Herstellung Stahlplattenventil, Bild: Hoerbiger

Im 1925 gegründetem Unternehmen Hoerbiger & Co. wurden neben der Produktion von Stahlplattenventilen zwischen 1925 und 1945 auch neue Kompressorventile entwickelt. Bild: Hoerbiger

Es ist in heutigen Pumpen, Kompressoren und ähnlichen Maschinen zu finden: das „Hörbiger-Ventil“. Mit seiner Erfindung 1895 legte der Ingenieur Hanns Hörbiger den Grundstein für das noch heute existierende Unternehmen und entwickelte zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine der Schlüsseltechnologien für die industrielle Entwicklung.

Alles begann mit dem Besuch der maschinentechnischen Abteilung der Bau- und Maschinen-Gewerbeschule in Wien. Hier ließ sich Hörbiger zum Ingenieur ausbilden. Während seiner Arbeit im Konstruktionsbüro bei der Maschinenfabrik L. Lang erkannte er die grundsätzlichen Mängel der damals im Maschinenbau üblichen Ventile. Seine Vision: Die bewegte Massen der Ventile sollte so klein als möglich sein, damit das Ventil schon bei kleinen Überdrücken rasch anspräche; die Ventilplatte sollte reibungslos geführt werden, damit kein Verschleiß durch Abnützung entstehe; das Ventil sollte beim Öffnen möglichst große Durchströmungsquerschnitte freigeben und es sollte als Ventilplattenwerkstoff nur Material höchster Güte verwendet werden, um eine lange Lebensdauer zu gewährleisten

Das Stahlplattenventil

Stahlplattenventil, Bild: Hoerbiger
1895 entwickelte der Ingenieur Hanns Hörbiger das Stahlplattenventil und verbesserte damit die Leistung der Kompressoren in der Stahlerzeugung. Es wird noch heute in Pumpen, Kompressoren und ähnlichen Maschinen eingesetzt. Bild: Hoerbiger

Daraufhin entwickelte Hörbiger 1895 das Stahlplattenventil und ließ es patentieren. Dieses verbesserte die Leistung bei den damals zur Stahlerzeugung eingesetzten Kompressoren enorm. Das vom Erfinder als reibungslos geführtes Ringklappenventil bezeichnete Ventil war in seiner ursprünglichen Ausführungsform eine aus dünnem Stahlblech hergestellte Ringklappe, die mittels dreier oder mehrerer biegsamer Lenker an der festen Ventilauflagerebene befestigt wurde.

Die Ventilplatte öffnet, wenn der Gasdruck hoch genug ist, wobei sie durch ihre eigenartige, äußerst elastische Aufschwingung eine geringe Drehung um ihre ideelle Ventilachse ausführt. Sie schließt, solange der Federdruck höher als der Gasdruck ist. Durch diese speziellen Eigenschaften machte das Stahlplattenventil die Stahlerzeugung sehr viel zuverlässiger und effizienter als zuvor. Neben Einsätzen in der Hochofen-Technologie ebnete es auch den Weg für die moderne Hochdruck-Chemie.

Im Jahr 1900 gründete Hanns Hörbiger gemeinsam mit dem Ingenieur Friedrich Wilhelm Rogler ein Konstruktionsbüro in Budapest. Dieses Büro wurde 1903 nach Wien verlegt. In den folgenden Jahren widmete sich Hörbiger der kontinuierlichen Weiterentwicklung des von ihm erfundenen Stahlplattenventils. Sein Büro vergab Lizenzen zur Nutzung der Technologie an Geschäftspartner im In- und Ausland. 1925 gründete er mit seinen beiden Söhnen Alfred und Hans Robert die Handelsgesellschaft Hoerbiger & Co. Das Unternehmen produzierte nun in Wien-Simmering die Stahlplattenventile. Zwischen 1925 und 1945 wurden dem Unternehmen für Erfindungen und Weiterentwicklungen auf dem Gebiet der Kompressorventile und -regelungen 171 Patente erteilt. So entwickelte Alfred Hörbiger in diesem Zeitraum das Hochhub-Ventil.

