Stefan Heidorn, Bild: fluid
Stefan Heidorn ist Projektmanager bei Cejn. Bild: fluid

Herr Heidorn, ist die Verbindungstechnik die Achillesferse der Fluidtechnik?

Aus der Sicht des Anwenders gehören Leckage von Kupplungen und Nippeln, wenn sie auftreten, sicherlich zu den größten Ärgernissen, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen. Themen wie zum Beispiel Kosten, Ausfallzeiten, Umwelt und Sicherheit spielen dabei eine wesentliche Rolle.

Auch für die Maschinen-Konstrukteure ist eine Schnellverschlusskupplung eine „mittlere Katastrophe“, da sie Druckverlust produziert und eine zusätzliche potenzielle Leckagestelle darstellt. Kupplungssysteme werden also nur dann eingesetzt, wenn dadurch wesentliche Vorteile an anderer Stelle entstehen, zum Beispiel ein schneller und unkomplizierter Wechsel von Werkzeugen möglich ist.

So betrachtet, ist die Verbindungstechnik eine sensible Thematik und der Ausdruck „Achillesferse“ sehr zutreffend.
Wenn aber die Thematik so sensibel ist, sollten wir mehr darüber und miteinander sprechen, um die empfindliche Achillesferse zu schützen.

Was sind die häufigsten Fehler bei der Montage und Verbindung von Schläuchen?

Mit Hinsicht auf die Produkte, die Cejn herstellt, möchte ich diese Frage etwas umformulieren, ohne dass sie ihre wesentliche Bedeutung verliert: Was sind die häufigsten Fehler beim Einsatz von Schnellverschlusskupplungen?
Schnellverschlusskupplungen werden häufig als C-Teile angesehen. Man bestellt sie einfach aus dem Katalog, etwa eine Schraube. Die Funktion der Schnellverschlusskupplungen ist doch klar. Aber ist die Aufgabe und damit die Funktion der Kupplung seitens des Anwenders oder des Konstrukteurs wirklich so klar formuliert? Und lässt sich eine geeignete Kupplung an Hand der im Katalog beschriebenen Spezifikationen auswählen?

Für einfache Anwendungen in der Pneumatik und Hydraulik trifft dies sicherlich zu. Eine Schnellverschlusskupplung sieht von außen eher einfach und unscheinbar aus, aber als Hersteller wissen wir, es kommt auf den inneren Aufbau an. Je spezieller die Anwendung ist, desto komplexer wird der Aufbau der Kupplung.

In vielen Fällen wird aber die Bedeutung einer Schnellverschlusskupplung für die Applikation unterschätzt.
So kommt es auch sehr häufig vor, dass eine entsprechende Verbindung hinsichtlich des Preises ausgewählt wird.
Kaum ein Anwender oder Konstrukteur nimmt sich für die Auslegung der Schnittstelle ausrechend viel Zeit und führt ein Gespräch mit dem Hersteller.

Oft wird auch der Fehler gemacht, ein Kupplungssystem als „ewig haltendes“ Bauteil anzusehen. Tatsache ist jedoch, dass auch Kupplungen je nach Applikation weniger oder mehr Verschleiß unterliegen und auch gewartet oder ausgetauscht werden dürfen. So werden in Kupplungen zum Beispiel Elastomer-Dichtungen verwendet – und keine Dichtung hält ewig, aber länger mit Wartung.

Wie sollte der Konstrukteur seine Maschinen konstruieren, damit Fehler bei der Verbindungstechnik minimiert werden?

Bei Cejn gehen wir davon aus, dass der Konstrukteur keine Rücksicht auf die Verbindungsstellen nehmen sollte; für Ihn hat die Funktionalität der Maschine im Vordergrund zu stehen. Vielmehr ist es unsere Aufgabe in enger Absprachen mit dem Konstrukteur ein geeignete Lösung für das Verbindungsproblem zu finden. Aber auch hier ist die Kommunikation zwischen Maschinenkonstrukteur und Kupplungshersteller unerlässlich; wenn möglich schon während der Konstruktionsphase.

Welche Schulungen wären für Konstrukteure und Anwender sinnvoll? Wie oft sollten Weiterbildungen in der Verbindungstechnik gemacht werden?

Schulungen, die die sichere Handhabung, die Funktion und den Aufbau von Kupplungen behandeln, sind für die Anwender in regelmäßigen Abständen sinnvoll. Auch gerade unter dem Gesichtspunkt, dass technische Neuerungen in immer kürzeren Zeitabständen eingeführt werden. Hierbei denken wir im Besonderen an den Einsatz von Kupplungen in der Hochdruckhydraulik, also bei Drücken von 700 bar bis mittlerweile 4.000 bar.

Schulungen steigern das Verständnis für die Produkte und helfen so fehlerhafte Handhabungen zu vermeiden. In Bezug auf den Maschinen-Konstrukteur wünschen wir uns als Hersteller, dass Gespräche über die Verbindungstechnik schon im Vorfeld beziehungsweise parallel zur Entwicklung stattfinden würden. An dieser Stelle hilft oft schon das Gespräch unter „Fachleuten“ eine geeignete Verbindung zu definieren.