Pneumatikschläuche, Bild: SMC

Pneumatikschläuche sind ein buntes Thema: hier zu sehen ist die Farbvielfalt der Serie TU von SMC. Mit farblich gekennzeichneten Schläuchen wird eine Maschine übersichtlich. Bild: SMC

Die Druckluft ist ein teures Medium, hört man häufig. Besonders laut rufen hier Unternehmen, die elektromechanischen Ersatz für die Pneumatik anbieten. Jedoch ist es häufig einfach eine Frage des Umgangs mit der Druckluft. Legt man sein System richtig aus und wartet es angemessen, können die Kosten drastisch gesenkt werden. Eine recht unscheinbare Komponente darf hierbei nicht übersehen werden: der Pneumatikschlauch. „Nur genaue Außendurchmesser und Materialstärken gewähren minimale Leckagen. Ein oft vernachlässigter Faktor um die Druckluftkosten gering zu halten“, erklärt Harald Kühne, der bei SMC im Sales Engineering tätig ist, die Feinheiten, auf die es bei Schläuchen zu achten gilt. Er empfiehlt auch auf geeignetes Werkzeug, wie einen Schlauchschneider zurückzugreifen, der mit einem sauberen Schnitt zu einer perfekten Verbindung beitrage.

Ein buntes Thema

Pneumatikschläuche von Aventics, Bild: Aventics
Pneumatikschläuche müssen einer Vielzahl von Umgebungsbedingungen standhalten. Bild: Aventics

Fragt man Pneumatikunternehmen nach ihrem Sortiment in diesem Bereich, gehen die Antworten auch auf die Farbvielfalt des Sortiments ein. SMC beispielsweise bietet seinen Polyurethanschlauch in bis zu 29 Farben an. Diese Farbvielfalt soll dabei helfen, Maschinen und Anlagen übersichtlich und sicher zu gestalten. Polyurethan in harter oder weicher Ausführung ist dabei nur einer der Werkstoffe, auf die das Unternehmen zurückgreift, hinzu kommen Schläuche aus Polyamid, Polyamid weich, Polyolefin, Polyolefin weich oder Fluorpolymer. Hier hört die Vielfalt jedoch bei Weitem nicht auf, denn auch für spezielle Anforderungen gibt es passende Schläuche. Für bewegte beziehungsweise reibende Applikationen sollten Schläuche genutzt werden, die sich in Schleppketten eignen. Für Schweißanlagen werden von SMC schwer entflammbare und gegen Schweißspritzer beständige Schläuche angeboten, die auch doppelwandig sein können. Doppelwandige Schläuche aus Weich-Fluorpolymer kombiniert mit Polyamid sind beispielsweise lösungsmittelbeständig und trotzdem sehr flexibel.

Weitere Varianten sind Spiralschläuche – die es auch als Mehrfachschlauch gibt –, doppelwandige Schläuche, antistatische Schläuche, Mehrfachschläuche mit zwei bis acht Leitungen, Fluorpolymerschläuche, die chemisch beständig und nahrungsmittelgeeignet sind, Reinraumausführungen oder kondensatableitende Schläuche. Ein Schlauch ist eben nicht einfach nur ein Schlauch: Er muss zur Anwendung passen, um eine hohe Zuverlässigkeit und Betriebssicherheit einer Anlage zu gewährleisten. Harald Kühne sieht das so: „Am Schlauch zu sparen kann an anderer Stelle vielfach höhere Kosten verursachen.“

Auch bei Aventics gibt es bei Weitem nicht den einen Pneumatikschlauch. Das Unternehmen bietet ebenfalls ein breites Spektrum an hochwertigen Druckluftschläuchen in unterschiedlichen Materialien und Eignungen an. „Damit können wir nahezu allen Anforderungen gerecht werden“, ist sich Wolf Gerecke, Director Strategic Product Management bei Aventics, sicher. „Ob hochgradig elastisch, resistent gegen Mikrobenbefall oder selbstlöschend im Brandfall – wir haben den passenden Schlauch. Dabei wollen wir nicht nur die beste technische Lösung bieten, sondern unsere Kunden durch eine große Auswahl an Längen, Wickelarten und Farben rundum zufriedenstellen.“

Sind Schläuche innovativ?

Mehrfachschläuche von SMC, Bild: SMC
Mehrfachschläuche gibt es von SMC in den Serien TU, TUS und TUZ. Die Mehrfachschläuche des Unternehmens können bis zu acht Leitungen haben. Bild: SMC

Nach der Innovationskraft bei Pneumatikschläuchen traut man sich kaum zu fragen. Schließlich spricht man hier nicht von Hightech. In den Augen von Harald Kühne ein Irrtum: „Trotz eines vermeintlich einfachen Produkts haben wir hier eine sehr hohe Innovationskraft. SMC entwickelt kontinuierlich neue Varianten.“ Hierzu berichtet er von zwei Beispielen aus seinem Unternehmen: „Aktuell neuestes Produkt sind unsere sogenannten Mehrfachschläuche. Hier bieten wir zusammengefügte Schläuche in Polyurethan, Weichpolyurethan oder verschleißresistentem Polyurethan an. Das Besondere und Einmalige ist, dass Sie bis zu acht Schläuche nebeneinander kombinieren und auch die Farbbelegung vollkommen nach Ihren Wünschen vorgeben können.“

Hiermit hebt sich das Unternehmen von Wettbewerbern ab: „Wo andere Anbieter maximal zwei Schläuche in zwei Farben anbieten können, zeigt SMC an dieser Stelle, dass wir bestrebt sind den Kunden optimale Möglichkeiten an die Hand zu geben. Selbst komplexe Verschlauchungen lassen sich so individuell und übersichtlich konstruieren und ermöglichen eine schnelle und fehlerfreie Installation“, so Harald Kühne.

