Anlauf KSS-Aerosole, Bild: Adobe Stock/k_e_n

Werden KSS-Aerosole eingeatmet, können Mikroorganismen aus dem Kühlschmierstoff in die Lunge gelangen. Bild: Adobe Stock/k_e_n

| von Carmen Steiner, Filtration Group

Wassermischbare Kühlschmierstoffe sind besonders anfällig für den Befall durch Mikroorganismen. Um die befallenen Kühlschmierstoffbäder zu behandeln, werden Biozide zugegeben, die auch humantoxisch wirken können. Die Zugabe erfolgt im Regelfall diskontinuierlich und als Reaktion auf die regelmäßigen Prüfungen gemäß DGUV-Regel 109-003.

Diese in wassergemischten Kühlschmierstoffen gefundenen Mikroorganismen gelangen auf ganz unterschiedliche Weise in die Maschine, zum Beispiel

  • durch das Anmischwasser,
  • aus der Umgebungsluft,
  • durch Aufwirbelungen von Bodenschmutz,
  • durch das zu bearbeitende Material selbst,
  • aus abgeschiedenen Kühlschmierstoffresten (zum Beispiel Auffangwannen) und nicht zuletzt auch
  • durch vom Menschen verursachte Verunreinigungen.

Warum sind Mikroorganismen im Kühlschmierstoff ein Problem?

Da die Fähigkeit, eine Infektion zu verursachen, bei Mikroorganismen sehr unterschiedlich ausgeprägt ist und bei der mechanischen Bearbeitung ein erhöhtes Risiko der Aufnahme von Mikroorganismen über KSS-Aerosole über die Atemwege besteht (BioStoffV §6), ist eine Minimierung der biologischen Aktivität in den Medien anzustreben. Übermäßiger Befall von Mikroorganismen kann außerdem ungeplante Badwechsel notwendig machen; die Reinigung und die Produktionsausfallzeiten führen dann zu erheblichen Kosten.

Besiedelung mit Mikroorganismen verhindern

Die Filtration Group hat seit 2018 Labor- und Feldversuche durchgeführt zur Vermeidung hoher Keimzahlen und damit einhergehend einer Verlängerung der Standzeit. Das Unternehmen konzentrierte sich dabei auf die kontinuierliche Nachkonservierung während der Anwendung; dies wird Präventivkonservierung genannt. Basierend auf diesen Versuchen entwickelte das Unternehmen den FG Flowguard für die Konservierung von Kühlschmierstoffen. Dabei handelt es sich um ein kompaktes, anschlussfertiges Nebenstrommodul, bestehend aus Umwälzpumpe, Pflegekartusche und einer integrierten Steuerung. Es kann an bestehenden Kühlschmierstofftanks installiert werden.

Mitarbeiter vor Biozid-Kontakt schützen

Kühlschmierstoff-Gerät, Bild: Filtration Group
Anstatt den Kühlschmierstoff einmalig mit einem flüssigen Biozid zu versetzen, gibt das Gerät kontinuierlich Wirkstoff ab. Bild: Filtration Group

Das Gerät verwendet wie Filter handhabbare Feststoffgranulat-Kartuschen, welche bei einer bestimmungsgemäßen Verwendung Mitarbeiter vor dem Kontakt mit flüssigen Bioziden und dadurch vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen schützen. Die Zugabe der Wirkstoffe erfolgt in festen Intervallen mehrmals täglich. Durch die gezielte Freisetzung genau definierter Biozidmengen aus Feststoffgranulat-Kartuschen werden Kühlschmierstoffbäder dauerhaft konserviert. Die Zugabe von Flüssigchemikalien entfällt vollständig, was Zeit spart und die Arbeitssicherheit verbessert.

Grenzwerte für Biozid-Gabe einhalten

Durch die definierte Freisetzung der Wirkstoffe aus dem Granulat gibt es keine Konzentrationspeaks nahe der geltenden Grenzwerte. Die Kombination aus schnellwirksamen Bioziden und Fungiziden, welche einmalig beim Kartuschenwechsel freigesetzt werden, und kontinuierlich eingetragenen Langzeitwirkstoffen wirkt der Bildung resistenter Keime entgegen.

Die angestrebte Biozid-Konzentration liegt oberhalb der Wirksamkeitsgrenze, aber deutlich unterhalb der geltenden Grenzwerte, sodass mikrobielle Aktivität im Bad langfristig gehemmt wird. Abhängig vom tatsächlichen Wirkstoffgehalt im Bad sowie weiteren Einflussfaktoren kann die Eintragsmenge bei Bedarf manuell angepasst werden.

Im Vergleich zur konventionellen Stoßkonservierung wird auf diesem Weg weniger Biozid eingesetzt. Unvorhergesehene Ausfallzeiten werden verhindert. Gleichzeitig wird eine Überdosierung der Biozide vermieden. Das Gerät ermöglicht somit einen störungsfreien Betrieb von Werkzeugmaschinen und verlängert die Standzeit der eingesetzten Medien.

Nach der optimierten Dosierung biozider Substanzen wälzt das Modul die Emulsion auch in Stillstandzeiten der Anlagen an Wochenenden und in Betriebspausen um und verhindert dadurch die Bildung anaerober Zonen. Es hat sich in den bisherigen Untersuchungen und Feldtests gezeigt, dass das Gerät sogar Medien, die bereits durch Mikroorganismen stark befallen sind, stabilisieren und langfristig vor einem Neubefall schützen kann.

Wann kommt die neue Version?

Über die Sommermonate führt der Hersteller weitere Feldversuche durch, um zusätzliche Erfahrungen zu sammeln und letztlich im Dialog mit den Betreibern eine weiterentwickelte Lösung bereitzustellen. Smarte Funktionen, zum Beispiel Fernwartung und automatische Bedarfsgenerierung an Ersatzkartuschen, sind integrierbar und können im Rahmen der Pilotphase nach Abstimmung freigeschaltet werden.

Das Nachrüstmodul eignet sich für Anwender von wassermischbaren Kühlschmierstoffen, kann aber auch Kühlschmierstoffdienstleister bei der Pflege der Medien unterstützen.

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