| von Wolfgang Kräußlich
Siegfried Geisler, Division Marketing Manager der Tube Fitting Division bei Parker. Bild: fluid/wk

Herr Geisler, Herr Simon und Herr Seiler, wie kommt es, dass ein Unternehmensteil, der sonst nur rein mechanische fluidische Verbindungstechnik herstellt, eine Sensorik-und-Messtechnik-Einheit hat?

Siegfried Geisler: Das ist tatsächlich keine Akquisition, das ist historisch so gewachsen. In den 1980er-Jahren gab es einen Mitarbeiter, der gesagt hat, ich löte mal selber so eine Platine, das kann ja kein Hexenwerk sein. Das war es am Anfang auch nicht. Dann haben wir zwei Entwickler eingestellt und es sind die ersten Diagnose-Handmessgeräte und auch Sensorik entstanden. Aber dass sich das zu einer Business Unit mit Umsatz im Multi-Millionenbereich entwickelt, das hat sich damals wahrscheinlich auch keiner gedacht. SensoControl ist einer der Bereiche, die fast jedes Jahr ein zweistelliges Wachstum erreicht haben. Was wir mit den ganzen Zyklen im Markt natürlich nicht mit jeder Produktlinie schaffen konnten.

Wer ist die Zielgruppe für das SensoControl-Portfolio?

Jürgen Seiler: Schwerpunktmäßig finden sich unsere Kunden in der Industrie, bei stationären Hydraulikanwendungen ebenso wie bei mobilen Maschinen. Wenn es um unsere Sensorik geht, ist der Ansprechpartner der Konstrukteur, der das Powerpack oder die hydraulische Anlage designed und das Lastenheft schreibt. Bei der Diagnose-Messtechnik sieht es ein bisschen anders aus. Da ist schwerpunktmäßig der Servicetechniker unser Kunde, der Messtechniker, der mit dem Gerät auch direkt an der Maschine selber messen muss.

Jörg Simon: Aber, das ist das Spezielle an unseren Hightech-Geräten, die werden auch in der Entwicklung eingesetzt, im Qualitätswesen. Entweder entwicklungsbegleitend zur Maschinenoptimierung oder während der Inbetriebnahme.

Nun haben Sie ja von dieser Hightech-Gerätereihe ein neues Modell vorgestellt. Wo liegt der Haupt-Unterschied zum Vorgängermodell?

Jörg Simon: Die bisherigen Geräte sind im Grunde in sich abgeschlossen und man kann wenig verändern. Das ist auch sehr sicher, muss man sagen, man man kann im Endeffekt nichts verstellen. Bei den neuen Service Master Connect muss man schon ein bisschen Wissen mitbringen, ähnlich wie bei einem PC. Unterm Strich entwickeln sich die Geräte in Richtung PC, werden also in gewissem Maße Datenalleskönner.

Zum Beispiel kann man bein Service Master Connect nicht nur die reinen Messdateien speichern, sondern auch Projekttemplates, Bilder sowie Wartungspläne und Hydraulik-Schaltskizzen der jeweiligen Applikation. Man kann den Report des Kollegen, der das letzte Mal an der Maschine war, mit beifügen und so weiter. Wenn etwas fehlt, kann man in die Firmencloud gehen und die Sachen downloaden.

Siegfried Geisler: Viele Maschinen, zum Beispiel Baumaschinen, werden ja in andere Länder verkauft. Vor Ort ist dann der Servicetechniker meist nicht auf die neuen Maschinen geschult. Der kennt ein Aggregat, der kennt auch Hydrauliksysteme. Unser neues Gerät erkennt zunächst schon einmal automatisch die Sensorik, und wenn dann die Schaltpläne und Fotos von Anlagenteilen hinterlegt sind, sieht der Techniker sehr schnell, wo die Leitungen entlang gehen und wo er messen muss. Auf Wunsch kann sich auch ein Servicemitarbeiter des Maschinenherstellers oder von Parker remote auf das Gerät aufschalten lassen und bei der Analyse helfen, ohne selbst vor Ort sein zu müssen. Das ist eine riesen Zeitersparnis.

Jörg Simon, Projektmanager für den Bereich Diagnose bei Parker. Bild: fluid/wk

Ist diese Zeitersparnis denn so wichtig?

