Spritzmaschine Horsch Leeb, Bild: Horsch Leeb

Maschinenbauer Horsch Leeb suchte für eine Spritzmaschine Schlauchverschraubungen, welche einfach zu montieren sind und dabei gute Resistenz gegenüber Urea-haltigem Stickstoffdünger zeigen. Bild: Horsch Leeb

| von Sabine Spinnarke, freie Redakteurin

Vor einem Rübenacker, der sich über mehrere Hügel zieht, steht eine rote Spritzmaschine von Horsch Leeb. Wie die Schwingen eines Vogels entfaltet sich der breite Ausleger des Selbstfahrers. Dann senkt er sich dicht über den Acker und während die Maschine Fahrt aufnimmt, ergießt sich aus mehreren Dutzend Düsen ein feiner Sprühnebel gleichmäßig über die Pflanzen. Sobald eine Windbö über den Acker streift, umhüllt dieser die Bremsanlage zwischen den mannshohen Rädern. Dort sichern rund 50 Steckverbinder die Druckluftschläuche zwischen den verschiedenen Ventilen, Zylindern und Kompressoren. Die Maschine versprüht verschiedene Applikationsmittel, eines davon ein Düngemittel mit Harnstoff – Urea. Und der setzte metallischen Komponenten ordentlich zu. „Wir haben in Korrosionsversuchen Steckverbinder mit Urea besprüht. Sie waren innerhalb weniger Tage schwarz korrodiert,“ sagt Michael Huber. Er ist Konstrukteur bei Horsch Leeb und sitzt mit Fotos seiner Versuchsreihe am Besprechungstisch des Landauer Unternehmensstandorts. Dort werden die Pflanzenschutzspritzen unter dem Markennamen ‚Leeb‘ entwickelt.

„Gegen die Edelstahl-Verschraubungen entschieden wir uns aus Kostengründen.“

Michael Huber, Konstrukteur bei Horsch Leeb

„Wir nahmen die Planung einer neuen Spritzen-Baureihe zum Anlass, jede Komponente auf Verbesserungspotenzial hin zu betrachten“, berichtet der junge Maschinenbauingenieur. Die neue Leeb LT-Baureihe sollte das Portfolio der Spritzmaschinen vervollständigen. Um weitere Kundenkreise bedienen zu können, war eine Maschine mit kleinerem Kunststofftank gefragt. Neben dem teuren Edelstahl-Tank war auch die Bremsverschraubung eine der Komponenten, die ersetzt werden sollte. Sie bestand bisher aus fünf Einzelteilen, war umständlich zu montieren und anfällig für Korrosion. „Schlauchverschraubungen gibt es eigentlich wie Sand am Meer“, sagt Huber. Aber eben nicht Fittings, die den sicherheitstechnischen Anforderungen eines Druckluftbremssystems entsprechen, einfach zu montieren sind und dabei auch noch eine zufriedenstellende Resistenz gegenüber Urea-haltigem Stickstoffdünger aufweisen.

Wartungsfreundliche Steckverschraubungen

Bremsverschraubung, Bild: Horsch Leeb
Die zuvor verwendete Bremsverschraubung bestand aus fünf Teilen und war relativ groß. Bild: Horsch Leeb

Auf der Fachmesse Agritechnica schauten sich Huber und seine Kollegen nach passenden Alternativen zum bisherigen System um. Bei Camozzi Automation wurden sie fündig. „Die Verschraubungen gefielen uns technisch sehr gut“, erinnert sich Huber. Im Gegensatz zu der ursprünglich eingesetzten, etwas größeren Verschraubung ist die Camozzi 9000 kleiner und kann in einem Arbeitsgang verschraubt werden. Das Brems-Fitting ist für Temperaturen zwischen -40 und 100 Grad Celsius und Drücken bis zu 16 Bar ausgelegt. „Unser patentiertes Fitting besteht aus einer Hauptdichtung und einem zweiten Schmutzdichtungselement. Das Besondere ist die Kombination mit dem Lösemechanismus. Rohr und Verschraubung lassen sich voneinander trennen, ohne dass – wie sonst üblich – ein Werkzeug die Schmutzdichtungsebene durchtrennen muss. Im Falle einer Reparatur oder Wartung ist das ein großer Vorteil“, sagt Sven Schnetzler, Head of Global Business Development Transportation Camozzi Automation.