Werk Hoerbiger & Co., Bild: Hoerbiger
1925 gründete Hanns Hörbiger sein Unternehmen Hoerbiger & Co. Hier das Büro vor 1945 in Wien-Simmering. Bild: Hoerbiger

Welteislehre

Während sich Alfred und Hans Robert zunehmend um das Geschäft kümmerten, widmete sich Hanns – neben technischen Neuentwicklungen – verstärkt seiner 1894 entwickelten Welteislehre. Sie gilt heute als überholt, erregte damals aber großes Aufsehen und teilte Wissenschaftler in zwei rivalisierende Gruppen. Seine Welteislehre führt die Entstehung des Universums auf das Vorkommen von kosmischem Eis zurück und besagt, dass Eismonde und -planeten sowie der eisige „Weltäther“ die gesamte Entwicklung des Weltalls bestimmen. Sie zeichnet ein einfaches und anschauliches Weltbild in Form einer Erzählung. Astronomische und geologische Vorgänge werden mit spektakulären Geschichten gepaart, die fantastischen Abenteuerromanen gleichen.

Hanns Hörbiger starb 1931 in Mauer bei Wien. Nach seinem Tod ebbte die Begeisterung für die Welteislehre ab, lebte jedoch im Nationalsozialismus wieder auf. Neben Heinrich Himmler, der Forschungen auf diesem Gebiet förderte und unter seinen persönlichen Schutz stellte, hegte auch Hitler Interesse für die Welteislehre. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges galt die Welteislehre nicht nur als falsche Theorie, sondern überdies als nationalsozialistische Pseudowissenschaft und verschwand weitgehend aus der Öffentlichkeit.

Wiederaufbau

1945 verstarb Alfred Hörbiger plötzlich, der nach dem Tod seines Vaters das Geschäft geführt hatte. Im gleichen Jahr wurden die Wiener Produktionshallen im Zweiten Weltkrieg vollkommen zerstört. Alfreds Frau Martina Hörbiger ließ das Werk wiederaufbauen. Das bisher vor allem Kompressorventile und -regelungen umfassende Produktsortiment des Unternehmens wurde, ausgehend von den Kernkompetenzen im Bereich der Fluidtechnologie und der Stanztechnik, um neue Geschäftssegmente ergänzt. Hoerbiger engagierte sich nun ebenfalls im Bereich der Pneumatik. Dieser Geschäftsbereich wurde in den weiteren Jahren um das Segment Hydraulik ergänzt.

Der Erfinder

Hanns Hörbiger (* 29.11.1860 – † 11.10.1931). Bild: Wikimedia.org

Hanns Hörbiger wurde am 29. November 1860 in Atzgersdorf bei Wien geboren. 1878 legte er die Gesellenprüfung als Schmied ab und besuchte die maschinentechnische Abteilung der Bau- und Maschinen-Gewerbeschule in Wien. 1881 trat er beim Dampfsteuerungskonstrukteur A.Collmann als technischer Zeichner ein und arbeitete später als Konstrukteur in verschiedenen Maschinenfabriken. 1895 beantragte er das Patent für seine Erfindung des massearmen, reibungsfrei geführten Stahlplattenventils für Gebläse, Pumpen und Kompressoren. 1900 schloss er sich mit dem Ingenieur F. W. Rogler zu einer selbständigen Arbeitsgemeinschaft „Hörbinger & Rogler, Konstrukteure“ zusammen. 1902 entwickelte er die Konstruktionsentwürfe für die Kompressoren und Vakuumpumpen der Wiener Rohrpost.

Eine 1925 mit seinen Söhnen Alfred und Hans Robert gegründete Firma nahm 1931 die Produktion auf, für die neben Hanns‘ Patenten ein von Alfred erworbenes Patent für ein Hochhub-Ventil die Grundlage bildete. Mit der Zeit traten allerdings alle technischen Arbeiten gänzlich in den Hintergrund, da er sich immer intensiver dem Ausbau seiner 1894 konzipierten Welteislehre widmete, die er auch Kosmotechnik nannte. Diese führt die Entstehung des Universums auf das Vorkommen von kosmischem Eis zurück und besagt, dass Eismonde und -planeten sowie der eisige „Weltäther“ die gesamte Entwicklung des Weltalls bestimmen. Hanns Hörbiger starb am 11. Oktober 1931 in Mauer bei Wien.