Jörg Simon: Zeit ist ein ganz wesentlicher Faktor. Unsere Kundschaft weiß ganz genau, wenn ein Servicefall eintritt, dann muss der Servicetechniker innerhalb kürzester Zeit sagen, wo der Fehler liegt. Kann er es vor Ort reparieren? Muss eine Ersatzmaschine besorgt werden? Wenn in der Erntezeit ein Mähdrescher streikt, da geht es im Schadensfall um Verluste von 100.000 Euro oder mehr. Auch wenn im Nah- oder Fernverkehr ein Zug ausfällt, ist der Schaden enorm, die schnelle Diagnose essenziell. Aber auch bei Routineprüfungen sollte die Messung möglichst effizient ablaufen. Dazu haben wir die Funktionalität einer wiederkehrenden Messdatei. Die kann für einen Maschinentyp angelegt und auch beliebig auf weitere Messgeräte dupliziert werden – jeder Servicetechniker geht so mit denselben Einstellungen raus. Vor der jeweiligen Maschine öffnet er diese Messdatei, schließt die Sensoren an und bekommt den Ist-Zustand gezeigt. Den kann er sofort vergleichen mit dem, was an dieser Maschine in der letzten Woche oder vor einem halben Jahr gemessen wurde.

Welche weiteren Merkmale sind Ihnen an dem neuen Gerät wichtig?

Jörg Simon: Ganz klar, dass es sehr robust ist. In der Hydraulik ist man ja nicht im Reinraum. Techniker haben Öl an den Händen, weil sie an den Leitungen schrauben mussten, am Einsatzort staubt es oder es regnet. Unser Gerät hat die Schutzart IP65 und besteht den Norm-Falltest aus einem Meter Höhe. Die Robustheit zeigt sich oft auch an ganz banalen Sachen, etwa beim Thema Sand: Sand haben wir auch in Deutschland, aber der Wüstensand ist extrem fein, und der Wind treibt ihn dort in jede Ritze. Wir haben schon andere Geräte im Feld gesehen, da war Sand unter dem Glas im Display und man konnte nur noch die Hälfte sehen. Unser Gerät ist gekapselt. Insofern stehen wir für Produktqualität. Innovation und Qualität. Das ist für uns der wichtigste Anspruch, damit die Kunden auch Spaß an der Arbeit und lange Zeit Freude an dem Produkt haben.

Jürgen Seiler, bei Parker Product Unit Manager für den Bereich SensoControl. Bild: fluid/wk

Mit seinen Fähigkeiten zur Konnektivität, je nach Modell auch WLAN und LTE, bietet sich der Service Master Connect ja als Industrie-4.0-Device an. Bei Parker haben Sie ein Konzept namens „Voice of the Machine“. Was hat es damit auf sich? Bieten Sie dem Kunden hier einen Cloud-Service an?

Jürgen Seiler: Auch. Früher haben wir nur Hardware verkauft. In Zukunft möchten wir Hardware, Software und auch Services anbieten und lizensieren. Daher haben wir im Parker-Konzern auf Basis der Exosite-Software eine eigene Plattform verfügbar. Aber wenn der Kunde seine eigene Plattform hat oder eine bestehende andere nutzt, dann integrieren wir uns natürlich in diese. Industrie 4.0, oder wie es bei uns in einem amerikanischen Konzern genannt wird: Internet of Things, IoT, hat sich in den letzten Jahren zum Modewort entwickelt. Wir haben allerdings festgestellt, dass vor allem im Mittelstand das Thema IoT erst in den letzten zwei Jahren so richtig aufgenommen wurde. Die Firmen sind gerade jetzt am Entwickeln ihrer digitalen Geschäftsmodelle. Und genau hier möchten wir mit dem Parker-übergreifenden Konzept Voice of the Machine unseren Kunden mit smarten Komponenten und smarten Systemen in ihrer Transformation helfen.

Sehen Sie die Digitalisierung auch in der Hydraulik als so wichtig an?

Jörg Simon: Nun, große Maschinenhersteller gehen ja schon dazu über und sagen, Sie können bei mir eine traditionelle Maschine kaufen oder eine IoT-Ready-Maschine oder gleich eine smarte Maschine. Man kann jetzt vorbereitete Maschinen für seinen klassischen Maschinenpark kaufen, um dann in ein paar Jahren, wenn man sich voll vernetzen will, sofort bereit zu sein.

Und das wird passieren! Ich glaube, wir alle, die wir hier am Tisch sitzen, können uns heute noch nicht vorstellen, was sich in den nächsten fünf Jahren zum Thema IoT bewegen wird. Wenn ich mir heute unsere dualen Studenten ansehe, die wir im Haus ausbilden, egal was die heute machen und an den Universitäten lernen, Digitalisierung ist das Thema. Diese Gier der jungen Leute, mit derartigen Sachen zu arbeiten, wird auch den Markt und das Knowhow der Menschen vorantreiben. Es ist ja auch ein schnelllebiges Geschäft. In drei Jahren, glaube ich, wird der Mittelstand verstanden habe, was er bezüglich der Digitalisierung braucht. Die Auswirkungen werden wir schon in drei bis fünf Jahren sehen, da bin ich mir sicher. wk

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