Gespräch mit Robert Becker (rechts), Prüfingenieur bei der Internationalen Hydraulik Akademie Dresden. Bild: fluid

Ist der Dieselmotor eines hydraulischen Fahrzeugs defekt, muss das Fahrzeug in der Regel abgeschleppt werden. Dabei könne es zu Problemen kommen, erklärt Robert Becker, Trainer bei der Internationalen Hydraulik Akademie Dresden (IHA): „Während des Abschleppvorgangs wird der Fahrmotor zur Pumpe. Dies hat zur Folge, dass Öl von der Niederdruckseite zur Hochdruckseite gefördert wird. Die Pumpe steht jedoch, sie dreht nicht. Das bedeutet wiederum, wir müssen irgendwo hin mit dem Öl.“ Was also zu tun ist und welche Gefahren damit verbunden sind, haben wir den Experten gefragt.

Die Gefahr: Extremer Druck

Ist der Dieselmotor defekt (n Diesel), muss beim Abschleppvorgang sowohl auf zu hohen, als auch auf Unterdruck geachtet werden (p Motor B). Bild: fluid

Begegnen Anwender diesem Problem nicht entsprechend, „hat man auf der Seite, wo der Motor reinfördert einen sehr hohen Druck“, so Robert Becker. „Der Motor hat ein sehr hohes Moment, das Fahrzeug würde sich so also gar nicht bewegen. Man könnte es nicht abschleppen. Die Räder würden blockieren“, erklärt der IHA-Prüfingenieur.

Die Lösung – Ventile mit Bypassfunktion:

Erklärung an der Grafik: Robert Becker zeigt, wie sich das Öl wieder von der Hochdruck- zur Niederdruckseite fördern lässt. Bild: fluid

Zwar befinden sich in der Regel Hochdruckventile im geschlossenen Kreis. „Diese wollen wir so jedoch nicht nutzen“, gibt Becker zu Bedenken und fährt fort: „Die Ventile haben noch eine weitere Funktion, eine Bypass-Funktion. Diese lässt sich nutzen, indem man die Ventile etwas herausdreht. Die Ventile haben drei Funktionen: Erstens die Überdruckfunktion, wo wir mit den Ventilen bei einer Lastspitze den Maximaldruck begrenzen. Die zweite Funktion ist die Einspeisefunktion, mit der die Speisepumpe über die Ventile in den Niederdruck fördern kann. Und dann kann ich mit diesen Ventilen auch einen Bypass generieren, indem ich die Ventile drei Umdrehungen herausdrehe, auch bitte beide, damit wir zu beiden Anschlüssen A und B den Kurzschluss haben. Und wenn die Ventile drei Umdrehungen herausgedreht sind, dann können wir das Fahrzeug abschleppen.“ Dafür sorgt die Bypassfunktion.

Mit dem Bypass lässt sich das Öl mit relativ wenig Gegendruck von der Hochdruckseite zur Niederdruckseite fördern. Dabei gelte es nur zwei Dinge zu beachten, so Becker: „Nicht mit besonders hoher Drehzahl, denn wir haben hier keinen Speisedruck anliegen. Die Speisepumpe läuft nicht. Und bitte nicht für längere Zeit. Abschleppen ist ein schwieriger Begriff. Ich würde eher sagen, dass wir das Fahrzeug von der Straße oder vom Feld auf einen Tieflader ziehen und dann mit einem Tieflader zur Werkstatt fahren. Wenn man das über längere Zeit macht, sieht der Motor zu lange Unterdruck, er kavitiert und kann dann dadurch kaputt gehen.“

Ventile, Bild: fluid
Dreht man die Ventile drei Umdrehungen heraus, lässt sich ein Bypass generieren. Bild: fluid

Bleiben Sie informiert

Diese Themen interessieren Sie? Mit unserem wöchentlichen Newsletter sind Sie immer auf dem Laufenden. Gleich anmelden!