Von der Messe Agritechnica nahm Huber eine Handvoll der Fittings mit. Die Komponenten fanden auch bei den Kollegen Anklang. Die Camozzi-Steckverbinder der Baureihe 9000 würden sich leichter in dem kleineren Bauraum der neuen Maschine unterbringen lassen und sie wären einfacher im Handling, da statt fünf nur noch ein Bauteil kommissioniert, gelagert und montiert werden muss.

Korrosionstests mit Düngemittel

Steckverbinder, Bild: Camozzi
Für den Anwender entwickelte der Pneumatik-Anbieter eine Variante der 9000-Steckverbinder mit einer Nickel-Phosphor-Legierung, die gute Resistenz gegen harnstoffhaltiges Düngemittel aufweist. Bild: Camozzi

Nun sollten die Verschraubungen allerdings noch dem Korrosionstest unterzogen werden. Den bestanden sie nicht und Huber nahm Kontakt mit Camozzi auf, um über mögliche Beschichtungen zu sprechen. „Horsch Leeb mit seinem Standing am Markt ist für uns ein wichtiger Kunde“, so Schnetzler. Er war vor zwei Jahren angetreten, um den Geschäftsbereich Transportation weltweit weiterzuentwickeln. Eine Erweiterung der neuen Produktserie 9000 wäre dafür hilfreich. Schnell war man sich einig. Trotz der von Leeb anfänglich geplanten geringen Stückzahl wollte sich Camozzi an dem Projekt beteiligen, und sei es mit einer kleinen Komponente wie der Brems-Verschraubung. „Unser Fitting ist nur ein kleines Teil an der Maschine, aber im großen Ganzen kommt es manchmal aufs Detail an“, meint Schnetzler dazu.

Säureresistente Beschichtung mit Nickel

Nach mehreren Beschichtungsversuchen im Hause Camozzi zeigte sich, dass eine chemische Behandlung der Komponenten mit Nickel und Phosphor die besten Ergebnisse gegenüber der aggressiven Wirkung des Harnstoffs erzielte. Das angewandte Verfahren, in den 70ern von der Firma Kanigen etabliert, erläutert Manfred Ihm, Techniker bei Camozzi, näher: „Umgangssprachlich wird häufig die veraltete Bezeichnung Kanigen-Beschichtung verwendet. Heute sprechen wir von ‚Messing chemisch vernickelt‘. Wir bringen auf das Bauteil eine Nickel-Phosphor-Legierung mit Schichtdicke von fünf Mikrometer auf.“ Dieses Verfahren gewährleiste eine gleichmäßige Schichtdicke rundum und so eine 100-prozentige Korrosionsbeständigkeit.

Michael Huber mit Spritzmaschine Bild: Sabine Spinnarke
Beim pneumatischen Bremssystem der Spritzmaschine ersetzte Konstrukteur Michael Huber die bisherigen Steckverbinder. Bild: Sabine Spinnarke

In Landau hatte Huber indessen die Komponenten weiterer Hersteller dem Stress-Test mit Urea unterzogen: Bis auf die Edelstahl-Varianten fielen alle durch. Keine der Komponenten war auf die Rahmenbedingungen der Konstruktion und die Einsatzbedingungen so exakt zugeschnitten wie der Steckverbinder 9000 von Camozzi. „Gegen die Edelstahl-Verschraubungen entschieden wir uns aus Kostengründen“, ergänzt Huber. Durch den geringeren Handling-Aufwand beträgt die Ersparnis für den Spritzmaschinenhersteller gegenüber der Vorgänger-Variante insgesamt rund 20 Prozent. „Und wir konnten uns qualitativ deutlich verbessern“, fügt er hinzu.

