Dichtung und Einbauraum aufeinander abstimmen

Thomas Lucht
Thomas Lucht erklärt die Vorgänge beim Extrudieren. Bild: fluid/do

Wenn der Auftritt der Dichtung naht, gilt es, einigen Stolpersteinen auszuweichen. So hat sich sicher schon manch ein Konstrukteur den Kopf zerbrochen, weil, scheinbar aus dem Nichts, Probleme mit den Dichtungen auftauchen, obwohl das Maschinendesign gleich geblieben ist.

Der Grund kann eine falsche Auslegung der Einbauräume sein. Denn auch Dichtungen haben einen Toleranzbereich, was ihre Größe angeht, auch quellen sie immer ein bisschen und dehnen sich aus. Erhält ein Anwender also zunächst eine Charge mit eher kleineren Dichtungen, klappt möglicherweise alles. Aber wenn er dann die nächste Charge erhält, die eher groß ausgefallen ist, kann es zur Leckage kommen, auch wenn die Dichtungen innerhalb der Toleranz liegen.

Wie groß sollten die Ringe also sein? Bei einer radial außendichtenden Kolbendichtung sollte der Innendurchmesser der Dichtung etwa ein bis sechs Prozent kleiner sein als der Nutgrunddurchmesser, der O-Ring wird also leicht gedehnt eingebaut.

Bei der radial außendichtenden Stangendichtung ist der Außendurchmesser des O-Rings idealerweise ein bis drei Prozent größer als der Außendurchmesser des Einbauraums, die Dichtung wird also leicht gestaucht eingebaut.

Bei einer Flanschdichtung mit Innendruck sollte der Außendurchmesser des O-Rings gleich dem Nut-Außendurchmesser sein, der Ring also am Außendurchmesser des Einbauraums anliegen. Bei Außendruck sollte er gleich dem Nut-Innendurchmesser sein, also am Innendurchmesser anliegen.

Beim Schnurdurchmesser rät Lucht den Anwendern aus verschiedenen Gründen lieber eine Nummer größer zu wählen, sofern es der Bauraum hergibt. Nut und Dichtung sollten bei statischem Einsatz so aufeinander abgestimmt sein, dass die anfängliche Verpressung zwischen 15 und 30 Prozent liegt, im dynamischen Fall zwischen sechs und 20 Prozent.

Die fachlich hochkorrekte Auswahl nützt jedoch nichts, wenn aus Versehen nicht die gewünschte Dichtung, sondern der äußerlich gleiche, aber im Werkstoff verschiedene Zwilling aus dem Lager geholt wird. Am besten sei es deshalb, die Dichtungen je nach Werkstoff farbig zu markieren, rät Lucht.

Nicht einkleben

Entgraten
Hinterher entgratet ein Mitarbeiter die Dichtungen von Hand. Bild: fluid/do

Wenn nun die richtige Dichtung bestimmt ist, geht es an den Einbau. Bei nach unten zeigender Nut könnte man durchaus auf die Idee kommen, die Dichtung einfach mit etwas Klebstoff zu befestigen, um sich die Montage zu erleichtern. Davon rät der Referent ab, weil der Ring verhärtet und sich nicht bewegen kann.

Besser sei es, statt Klebstoff etwas dichtungsverträgliches Montagefett zu nehmen oder die Nut auf einer Seite so anzupassen, sodass die Dichtung nicht herausfällt. Vorsicht ist bei scharfen Kanten geboten: Sie stellen sowohl an Werkzeugen als auch an Gewinden, Bohrungen und ähnlichen Punkten eine Gefahr für die Dichtung dar.