Oliver Klever, Bild: Indunorm
Oliver Klever leitet bei Indunorm die Abteilung Prüfung & Entwicklung. Bild: Indunorm

Herr Klever, ist die Verbindungstechnik die Achillesferse der Fluidtechnik?

Ja, weil die Verbindungstechnik oft als unwichtiger Bereich betrachtet wird und bei der konstruktiven Auslegung von hydraulischen Systemen keine Rücksicht darauf genommen wird, die Verbindungstechnik bestimmungsgemäß zu verwenden. Die Verbindungstechnik, vor allem Schlauchleitungen, müssen dann die konstruktiven Mängel ausgleichen. Dadurch wird die Lebenszeit verkürzt und es kommt zu Ausfällen.

Was sind die häufigsten Fehler bei der Montage und Verbindung von Schläuchen?

Es gibt hier drei Fehlerarten, die immer wieder auftreten:

  1. Verwendung von nicht aufeinander abgestimmten Komponenten oder falsches Einbinden von Schlauchleitungen. Wir von Indunorm Hydraulik bieten unseren Kunden mit unserem Joint-Fit-Sicherheitssystem die Möglichkeit, ein abgestimmtes System zu verwenden. Der Einbinder kann damit seine Arbeit kontrollieren und eine sichere Schlauchleitung herstellen.
  2. Fehlerhafte Montage der Schlauchleitungen oder Anwendungs- bzw. Einbaubedingungen, die zu einem nicht bestimmungsgemäßen Einsatz führen. Am häufigsten sind unterschrittene Biegeradien, Torsion oder Zugbelastungen für Fehler an Schlauchleitungen verantwortlich.
  3. Falsche Auswahl der Komponenten, speziell der zur Anwendung passenden Schlauchqualität.

Über 90 Prozent der Reklamationen sind auf diese Fehler zurückzuführen. Daher gehen wir in Schulungen auch speziell auf diese Themen ein.

Wie sollte der Konstrukteur seine Maschinen konstruieren, damit Fehler bei der Verbindungstechnik minimiert werden?

Der Konstrukteur muss die Verbindungstechnik in seine Überlegungen und Planungen von Anfang an berücksichtigen. Die Teile müssen montierbar sein und bestimmungsgemäß verwendet werden.

In der eigenen Praxis erlebe ich immer wieder, dass sich erst ganz am Ende Gedanken zu den Komponenten und der Verlegung gemacht werden. In einigen Fällen wird die Verbindungstechnik gar nicht konstruktiv berücksichtigt, sondern in der Produktion am Ende montiert. Der Konstrukteur sollte eng mit der Produktion zusammenarbeiten und bestenfalls selber Hand anlegen. Diese praktische Erfahrung ist enorm wichtig, gibt dem Konstrukteur Feedback und vermeidet Wiederholfehler.

Welche Schulungen wären für Konstrukteure und Anwender sinnvoll? Wie oft sollten Weiterbildungen in der Verbindungstechnik gemacht werden?

Pauschal ist das schwer zu beantworten. Konstrukteure sollten zumindest in den Grundlagen der Verbindungstechnik geschult sein, um den bestimmungsgemäßen Gebrauch von Komponenten sicherzustellen und konstruktiv umzusetzen. Hier hilft oft schon die Lektüre von Katalogunterlagen oder der technischen Dokumentation. Gegebenenfalls sind auch Schulungen für die korrekte Auswahl von Komponenten sinnvoll.

Der Anwender muss in der Handhabung der Komponenten geschult werden. Dazu zählt zum Beispiel die korrekte Herstellung und Montage von Schlauchleitungen, Schneidringmontage, Rohrverlegung, usw. Das ist natürlich abhängig davon, welche Komponenten jeweils in Gebrauch sind. Wir unterstützen hier unsere Kunden mit unseren Standard- oder individuell zugeschnittenen Schulungen.

Die 7 größten Fehler bei der Auswahl von Hydraulikschläuchen