Karsten Decker, Bild: Atlas Copco

Karsten Decker ist Europäischer Energie­manager (IHK) und Teamleiter Energieberatung Deutschland bei Atlas Copco. Bild: Atlas Copco

Wie kommt ein Kunde auf die Idee, eine Leckageortung bei sich durchführen zu lassen?

Der Kunde wird teilweise durch unsere Servicetechniker oder Vertriebsmitarbeiter aktiv angesprochen. Teilweise sind die Kunden auch durch Artikel in Fachzeitschriften wie zum Beispiel auch die IHK-Schriften auf das Einsparpotenzial durch Leckageortungen aufmerksam geworden und kontaktieren uns dann. Meist wird die Leckageortung dann als Tagespauschale zum Festpreis durchgeführt. Es gibt aber auch Kunden, die haben eine jährliche Leckageortung als Zusatzbestandteil in Wartungsvereinbarungen integriert.

Welche Betriebe kommen zu Ihnen – nur größere oder nur kleinere oder beides? Gibt es bestimmte Branchen, die besonders häufig anfragen?

Es kommen sowohl große, wie auch kleine Unternehmen auf uns zu. Die Unternehmen, bei denen wir Wartungsverträge für Kompressoren oder Trockner haben, überwiegen dabei natürlich. Bei größeren Unternehmen werden häufig Leckageortungen aufgrund eines vorhandenen Energiemanagementsystems, etwa nach ISO50001 oder Energieaudits durchgeführt. Durch die Zertifizierung nach ISO50001 sind die Unternehmen ja permanent gefordert, Energie einzusparen. Eine Leckageortung ist dafür ein einfaches und kostengünstiges Instrument, das von den meisten Energiemanagern in den Betrieben gerne genutzt wird. Spezielle Branchen kann man zwar nicht benennen, aber es sind fast ausschließlich Industrieunternehmen. Handwerksbetriebe, die ebenfalls Kompressoren betreiben, sind sehr selten dabei.

Ab welchem jährlichen Druckluftverbrauch lohnt sich eine Leckagewartung für einen Betrieb?

Eine Leckageortung lohnt sich quasi für alle Betriebe, denn praktisch jedes Druckluftnetz weist Undichtigkeiten auf. Die Kosten für die Leckageortung – das sind etwa 950 Euro als Tagessatz, inklusive aller anfallenden Kosten – amortisieren sich in der Regel bereits nach wenigen Wochen oder Monaten.

Was muss der Kunde vorbereiten, wenn der Termin zur Ortung ansteht?

Der Kunde braucht keine weiteren Vorbereitungen zu treffen, die Produktion wird durch die Messung nicht beeinträchtig. Es gibt deswegen keine Stillstandszeiten. Unserem Techniker sollte nur ein kundiger Mitarbeiter zur Seite gestellt werden, der die Örtlichkeiten und das Druckluftnetz kennt.

Leckageortung, Bild: Atlas Copco
In sechs Stunden 50 Leckagen – das ist möglich. Bild: Atlas Copco

Wer macht die Ortung und wie qualifiziert sich ein Techniker für diese Aufgabe?

Die Leckageortung wird durch qualifizierte Techniker durchgeführt, die durch den Vertriebspartner des Leckage-Ortungsgeräts ausgebildet wurden. Auch die Berichterstellung wird durch ausgebildete Systemberater durchgeführt. Als Teamleiter besitze ich selbst die Zusatzqualifikation zum europäischen Energiemanager IHK.

Welche Geräte werden für die Ortung verwendet?

Es werden kalibrierte und zertifizierte Ultraschall-Messgeräte vom Typ SDT 170 oder SDT 200 aus dem Haus HDS Messtechnik eingesetzt. Diese Technik hat sich bewährt.

Gehen wir ins Detail: Wie läuft die Ortung im Einzelnen ab?

Unser Techniker geht gemeinsam mit dem Mitarbeiter des Kunden das komplette Rohrnetz ab und scannt dabei alle Rohre, Verbindungen, Abzweige und Ventilblöcke. Sollte eine Leckage geortet werden, wird der gemessene Wert in Dezibel Mikrovolt in eine Tabelle eingetragen, die gefundene Messstelle wird bezeichnet und durch ein nummeriertes Klebeetikett gekennzeichnet. Die Beseitigung der Leckagen liegt dann aber nicht in der Hand von Atlas Copco. Wir weisen nur die Leckage nach und quantifizieren die Menge in Litern pro Sekunde und Euro pro Jahr.

Wie unterscheidet der Techniker eine Leckage von einem statischen Verbraucher?

Die Unterscheidung muss gegebenenfalls im Gespräch mit dem orts- und fachkundigen Mitarbeiter erfolgen. Ein weiteres Kriterium ist der Verlauf der Leckagemenge: Bleibt die Menge auch bei veränderten Betriebszuständen konstant, liegt sehr wahrscheinlich eine Leckage vor.

Schätzt der Techniker sofort die Größe der Leckage ein?

Die Leckagemenge wird bei der Berichterstattung ermittelt, der Techniker kann aber vor Ort direkt eine Aussage über die Leckagegröße anhand des Ultraschallwertes treffen.

