Linde-Kältemaschine, Bild: Wolfgang Sauber, Wikimedia.org

Die erste verkaufte Linde-Kältemaschine, eine Weiterentwicklung des Ursprungsmodells von 1873, kam 1877 bei der Dreherschen Brauerei in Triest zum Einsatz. Bild: Wolfgang Sauber, Wikimedia.org

Der Auslöser war ein simples Preisausschreiben für eine Kühlanlage zum Auskristallisieren von Paraffin. Dies weckte die Neugierde von Carl von Linde, seit 1868 Professor an der Technischen Hochschule in München. Sofort machte sich von Linde an die theroretische Grundlage und entwickelte das Prinzip der Kaltdampfmaschine. Sie versprach mit dem Kältemittel Methyläther die höchste Kälteausbeute. Nachdem von Linde seine Erkenntnisse veröffentlicht hatte, weckten sie das Interesse der Brauer. Denn sie waren für die Gärung und Lagerung ihres Bieres auf der Suche nach einem ganzjährig zuverlässigen Kältebetrieb. Im Sommer 1871 vereinbarten von Linde, der Großbrauer August Deiglmayr und der Brauer Gabriel Sedlmayr, in der Spaten-Brauerei eine Versuchsmaschine aufzustellen.

Anmeldung zum Patent

Patent für die Kältemaschine, Bild: Linde Group
Kaiserliches Patent für Carl von Linde für seine erste Kälteerzeugungsmaschine (1877). Bild: Linde Group

Die Konstruktionspläne waren schließlich im Januar 1873 fertig und konnten zum Patent angemeldet werden. Allerdings gab es ein Problem: die Quecksilber-Dichtung funktionierte nicht; der zur Kühlung eingesetzte Methyläther trat aus dem Kompressor aus. Eine zweite Maschine musste also her. Von Linde entwickelte eine einfachere und wirkungsvollere Dichtung; und die erste Kühlmaschine ging 1877 bei der Brauerei Dreher in Triest in Betrieb. Doch trotz dieses Erfolgs machte sich von Linde an eine dritte Kon­struktion, wobei er sich an bereits gebräuchlichen Gaspumpen orientierte.

Die dritte, horizontal arbeitende Bauform erwies sich, gemessen am Preis-Leistungs-Verhältnis, als die beste Kaltdampfmaschine am Markt und wurde für Jahrzehnte zum Standardtyp der Linde-Kompressoren. Und zum Verkaufsschlager bei europäischen Brauern.

Nummer 1 bei den Brauereien

Die Linde-Werksanlagen bei München, 1909, Bild: Linde Group
Die Linde-Werksanlagen in Höllriegelskreuth bei München im Jahre 1909. Bild: Linde Group

Aufgrund seines großen Erfolgs mit den Kältemaschinen beschloss von Linde 1878, sein eigenes Unternehmen zu gründen. Die wichtigsten Kunden blieben bis zum Ende des 19. Jahrunderts die Brauereien. Bis 1890 rüstete von Linde 445 Brauereien mit 747 Kältemaschinen aus. Mit dem ab 1881 kommunalen Aufbau von Schlachthöfen stieg auch der Bedarf an Kühlhäusern für die Lagerung von Fleisch und anderen Lebensmitteln.

Der rasche Erfolg Carl von Lindes rief bald Wettbewerber auf den Plan, die am boomenden Kältemarkt mitverdienen wollten. Zu den ernsthaftesten Wettbewerbern stiegen traditionelle Maschinenbauer auf. Dabei kamen ihnen ihr Know-how zum Bau von Dampfmaschinen, Pumpen und Gasmotoren sowie ihr Vertriebsnetz zugute. Doch in einem direkten Vergleichstest der Kältemaschinen konnte von Linde die Überlegenheit seiner Geräte deutlich demonstrieren.

Neuer Weg in die Luftverflüssigung

Technisches Büro bei Linde, Bild: Linde Group
Blick ins Technische Büro in Höllriegelskreuth bei München, wo um 1910 weitere Einsatzmöglichkeiten für das Verfahren der Luftverflüssigung geprüft wurden. Bild: Linde Group

Neue Wege ging Carl von Linde ab 1892. Wieder kam der Anstoß von außen. Durch einen Auftrag der Guinness-Brauerei in Dublin, eine Kohlensäureverflüssigungsanlage zu entwickeln, befasste sich von Linde mit der Entwicklung einer Luftverflüssigungsmaschine.

Er ging von der Idee aus, die Luft selbst als Kältemedium zu verwenden, indem sich die beim Ausströmen der Luft von einem höheren auf einen niedrigeren Druck entstehende Kälte für die weitere Kühlung nutzen ließ. Er hatte Erfolg, allerdings vergingen noch Jahre, bis die Trennung von Sauerstoff aus flüssiger Luft wirtschaftlich und vor allem in der Industrie genutzt werden konnte. 1902 gelang schließlich der Durchbruch mit dem Rektifikationsverfahren, einem Verfahren ähnlich der Destillation von Alkohol. Die Nachfrage in der Industrie nach reinem Sauerstoff und Stickstoff stieg rasant und das autogene Schweißen sowie Schneiden verbreitete sich. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg übergab Carl von Linde die Leitung des Geschäfts an seine Söhne Friedrich und Richard weiter. Diese entwickelten 1912 den Zweisäulenapparat, in dem gleichzeitig Sauerstoff und Stickstoff erzeugt werden konnte.

Weg zum Maschinenbauer

Ab 1920 übernahm die Firma Linde viele Unternehmen wie die Maschinenfabrik Süth (Kleinkältemaschinen) oder die Güldner Motoren-Gesellschaft (Landwirtschaft). In den 1960er-Jahren verkam die bisher erfolgreiche Kältetechnik zum Problemfall. Deswegen spezialisierte sich das Unternehmen auf die Hydrostatik und entwickelte ab 1955 hydrostatische Getriebe – Basis für den Bau von Gabelstaplern. Außerdem wurde Linde zum Anbieter von Großanlagen in der chemischen Industrie und stieg in den Halbeitermarkt ein. Heute stehen medizinische Gase und eine saubere Energiegewinnung im Fokus des Großkonzerns.

Der Erfinder

Carl von Linde im Alter von 85 Jahren. Er wird nicht nur als Vater der Kältetechnik gesehen, sondern gründete auch das Deutsche Museum in München. Bild: Linde Group

Carl von Linde wurde am 11. Juni 1842 in Berndorf geboren. 1861 studierte von Linde Maschinenwesen am Polytechnikum Zürich. 1864 wurde er aufgrund seiner Teilnahme an einem Studentenprotest exmatrikuliert. Ab 1866 leitete er in München das Konstruktionsbüro einer Lokomotivenfabrik, ab 1868 war er Professor am Polytechnikum München. 1873 entwickelte von Linde eine Methyläther-Eismaschine (Kühlschrank) und 1876 einen Ammoniak-Kühlapparat (Klimaanlage). Diese Patente waren die Grundlage für eine eigene Eismaschinenfabrik. 1895 entwickelte er ein Verfahren zur Verflüssigung von Luft; 1902 gelang ihm die Zerlegung von Luft in Stickstoff und Sauerstoff. Carl von Linde verstarb am 16. November 1934 in München.