Auf dem Bild sehen Sie mehrere Baumaschinen, die auf der Baustelle still stehen.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz von VDMA Baumaschinen und Baustoffanlagen und Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) äußerten sich die Vertreter beider Verbände, wohin die Reise für die Baubranche in diesem Jahr geht. - Bild: adobe.stock.com / Val Thoermer

| von Felix Lauther

In einer gemeinsamen Pressekonferenz von VDMA Baumaschinen und Baustoffanlagen und Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) äußerten sich die Vertreter beider Verbände zu den wirtschaftlichen Konsequenzen und Erwartungen angesichts der Covid-19 Pandemie. Die Baumaschinenbranche rechnet mit einem Umsatzrückgang von 10 bis 30 Prozent zum Jahresende. Das ist einschneidend, aber bei weitem nicht so dramatisch wie in den Jahren 2008 und 2009. Die Bauindustrie erwartet bei allen Einschränkungen, die derzeit bei der Aussagekraft einer Prognose gemacht werden müssen, für das Bauhauptgewerbe im Jahr 2020 aktuell eine nominale Stagnation des baugewerblichen Umsatzes.

Bauindustrie profitiert noch von der guten Auslastung

In der Baumaschinenindustrie machen sich die positiven Nachwirkungen der Boomjahre 2018 und 2019 bemerkbar. Das erste Quartal 2020 erzielte in den meisten Unternehmen noch unbeeinflusst von der Krise akzeptable Ergebnisse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Auftragseingang lag bei Baumaschinen mit sechs Prozent im Plus über dem Vorjahresniveau, vor allem durch die starken Monate Januar und Februar. Die Baustoffanlagen drehten im selben Zeitraum mit 22 Prozent ins Minus im Vergleich zum Vorjahr. Letzteres ist eine reine Momentaufnahme, da dieser Bereich durch langfristige Großprojekte bestimmt wird. Ab April erwartet der Verband insgesamt einen signifikanten Rückgang.

VDMA-Präsident äußert sich zur Corona-Krise

Quelle: VDMA / Youtube.com

VDMA-Blitzumfrage zur COVID-19-Pandemie

Negative Tendenzen zeigten sich bereits Ende März in den Ergebnissen der zweiten VDMA-Blitzumfrage zur Corona Krise. 57 Prozent der Unternehmen, die aus dem Baumaschinen- und Baustoffanlagenbereich teilnahmen, gaben an, dass sie signifikante oder starke Rückgänge beim Auftragseingang hinnehmen mussten. In der im April darauffolgenden Runde waren es bereits 72 Prozent. Bemerkenswert ist, dass es kaum Stornierungen von Aufträgen gab, sondern mehrheitlich fehlende neue Bestellungen. Störungen in der Lieferkette blieben weitestgehend stabil, von Ende März bis Mitte April waren diese sogar leicht rückläufig. Das zeigt, dass es den Unternehmen gelingt, Prozesse anzupassen und Alternativen einzusetzen. Die vierte Umfrage vom 7.- 8. Mai zeigt an dieser Stelle weitere positive Tendenzen. Anders sieht es beim Auftragseingang aus. 87 Prozent der Unternehmen gaben an, gravierende oder signifikante Einbußen zu haben – vorwiegend in Europa und den USA, China spielt dabei kaum eine Rolle.

Wie geht es für die Baumaschinen-Branche 2021 weiter Herr Paus?

„Als Branche sind wir sehr heterogen aufgestellt, das erschwert natürlich allgemeine Aussagen. Trotzdem können wir insgesamt feststellen, dass wir die Krise bis heute recht gut meistern konnten. Wir erwarten im Laufe des Jahres für unsere Branche deutliche Rückgänge, die aber nicht so schwer wie 2009 ausfallen werden. Für 2021 sehen wir die Chance für einen zügigen Aufschwung. Dieser wird auch abhängen von hoffentlich kurzen Planungszeiträumen für gegebenenfalls neu aufgelegte oder bereits laufende Infrastrukturprojekte“, bekräftigt Franz Josef Paus, Vorsitzender des VDMA Baumaschinen und Baustoffanlagen.

Gewerbesteuern werden kollabieren

Seitens der Bauindustrie wird es wesentlich sein, die Nachfrage nach Bauleistungen auf Seiten der öffentlichen und der privaten Auftraggeber stabil zu halten und auszuweiten. Die Folgen für die kommunalen Haushalte seien enorm. Die Gewerbesteuern würden zusammenbrechen, mittelfristig auch die Einnahmen aus der Einkommenssteuer sinken. Kommunale Haushalte schalte aus dem Vorwärtsgang bei laufender Fahrt ungebremst in den Rückwärtsgang, das würge den stärksten Motor ab, wie Ralf Lüddemann als Vorsitzender des Geräteausschusses der Bauindustrie betont. Es bräuchte daher nicht weniger als einen Schutzschirm für Kommunen. Nur mit einer mittelbaren staatlichen Unterstützung könne die Baubranche langfristig gesichert werden.

„Die Corona-Pandemie hat das bestätigt, worauf wir seit einiger Zeit hinarbeiten: Prozesse sind, wenn möglich, digital abzubilden. Standards helfen dabei wesentlich“, so Lüddemann weiter. Digitale Kommunikationsmittel und Anwendungen erfahre in der Baubranche gerade eine hohe Nachfrage. Begrenzungen seien gegenwärtig jedoch noch im Status des Netzausbaus der Telekommunikationsinfrastruktur und in teilweise inkompatiblen Systemen zu finden.

„Die aktuelle Krisensituation gibt zusätzliche Impulse, die Automatisierung bspw. im Bereich des modularen und seriellen Bauens ebenso rascher voranzutreiben wie auch die Bestrebungen zur Standardisierung der Maschinendaten, der Schnittstellen und der Maschinenkommunikation. Schon heute können wir feststellen, dass diese Faktoren die Aufrechterhaltung unseres Baugeschäftes auch in solchen schwierigen Zeiten positiv beeinflussen“, ergänzt Lüddemann.

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