Case² Zertifizierung, Bild: Atlas Copco
Entwickelt von Atlas Copco, bewertet und zertifiziert Case² Druckluftsysteme in einem standardisierten Prozess. Bild: Atlas Copco

Werden denn alle Leckagen gefunden?

Es können natürlich nur die Leckagen gefunden werden, deren Leitungsnetz abgegangen wurde. Es besteht aber immer eine gewisse Restleckage, die auch bei der Ortung nicht erkannt wird.

Wie lange dauert die Ortung? Wieviele Leckagen kann ein Techniker an einem Tag überhaupt finden?

Die Leckageortung wird als Tagessatz mit sechs Stunden Ortung beim Kunden vor Ort angeboten. Nach den sechs Stunden ist auch die Aufnahmefähigkeit erschöpft. An einem Tag können je nach Netzgröße und zurückgelegter Wegstrecke 40 bis 50 Leckagen gefunden und gekennzeichnet werden. Gegebenenfalls muss ein Folgetag zum Scannen des restlichen Rohrnetzes eingeplant werden, was aber sehr selten vorkommt.

Wie kann der Kunde einschätzen, ob er alle Leckagen beseitigen lässt oder nur bestimmte?

Für den Kunden sind natürlich die Leckagen von Vorrang, die den größten Verlust darstellen und die am leichtesten behoben werden können.

Welche weiteren positiven Folgen hat eine Leckagebeseitigung für ein Unternehmen, etwa in Bezug auf Produktivität oder Wartungsintervalle?

Bei der Leckageortung wird das komplette Druckluftrohrnetz und meist auch die Drucklufterzeugung betrachtet. Oftmals werden dabei Wartungsmängel oder falsche Druckeinstellungen oder schlechte Verrohrungen festgestellt. Häufig wird während der Leckageortung auch die benötigte Druckluft-Qualität besprochen. Hier bietet Atlas Copco als Dienstleistung das Druckluft-Qualitäts-Audit an, das häufig in der Lebensmittelbranche, Brauereien, der Pharmazie, der chemischen Industrie und bei Lackier- oder Beschichtungsvorgängen durchgeführt wird.

Der Kunde kann aus einzelnen Bausteinen wählen und Zertifizierung der Druckluftreinheit nach ISO8573-1 (2010), Überprüfung von Atemluft nach DIN 12021, Restfeuchtemessung / Drucktaupunkt (bis -80 °C DTP) oder Restölmengenmessung (0,01 mg/m³) Partiscan (0,1 µm – 10 µm; Zertifizierung Klasse 1) vornehmen lassen. Außerdem führen wir regelmäßig Kundenaudits – zum Beispiel „die effiziente Druckluftstation“ – durch, wo auch das Thema Leckagen behandelt wird. Außerdem ist Atlas Copco das erste Unternehmen, das ein Energie-Label für Druckluftinstallationen entwickelt hat: Case². Vergleichbar der Energieeinstufung für Häuser, Gebäude und Haushaltsgeräte quantifiziert und bewertet das Case²-Label die Energiebilanz einer Installation auf einer Skala von A bis G und informiert gleichzeitig über mögliche Optimierungs- und Kosteneinsparungspotenziale. jl

Leckageortung: Warum sie so wichtig ist

Auf dem Weg vom Kompressor zum Verbraucher entweichen im alltäglichen Normalfall zum Teil bis zu 30 Prozent der Druckluft. Im Extremfall gehen sogar 50 Prozent und mehr der eingesetzten Energie verloren. Bild: Atlas Copco

Druckluft ist eines der wichtigsten Betriebsmittel der Industrie. Sie macht aber auch einen großen Anteil des Energiebedarfs aus, denn das Verdichten der Luft ist äußerst energieintensiv. Daher haben Energieeinsparungen in diesem Bereich immense Auswirkungen auf Kosten und Umwelt. Kurzfristig bietet die Behebung und Erkennung von Lecks die beste Rentabilität. Ohne ein Leckage-Erkennungsprogramm haben Undichtigkeiten einen Anteil von bis zu 20 Prozent am Verbrauch. Bereits die Behebung eines einzigen Zwei-Millimeter-Lecks bei acht bar bedeutet eine jährliche Kosteneinsparungen von 3.000 Euro.

Die Leckageüberprüfung von Atlas Copco ermittelt, kennzeichnet und quantifiziert diese Leckagen in der gesamten Druckluftanlage – entweder als Einzelmaßnahme oder im Rahmen einer umfassenden Druckluftsystem-Analyse. Die Ortung des Lecks selbst erfolgt durch Ultraschallmessgeräte. Bei Leckagen in Druckluftkreisläufen erzeugt die Reibung der entweichenden Luft Ultraschall an den Wänden des Lecks und zwar ungeachtet des Leckagevolumens, des Durchflusses und der Größe des Lecks. Die Ortung von größeren Leckagen nur durch das Gehör oder mit Seifenwasser wäre nur bei angehaltener Produktion möglich, außerdem langwierig und ineffizient, besonders an schwer zugänglichen Orten.