Das zweite Beispiel ist ein kondensatableitender Schlauch. „Hier erkannte man das Problem, dass sich speziell vor kleinen Antrieben Kondensat in der Leitung sammeln kann. Dieses Kondensat führt dann recht schnell zum Ausfall des Aktuators. SMC reagierte mit der Entwicklung eines Schlauchs, der in der Lage ist, diese Feuchtigkeit durch die Wandung abzuleiten und so den Antrieb vor frühzeitigem Ausfall zu bewahren. Somit ist dieser Schlauch der Serie IDK eine gute Investition“, erklärt Harald Kühne.

Auch bei Aventics ist man überzeugt: „Unser gesamtes Pneumatiksortiment ist höchst innovativ“, heißt es von Seite des Unternehmens und das schließt natürlich auch die Schläuche ein: „Weil Schläuche eines der wesentlichen Elemente jeder Pneumatikanlage sind, sind sie immer auf dem neusten Stand. Die Pneumatik entwickelt sich stetig weiter und damit wachsen auch die Anforderungen an die Schläuche“, ist die Einschätzung von Wolf Gerecke.

Die Trendtreiber

Die Anfragen des Marktes sind sehr unterschiedlich und genauso breit gefächert wie die Einsatzgebiete der Pneumatikschläuche. „Ob unter Wasser oder im Vakuum, in tropischem Klima oder bei sibirischer Kälte, die Schläuche müssen ihre Form und Qualität beibehalten“, umreißt Gerecke die Einsatzgebiete von der Schläuche. Ein Einsatzfall ist unter Hitze: „Auch wenn es heiß hergeht und der Schlauch in unmittelbarer Nähe eines Schweißvorganges ist, bleibt unser XFlame-Schlauch selbst bei Berührung mit Schweißfunken standhaft“, so Wolf Gerecke. Er fährt fort: „Solche extremen Einsatzbedingungen werden immer häufiger thematisiert.“

Als einen weiteren Trend sieht er Schläuche für die Lebensmittelindustrie und die Medizintechnik. „Es ist klar, dass die Anforderung hier sehr hoch und die Normlage streng sind. Dennoch ermöglichen wir unseren Kunden den Einsatz von Pneumatikschläuchen in diesen Bereichen.“ Das hat einen Grund: „Die Schläuche aus unserem Sortiment sind nicht nur bestens für die Lebensmittelindustrie geeignet, sondern auch beständig gegen Mikrobenbefall. Der Einsatz bei bis zu 200 Grad Celsius Umgebungstemperatur ist für unsere Teflonschläuche kein Problem“, erklärt der Aventics-Fachmann die extremen Bedingungen, denen die Schläuche ausgesetzt sein können.

Zwei Fragen an Wolf Gerecke, Aventics

Wolf Gerecke ist Director Strategic Product Management beim Pneumatikhersteller Aventics. Bild: Aventics

Gibt es Trends in Bezug auf die Schlauch-Materialien?

Polyurethan und Polyamid sind nach wie vor die bewährten Materialien für pneumatische Druckluftschläuche. Um diese zu perfektionieren, wurde über die Jahre viel geforscht und getestet. So gibt es beim gleichen Material durchaus signifikante Unterschiede in der Qualität und Beständigkeit. Wir arbeiten kontinuierlich daran, die Qualität der Materialien zu verbessern, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden.

Auch wenn diese Materialien zu den beliebten Klassikern gehören: Wir führen in unserem Sortiment auch Schläuche aus anderen Materialien. Durch diese Materialien können die Druckluftschläuche unter den außergewöhnlichsten Bedingungen zum Einsatz kommen. So ist unser Schlauch aus Polytetrafluorethylen – also Teflon – bestens geeignet für den Einsatz unter extremen Umgebungstemperaturen: Bis zu 200 Grad Celsius hält er stand.

Verändern sich die Anforderungen an die Drücke – gerade vor dem Hintergrund der Energieeffizienz: Sehen Sie, dass bei den Schläuchen geringere Drücke gefordert werden?

Nein, bei den Schläuchen gibt man den maximalen Betriebsdruck an. Wenn ein Schlauch beispielsweise bis 16 bar geeignet ist, dann eignet er sich auch für den Einsatz bei zehn oder auch fünf bar. Für die Energieeffizienz ist in der Pneumatik die optimale Auslegung der Anlage besonders wichtig. Die Auswahl sämtlicher Produkte – angefangen bei Zylindern, Ventilen bis hin zu Verschraubungen – entscheidet über den Energieverbrauch. Sowohl persönlich wie auch mit präzisen Berechnungs-Tools unterstützen wir unsere Kunden bei der Auswahl passender Produkte. jl