Bagger und Saugkorb, Bild: Zeppelin Baumaschinen

Waffentaucher gehen mit Bagger und Saugkorb vor Helgolands Küste auf die Suche nach Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg. Bild: Zeppelin Baumaschinen

Die Mole an Helgolands Küste muss saniert werden. Zuvor müssen jedoch mögliche Kampfmittel entfernt werden. Dabei wird ein vom Unternehmen Eggers Kampfmittelbergung selbst entwickeltes Verfahren eingesetzt, bei dem der Meeresboden abgesaugt und dann die Sedimente in drei Fraktionen separiert werden – Störkörper und mögliche Kampfmittel werden herausgefiltert. Eine Pumpe fördert die Sedimente unter Wasser über einen Saugkorb mit angeschlossener Separiereinheit.

Bevor diese ihre Arbeit aufnehmen kann, wird über eine Strömungsglocke mit einem Durchmesser von 2,50 Meter und einer Höhe von vier Meter, angebracht an einem Cat Longfrontbagger 329EL, ein Waffentaucher nach unten befördert. Das Anbaugerät ist eine Sonderkonstruktion, die für das Tauchen in Binnengewässern entwickelt wurde und für den Hochseeeinsatz um eine autonome Not-Luftversorgung für den Taucher erweitert wurde.

Taucher tasten Meeresgrund ab

Waffentaucher in Strömungsglocke, Bild: Zeppelin Baumaschinen
Die Stömungsglocke mit Waffentaucher. Bild: Zeppelin Baumaschinen

Sie beherbergt während eines Tauchvorgangs den Taucher. Er soll sich darin Abschnitt für Abschnitt vorarbeiten, den Meeresgrund abtasten und Kampfmittel ausfindig machen. Gesteuert wird der Taucher über eine Kommandozentrale, die an Land in einem Container untergebracht ist und von dort alle Arbeitsvorgänge lenkt. Ein Dive Control versorgt den Taucher mit ausreichend Atemluft. Eine zusätzliche Reserveversorgung wird über Leichttauchgeräte sichergestellt, wie sie im Offshore-Tauchen Standard sind. Somit erhält der Taucher auch noch ausreichend Atemluft, sollte mal die Schlauchverbindung reißen.

Die Baumaschine mit rund 30 Tonnen Einsatzgewicht wird von der Mole aus bewegt. Der Baggerfahrer steuert über ein Display in der Kabine die Strömungsglocke. Mithilfe von 3D-Steuerung wird Abschnitt für Abschnitt angezeigt. Gibt der Taucher einen Abschnitt auf großkalibrige Kampfmittel frei, muss er aus dem Wasser. Erst dann darf die Pumpe mit der Förderung der Sedimente beginnen. Dabei muss der Cat 329EL bis zu neun Meter Wassertiefe erreichen können.

Strömungsgeschwindigkeit und Tidenhub

Was die 16 Mitarbeiter vor Ort immer beachten müssen, sind die Strömungsgeschwindigkeiten und der Tidenhub der Nordsee, welche unmittelbaren Einfluss auf die Baggerbewegung haben.

„Die Strömungsgeschwindigkeit liegt bei bis zu vier Metern pro Sekunde. Wir haben es mit rauer See zu tun, was den Einsatz erschwert“, so Leif Nebel, Geschäftsführer der Eggers Kampfmittelbergung. Aufgrund des aufgewühlten Schlicks am Meeresgrund der Nordsee tragen die Taucher alle eine Helmkamera, welche ihr Blickfeld per Video aufzeichnen und dann an den Einsatzleiter übertragen.

Suche mithilfe des Erd-Magnetfelds

Bagger am Hafen, Bild: Zeppelin Baumaschinen
Bei der Bombensuche muss der der Cat 329EL bis zu neun Meter Wassertiefe erreichen können. Bild: Zeppelin Baumaschinen

Die Kampfmittelüberprüfung erfolgt vom Wasser aus. Um den Untergrund abzusuchen, macht man sich das Erd-Magnetfeld zunutze. Stoffliche Veränderungen im Untergrund wie etwa Eisenteile beeinflussen die magnetischen Kennwerte messbar und sind somit aufspürbar.

So wurde im Vorfeld das Gelände mit einem hochauflösenden Side-Scan-Sonar erfasst.Es basiert auf dem Messprinzip der Akustik. Dank des Side-Scan-Sonars können Objekte auch unabhängig von den herrschenden Sichtverhältnissen geortet werden. So konnte das Unternehmen die Fläche exakt kartieren und Objekte auf dem Grund in 3D darstellen.

Immer wieder werden die Taucher fündig. „Wir haben bislang so ziemlich alles gefunden, was unter die Kategorie Kampfmittel fällt“, sagt Nebel. Frühere Maßnahmen rund um Helgoland brachten bereits 25 Sprengbomben ans Licht.

Munition immer noch gefährlich

Wie groß noch immer die Gefahren sind, die von der Munition ausgeht, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg in der Nord- und Ostsee versenkt wurde, hat Meeresbiologie Dr. Stefan Nehring untersucht, als er verschiedene Archive von Bund und Länder auswertete. So sollen alleine in den Gewässern Schleswig-Holsteins inzwischen rund 139 Menschen aufgrund von Zwischenfällen mit Munition ums Leben gekommen sein; und 292 Verletzte sind darauf zurückzuführen.

„Wir bergen jede Menge Schrott. Sogar eine Antriebswelle eines Schiffs oder Stahlplatten eines Bunkers haben wir schon herausgeholt“, erklärt Nebel. Für diese Aufgabe kommt eine weitere Cat-Maschine ins Spiel: ein Cat Radlader 914G, der dann dafür sorgt, das Material samt Fundstücken aufzuhalden, das per Dumper transportiert und erst einmal sicher zwischengelagert wird. hei