Dr. Christoph Fleig

„Unser größtes Potenzial ist unsere über viele Jahrzehnte gewachsene Branchenkenntnis und das Know-how in der Rohrverbindungstechnik.“Dr. Christoph Fleig, Geschäftsführer der Volz Gruppe Bild: Volz Gruppe

Wie schafft man es, über fast ein Jahrhundert kontinuierlich zu wachsen?

Ein Unternehmen, das 1925 gegründet wurde, hat natürlich eine Menge erlebt und Erfahrungen unter vielen unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gesammelt. Volz hat sich immer schon dadurch ausgezeichnet, die Veränderungen im Markt und die sich ändernden Bedürfnisse der Kunden rechtzeitig zu erkennen und entsprechend zu reagieren.

Unser größtes Potenzial ist unsere über viele Jahrzehnte gewachsene Branchenkenntnis und das Know-how in der Rohrverbindungstechnik. Wir sind ja gewissermaßen von Anfang an dabei.

Was sind aus Ihrer Sicht die Meilensteine Ihrer Unternehmensgeschichte?

Der entscheidende Schritt war die Aufnahme von Rohrverschraubungen nach DIN 2353 in das Portfolio im Jahr 1965. Die Inhaber der zweiten Generation haben damals die Zeichen des Wirtschaftswachstums und die Bedeutung der Hydraulik für die industrielle Entwicklung erkannt.

Seitdem sind wir am Puls der Hydraulik und haben die Rohrverbindungstechnik kontinuierlich weiterentwickelt.

Ein weiterer Meilenstein war die Automatisierung der Produktion Ende der 80er Jahre mit CNC-Maschinen, Bearbeitungszentren und Drehautomaten. Auch hier war Volz Vorreiter, was die wirtschaftliche Fertigung und die Fähigkeit betraf, große Stückzahlen in kurzer Zeit herzustellen.

Wie gewährleisten Sie die Qualität Ihrer Rohr- und Schlauchverbindungen in Stahl und Edelstahl?

Durch die hohe Fertigungstiefe in unseren vier Werken am Stammsitz in Deilingen – also „Made in Germany“ – und die strengen Qualitätskriterien, nach denen wir unser Rohmaterial auswählen. Wir verwenden ausschließlich hochwertigen Edelstahl 1.4571 und beziehen Stangenmaterial und Schmiederohlinge grundsätzlich aus europäischen Ländern. Vorteil für unsere Edelstahl-Kunden: Wir gewährleisten gemäß Abnahmeprüfzeugnis 3.1. eine genaue Chargenrückverfolgung des Rohmaterials bis zur Schmelze.

Unsere Schlauchnippel sind im wahrsten Sinne des Wortes aus einem Guss und nicht aus einzelnen Elementen gelötet. So werden typische Schwachstellen mehrteiliger Stücke wie Lunker und Einschlüsse in der Lötnaht verhindert.

Wie reagieren Sie auf Trends in der Rohrverbindungstechnik?

Derzeit steigt die Nachfrage nach größeren Armaturen, die eine besondere Herausforderung für die Biegetechnik sind. 2014 haben wir deshalb in eine neue Biegemaschine investiert. Der 90°-Bogen eines Schlauchnippels muss ohne Einfall und ohne eine Schwächung der Wandstärke erzeugt werden, damit der Querschnitt und dementsprechend die Durchflusswerte nicht verringert werden.

Unsere neue Anlage ist speziell hierfür ausgelegt und auf dem neuesten technischen Stand. Der, wenn Sie so wollen, Volz-interne Trend geht zu wachsenden Auftragsvolumina sowohl im Stahl-, als auch im Edelstahlbereich: Allein im letzten halben Jahr haben wir deshalb zehn neue Bearbeitungszentren für Edelstahl-Schlaucharmaturen in Betrieb genommen. Mit drei neuen Prüfständen sind unsere Prüfmöglichkeiten inzwischen verdoppelt, ein neues Prüfzentrum eingerichtet und die Abteilung für Forschung und Entwicklung personell erweitert. Gleichzeitig investieren wir kontinuierlich in die Stahlfertigung.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Der Energiemarkt ist für den Bereich Edelstahl ein hochinteressanter Wachstumsmarkt; es gibt aber auch rein geografisch noch viele weiße Flecken, die wir uns nach und nach erschließen werden. Ein wichtiger Schritt hierbei ist unsere Kooperation mit Stauff bezüglich der Stahlverschraubungen.

Durch die starke internationale Präsenz und das weltweite Distributionsnetz von Stauff eröffnen sich zusätzliche Vertriebskanäle. Im Gegenzug profitiert Stauff von unserem Rohrverbindungs-Know-how und unserer Fertigungskompetenz.

Ihr Unternehmen sitzt in einer ländlichen Region. Trotzdem haben Sie weder Mangel an Fachkräften noch an Auszubildenden. Wie gelingt Ihnen das?

Wir setzen Vertrauen in unsere Mitarbeiter, haben hervorragende Ausbildungsprogramme und schon vor zehn Jahren einen betriebseigenen Kindergarten eingerichtet, als Ganztagsbetreuung in unserer Gegend noch völlig unüblich war. Mit dieser familienfreundlichen Ausrichtung ziehen wir junge Fachkräfte an, die heute Wert auf die Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben legen, und halten qualifizierte Frauen auch in der Familienphase im Betrieb. fa

Das Interview führte Sonja Schöntauf, Amedes

Die Volz Gruppe

Ein attraktives Familienunternehmen

Rohrverbindungen

Volz bietet als einer der wenigen Produzenten Rohrverbindungen aus Stahl und Edelstahl aus eigener Fertigung.

Die Volz Gruppe liefert als einer der wenigen Anbieter in Deutschland ein breites Programm an Rohrverbindungskomponenten sowohl in Stahl als auch in Edelstahl aus eigener Fertigung. Ein weiterer Produktionsschwerpunkt sind individuelle Kugeln für die Kugelhahnindustrie, mit denen Volz Marktführer ist.
Insgesamt sind rund 390 Mitarbeiter bei der Volz Gruppe beschäftigt, die meisten davon am Hauptsitz des Familienunternehmens in Deilingen. International sind die Schwaben mit Vertriebsgesellschaften in der Türkei, der Ukraine, in Australien, China, Singapur, Russland und USA aktiv. Regional engagiert sich das Unternehmen besonders für Auszubildende sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.