Der Austausch der Verschraubungen war beschlossene Sache. Einige Monate später konnte die Spritzmaschine der Baureihe LT schließlich in Serie gehen, ausgestattet mit einem relativ kleineren Tank und damit interessant für mittelgroße Unternehmen und Familienbetriebe. Für den Maschinenbauingenieur liegt die technisch größte Leistung allerdings in der ruhigen Laufweise des Auslegers. Dank der intelligenten Steuerung BoomControl bleibt das Gestänge, auch bei Spannweiten von bis zu 45 Metern, im Gleichgewicht. In konstant gleichem Abstand schwebt es knapp über dem Bestand, auch wenn die Maschine Geschwindigkeit aufnimmt oder über unebenen Grund fährt. Steigende Verkaufszahlen bestätigen seine Einschätzung.

Sonderlösung geht in Serie

Laufweise des Auslegers, Bild: Sabine Spinnarke
Die neu entwickelte LT-Serie zeichnet sich durch die ruhige Laufweise des Auslegers aus. Bild: Sabine Spinnarke

Mit der Zusammenarbeit im Laufe des LT-Projekts sind beide Unternehmen zufrieden. Der eine, weil die neue Baureihe qualitativ gewonnen hat bei gleichzeitiger Reduktion der Kosten. Der andere, weil er Know-how im Segment Transportation gewonnen hat und im kommenden Jahr ein neues, besonders säureresistentes Fitting in den Markt einführen kann.

„Wir sind von Camozzi gut betreut worden. Die Kollegen aus Albershausen haben immer wieder dafür gesorgt, dass es vorangeht“, bestätigt Huber. Da sei er anderes gewohnt. „Wir sind sehr schnell in unseren Entwicklungen, da haben die großen Zulieferer manchmal Probleme mitzuhalten.“ Inzwischen verbaut Horsch Leeb in seinen Maschinen auch Pneumatik-Zylinder aus dem Hause Camozzi.

„Horsch Leeb mit seinem Standing am Markt ist für uns ein wichtiger Kunde“

Sven Schnetzler, Head of Global Business Development Transportation Camozzi Automation

Das gute Verständnis füreinander mag auch an der ähnlichen Historie der Unternehmen liegen: Beide wurden in den 60er Jahren als Familienunternehmen im ländlichen Raum gegründet. Während der Ursprung von Leeb Application Systems in einer Dorfschmiede in Niederbayern liegt, gründeten Camozzi Automation drei Brüder in der Umgebung Brescias. Sie starteten mit der Fertigung von Pneumatik-Komponenten für die industrielle Automation. Vor etwa zehn Jahren kamen Life Science und Transportation als Standbeine hinzu. Bei der seit circa drei Jahren vorangetriebenen Fokussierung auf die Kernsektoren, liegt für Schnetzler ein Augenmerk auf der mobilen Automation als Betätigungsfeld. „Die Welternährung auch in Zukunft nachhaltig sicherzustellen, ist eine globale Herausforderung. Wir können mit unseren speziellen Komponenten und Lösungen im Bereich Chassis und Automatisierung in der Agrartechnik unseren kleinen Beitrag dazu leisten.“

Auf einen Blick

Bei der Entwicklung der LT-Spritzmaschinen wollte der Hersteller Horsch Leeb unter anderem die bisher verwendeten, fünfteiligen Bremsverschraubungen ersetzen. Ziel war es, eine kleinere, montagefreundliche Verschraubung zu finden mit hoher Resistenz gegen Düngemittel. Die Verschraubungen 9000 von Camozzi Automation erfüllten die Anforderungen, außer dass sie nicht korrosionsbeständig genug waren. Der Pneumatik-Anbieter entwickelte deshalb eine Variante mit Nickel-Phosphor-Beschichtung für den Anwender. 2021 wird der Pneumatik-Anbieter diese besonders säureresistente Steckverschraubung in das Standard-Programm mit aufnehmen. 

 

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