| von Michael Pyper, freier Autor für die fluid
Servohydraulik in Spritzgießmaschine, Bild: Arburg
Die Servohydraulik erlaubt einen besonders energieeffizienten und emissionsarmen Betrieb von hydraulischen Spritzgießmaschinen: Das Antriebssystem aus einem Servomotor und einer Konstantpumpe ermöglicht eine stufenlose Anpassung an den tatsächlichen Leistungsbedarf. Bild: Arburg

Für Franz Pressl, Produktmanager bei Engel Austria, ist der Glaubenskrieg Hydraulik gegen Elektrik beendet: „Was zählt, ist die Gesamteffizienz.“ Hydraulisch, hybrid oder vollelektrisch sei längst nicht mehr eine Frage der Unternehmensphilosophie oder allein der Energieeffizienz, sondern der individuellen Anforderungen des Verarbeitungsprozesses und der jeweiligen Teileklasse.

Geht es um die Produktion technischer Teile, ist die hydraulische Maschine nach wie vor erste Wahl, „allerdings ausgestattet mit einer energieeffizienten Antriebstechnik“. Klarer Trend ist, dass Servopumpen-Antriebstechnik die Regelpumpen-Hydraulik ablöst. So sei Servohydraulik bei einigen neuen Spritzgießmaschinen von Engel inzwischen Standard. Je nach Maschinentyp und Anwendung kann das die notwendige Antriebsenergie um bis zu 70 Prozent reduzieren. „Bei der Herstellung technischer Teile wird hierbei oft bereits das Niveau von vollelektrischen Maschinen erreicht.“

Zumindest international verteidigt die Hydraulik ihre Position auf hohem Niveau. „Umsatzbezogen lagen die Anteile der hydraulischen Maschinen bei Arburg im Jahr 2015 bei 64 Prozent“, verrät Heinz Gaub, Geschäftsführer Technik bei Arburg in Loßburg. Gründe seien der robuste, langlebige und problemlose Einsatz auf allen Kontinenten und in allen Klimazonen, das Preis-Leistungs-Verhältnis, die Abdeckung eines sehr breiten Bereichs spritztechnischer Anforderungen und die einfache Bedienung. Gaub weist auf eine weitere wichtige Aufgabe der Hydraulik hin: die vielen Werkzeuge mit hydraulischen Kernzügen.

Und was sagen die Ausrüster? Dirk-Walter Herold ist Vertriebsleiter für den Bereich Kunststoff- und Druckgießmaschinen bei der Bosch Rexroth in Lohr am Main. Er ist der Ansicht, die Hydrauliker könnten zwar ihre Position verteidigen, müssten dafür aber immer schneller mit Innovationen am Markt sein. Um neue Konzepte schneller realisieren zu können, „setzen sie zunehmend – wie bereits andere Branchen – auf Systempartnerschaften mit Bosch Rexroth“. Das würde helfen, den Engineeringprozess zu vereinfachen und zielgerichteter zu führen.

Das Beste aus zwei Welten

Die Konkurrenz der elektrisch angetriebenen Maschinen machte nicht nur den Entwicklern von Hydraulikmaschinen Beine, um wieder Boden gutzumachen. Natürlich haben beide Antriebsformen unbestreitbare Vorteile und warum nicht einfach beide nutzen? Das ist zwar in der Praxis nicht ganz so einfach und kann mit höheren Kosten verbunden sein, aber Erfolge sind sichtbar.

„Für bestimmte Anwendungen vereinen Hybridmaschinen das Beste aus zwei Welten“, meint auch Franz Pressl von Engel. Er nennt als Beispiel die E-Victory mit hydraulischer Schließ- und elektrischer Spritzeinheit. Sie lohnt sich vor allem, wenn dreidimensional sehr komplexe Teile mit besonders filigranen Strukturen gefertigt werden, weil diese Anwendungen hochpräzise Einspritzbewegungen erfordern. Gleichzeitig stelle die Schließeinheit die Hydraulik für die Kernzüge und Schieber im Werkzeug bereit.

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