Anwendung von Hydraulikzylindern in Hubbühnen, Bild: photo 5000, Fotolia

Ist noch Luft nach oben? Hydraulikzylinder mit integrierter Positionsmessung geben Auskunft. Bild: photo 5000, Fotolia

Ab dem 21. September 2017 dürfen Unternehmen Oberflächenveredlung auf Basis von sechswertigem Chrom nur noch auf Antrag und mit Erlaubnis der Europäischen Kommission durchführen. Denn Chromtrioxid (Chrom(VI)-oxid) wurde aufgrund der toxischer Eigenschaften und des breiten Anwendungsgebiets in den Anhang XIV der REACH-Verordnung für zulassungspflichtige Stoffe aufgenommen. Das Zulassungsverfahren der EU zielt auf die schrittweise Substitution des Stoffes ab. Die Zylinderhersteller verfolgen das Geschehen mit großem Interesse. Denn die meisten Zylinderstangen werden verchromt, entweder über externe Galvanik-Anbieter oder intern beim Hersteller selbst. „Wir sind natürlich informiert und unterstützen die über den VDMA begleiteten Aktionen, um das für die Hydraulikbranche so wichtige Verfahren der Hartverchromung weiter einsetzen zu können“, erklärt beispielsweise Rüdiger Hellstern, Geschäftsführer von Hydropneu. Die Zulieferindustrie habe für die Hartverchromung bereits Zulassungsanträge eingereicht, so der VDMA, denn Alternativen seien für viele Verwendungen nicht verfügbar.

Lisa Haslauer, Neuson Hydrotec, Bild: Neuson Hydrotec
"Aus den Erkenntnissen und Erfahrungen der Leichtbauentwicklungen haben wir uns anschließend mit der Formensprache und dem Design von Hydraulikzylindern beschäftigt und einen Neuson Design Zylinder erarbeitet", berichtet Lisa Haslauer, Neuson Hydrotec. Bild: Neuson Hydrotec

Dies bestätigt Klaus Wagner, Entwicklungsleiter bei Hänchen: „Die Firma Hänchen hat sich intensiv mit dem VDMA bei dem Thema Chromverbot engagiert und entsprechende technische Unterlagen ausgearbeitet, mit dem Ziel, die Ausnahmeregelung zu verlängern. Darüber hinaus haben wir zahlreiche technische Untersuchungen mit alternativen Oberflächen für Kolbenstangen durchgeführt. Aktuell kann die Qualität von Chrom technisch oder wirtschaftlich nicht adäquat ersetzt werden.“

Ähnlich äußert sich Lisa Haslauer, die Vertriebsgruppenleiterin Light Line Hydraulik bei Neuson Hydrotec: „Neuson Hydrotec verchromt extern. Unsere Kolbenstangenlieferanten fertigen im großen Stil industriell unter Einhaltung von hohen Umweltstandards. Sie versuchen die EU-Vorgaben vernünftig umzusetzen, eine gleichwertige Alternative zu Chrom(VI) ist bislang jedoch noch nicht gefunden.“

Der Zulassungsprozess auf europäischer Ebene befindet sich aktuell in einer entscheidenden Phase. Beide Gremien der Europäischen Chemikalienagentur ECHA haben Entwürfe ihrer Empfehlungen bezüglich der Anträge verabschiedet und an die antragstellende Stelle übermittelt. In einer Pressemitteilung erklärten die Gremien, sie würden den sechs Anträgen auf Zulassung zustimmen. Außerdem liegt ihnen noch ein Antrag von Vecco und Hapoc vor, der sich aktuell in Bearbeitung befindet.

André Schwerzmann, ATP Hydraulik, Bild: ATP Hydraulik
"In der Vergangenheit haben wir schon vermehrt positive Erfahrungen mit alternativen Kolbenstangen-Oberflächen gemacht", berichtet André Schwerzmann von ATP Hydraulik. Bild: ATP Hydraulik

Doch auch wenn die Zulassungen erteilt werden, könnten die daran geknüpften Zulassungsbedingungen die vorwiegend klein und mittelständisch geprägte Branche der Oberflächenveredler und damit den Maschinenbau empfindlich treffen, befürchtet der VDMA. Der Verband hält einen Übergangszeitraum von 12 Jahren für die Hartverchromung für notwendig. Allerdings sollen die Zulassungen nach den bisher verabschiedeten Empfehlungen der Echa-Gremien deutlich kürzer gültig sein. Diese schlagen Überprüfungszeiträume von sieben Jahren für die Luftfahrtindustrie vor und für Oberflächenhandlung in anderen Industrien vier Jahre. Die Empfehlungen werden nach der Sommerpause der EU-Kommission vorgelegt. Diese gibt voraussichtlich im Januar 2017 ihre finale Entscheidung bekannt.

Für die Industrie ist das Thema vor allem ein Kosten-Problem. André Schwerzmann, Marketing- und Verkaufsleiter und stellvertretender Geschäftsleiter bei ATP Hydraulik erklärt: „In der Vergangenheit haben wir schon vermehrt positive Erfahrungen mit alternativen Kolbenstangen-Oberflächen gemacht.“ Für Low-Cost Zylinder seien diese aber nicht oder noch nicht anwendbar, da die Behandlung aufwendiger und zeitintensiver ist.