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Die Steuerung von Maschinen musse einfach sein - auch von Hydrauliksystemen. Bild: © Sikov, fotolia

Konstrukteure, Instandhalter oder Maschinenbediener haben heute oft weniger Erfahrung mit Hydraulik als mit elektromechanischen Antrieben. Was unter anderem daran liegt, dass die Hydraulik in der Ausbildung von Technikern ebenso wie von Ingenieuren gelegentlich ein Schattendasein führt. Das gilt insbesondere für die Regelung und Steuerung von Hydraulik, die aufgrund der fluiddynamischen Besonderheiten als komplexer gilt. Auf der anderen Seite ist die Hydraulik über die Jahre auch immer elektrischer geworden.

War die Hydraulik zu Beginn eine rein mechanische Disziplin, so kamen analoge 12- oder 24-Volt-Regelungen Ende der 1960er-Jahre aufs Tapet. Der reine Hydrauliker hatte damals zum ersten Mal mit einer Schnittstelle zur Elektrik zu tun. Über die Jahre wurden solche Steuerungen durchaus umfangreich, man hatte mit analogen 19-Zoll-Karten zu tun und mit vielen Potenziometern, die bei der Inbetriebnahme entsprechend eingestellt werden mussten. Das ist bis heute nicht trivial, aber mit vernünftiger Einarbeitung ist es eine relativ intuitive Herangehensweise – schließlich kann man vieles noch einigermaßen einfach messen.

Hydraulik wird elektrisch

Die heutige Digitaltechnik mit ihren Kommunikationsschnittstellen ist zumindest unter der Haube noch komplizierter: „Wir parametrieren vor allem, und drehen weniger an Potis herum“, analysiert Georg Winkes, Entwicklungsleiter bei W.E.St., die aktuelle Situation. „Da ist es natürlich wichtig, dass man für den Anwender eine Führung hat, sodass er diese Parametrierung sachgerecht vornehmen kann. Und falls Probleme auftreten, muss man auch die richtigen Hilfsmittel liefern, sodass diese Probleme analysiert und gelöst werden können.“

„Die Hydraulik muss sich heute genauso einfach bedienen lassen wie die Elektromechanik“, ist sich Dr. Steffen Haack daher auch gewiss. Der Business-Unit-Leiter Hydraulics bei Bosch Rexroth stellt zudem fest, dass Elektronikkenntnisse heute auch für Hydrauliker unabdingbar sind: „Wenn man rausfährt und eine Anlage in Betrieb nimmt, dann ist es als reiner Hydrauliker schon fast nicht mehr machbar. Man braucht zumindest elektronische Grundkenntnisse.“ Das sei, so Haack, für den Hydrauliker durchaus eine Herausforderung, da er ja immer noch die Basisthemen wie Druck und Volumenstrom beherrschen müsse, zugleich aber mit der Elektrikwelt zurechtkommen solle. „Deshalb müssen wir es den Leuten so leicht wie möglich machen.“

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"Es ist wichtig, dass man für den Anwender eine gewisse Führung hat. Falls Probleme auftreten muss man auch die richtigen Hilfsmittel liefern.“

Georg Winkes, W.E.St. Elektronik

Vor allem in der Stationärhydraulik müssen sich die hydraulischen Antriebe nahtlos in ein Gesamtsystem einfügen, das mit Feldbussen und immer häufiger auch ethernetbasierten Systemen vernetzt ist. Vor allem letztere sind auf dem Vormarsch: Während die klassischen Feldbusse etwa zehn Prozent Marktanteil pro Jahr verlieren, wächst Industrial Ethernet stetig. Sogar das Thema Wireless, aus Zuverlässigkeitsgründen lange Zeit in der Industrie geächtet, zeigt ein rund 30-prozentiges Wachstum pro Jahr. Auf der anderen Seite: Draußen im Feld sieht die Sache oft noch anders aus. „Unsere Auswertungen zeigen, dass rund 80 Prozent der Anwendungen noch auf analoge Schnittstellen setzen“, führt Georg Winkes aus. „Nur etwa 20 Prozent nutzen Feldbusse oder Ethernet-Netze.“ Diese 80/20-Regel kann auch Dr. Steffen Haack bestätigen: „Der größte Teil des Umsatzes kommt immer noch über Produkte, die überhaupt keine Schnittstelle haben oder die mit 24 Volt angesteuert werden“, so Haack. „Allerdings gibt es Studien, die der klassischen Hydraulik künftig nur noch ein moderates Wachstum prophezeien, während die Elektrohydraulik mit zweistelligen Wachstumsraten rechnen kann.“

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"Wenn man heute eine Anlage in Betrieb nimmt, ist das als reiner Hydrauliker fast nicht mehr machbar. Man braucht zumindest elektronische Grundkenntnisse.“

Dr. Steffen Haack, Bosch Rexroth

Was also tun? Schließlich ist die eierlegende Wollmilchsau, sprich der Mitarbeiter, der elektrotechnisch ebenso versiert ist wie in der Hydraulik, eine seltene Spezies. „Unser Prinzip ist es, dass beide Zielgruppen eine Hydraulikanlage in Betrieb nehmen können müssen und mit unseren Reglern umgehen können sollen“, führt Georg Winkes aus. „Deshalb ist das Thema der Inbetriebnahmeassistenten aus unserer Sicht ein ganz bedeutendes.“ Letztere sind dabei nicht unbedingt Stand der Technik: „Wir haben als Erste ein solches System herausgebracht“, so Winkes, „und Rexroth hat jetzt auf der Hannover Messe auch so ein System präsentiert. Aber Sie können nicht irgendeine andere Steuerung kaufen und haben einen Hydraulik-Inbetriebnahmeassistenten dabei.“

Das Unternehmen W.E.St. Elektronik

Das 1999 gegründete Unternehmen hat sich auf Entwicklung und Vertrieb von speziellen elektronischen Baugruppen für hydraulische Anwendungen spezialisiert. Die technisch optimierten Lösungen stehen auf der Basis langjähriger Erfahrungen in der Hydraulik und wurden in Zusammenarbeit mit Kunden permanent weiterentwickelt. W.E.St. bietet eine umfangreiche Produktfamilie für alle typischen Anwendungen, vom einfachen Leistungsverstärker über p/Q-geregelte Pressensteuerungen bis hin zur Multi-Achsen-Gleichlaufregelung. Neben der Elektronik bietet das Unternehmen auch Unterstützung im Bereich der Anwendungen mit Stetigventilen an, von der Berechnung der Achsen bis zur Simulation des geregelten Systems.