LCV-Hydraulik für Pistenfahrzeuge

Bucher Hydraulics: Was den PistenBully präzise macht

LCV-Hydraulik von Bucher Hydraulics ermöglicht eine präzise Steuerung der PistenBully-Fahrzeuge. Beim vollelektrischen PB100 E kommen modulare Hydrauliksysteme hinzu, die Gewicht, Bauraum und Energiebedarf reduzieren sollen.

Im PB100 E entsteht Performance durch das Zusammenspiel: Steuerung, Modularität und sichere Funktion auch unter Extrembedingungen.

  • Bucher Hydraulics und Kässbohrer arbeiten seit über zehn Jahren an Hydrauliklösungen für PistenBully-Fahrzeuge. Die LCV-Technologie wurde zunächst in einem PB100 getestet.

  • Im Schweizer Langis präpariert Loipenchef Jörg Kathriner rund 40 Kilometer Langlaufstrecken mit einem PistenBully.

  • LCV-Ventile ermöglichen eine proportionale, druckunabhängige Steuerung mehrerer Hydraulikfunktionen. Die Hydraulik ist für Temperaturen bis -40 °C ausgelegt.

  • Der vollelektrische PistenBully 100 E erhält zusätzlich eine modulare MSS-Hydraulik für Fräse und Loipenspurgerät und soll im Jahr 2026 in Serie gehen.

Es ist dieses Knirschen unter den Sohlen, wenn wir auf frischgeschneitem Schnee gehen. Dieses kurze, trockene Knirschen, das wie Glas unter den Sohlen klingt. Und Luft, die so kalt ist, dass der Atem in der Luft zu winzigen Kristallen gefriert. Es gibt uns einen ersten Eindruck von Neuschnee: Manchmal nass und schwer, manchmal trocken und leicht. Ein faszinierendes Arbeitsmaterial, welches sich immer wieder verändert, je nach Wetter, Feuchtigkeit, Temperatur und Dauer. Damit zu arbeiten ist eine hohe Kunst.

Der PB100 ist das Werkzeug von Jörg Kathriner – gebaut für lange Nächte, harte Bedingungen und präzise Arbeit, wenn alles auf Linie laufen muss.

Vielleicht ist es auch genau deshalb die Leidenschaft vieler PistenBully-Fahrer. Tausende Kinder haben PistenBully-Poster in ihrem Kinderzimmer aufgehängt. Einer davon war Jörg Kathriner. Mittlerweile 41 jährig, gelernter Landmaschinenmechaniker, Lohnunternehmer und zuständig für rund 40 Kilometer perfekt präparierte Loipen, Klassisch und Skating für Hobby Langläuferinnen und Wettkämpfer. Sein Gebiet: Langis, in der Zentralschweiz. Die Leidenschaft zum Schnee, zum Präparieren von Pisten sei immer grösser geworden.

Wir setzen uns mit ihm in die Fahrerkabine eines PistenBully 100. Dass wir ausgerechnet im Hunderter sitzen, passt zur Geschichte: Hier begann vor rund zehn Jahren die Einführung der LCV‑Technologie. Das erste Testfahrzeug war ein PB100, der dafür auf LCVs umgerüstet wurde. Danach wurde die neue Ventilgeneration Schritt für Schritt auf weitere Modelle ausgerollt. Und genau deshalb sitzen wir jetzt hier: Weil einer wie er genau weiss, ob eine Maschine etwas taugt oder nicht. Die rechte Hand, gebräunt von der Wintersonne, kräftig und doch mit viel Fingerspitzengefühl, ist am Joystick. Ausserhalb der Fahrerkabine ist es -18°C. Der Schnee ist bereit, um daraus die perfekte Langlaufloipe zu formen. Jörg Kathriner verändert den Anpressdruck der Fräse, kaum merklich, nur mit einer Fingerbewegung. Die Maschine reagiert sofort, ohne Verzögerung, ohne Ruckeln. "Es braucht das Gefühl zum Schnee und zur Maschine", sagt er. Was wir in diesem Moment nicht sehen: LCV-Ventile, die diese Bewegung in eine exakt dosierte hydraulische Reaktion übersetzen. Alles ist im Flow.

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Trotz garstiger Bedingungen zu perfekten Linien

Ein Pistenfahrzeug muss unter Bedingungen zuverlässig arbeiten, die für die meisten mobilen Maschinen eine Extremsituation sind. Die Fahrzeuge sind für Arbeiten bis zu -25°C konstruiert. Umso besser, dass die Hydraulik die Arbeiten bis -40°C mitmacht. Dazu kommen ständige Vibrationen, Eis, Schnee und Nässe, die in jede Dichtung und jeden Steckkontakt eindringen wollen. Auf vereistem Untergrund fährt Jörg Kathriner die Fräse anders als auf frisch gefallenem Neuschnee, mit weniger Drehzahl, mehr Anpressdruck, in kleineren Schritten vorwärts. Die Hydraulik muss diese unterschiedlichen Bedingungen mittragen, ohne dass der Fahrer jedes Mal die Einstellungen neu nachregeln muss. Hier bestehen Komponenten, die für die Nächte in verschneiten Winterlandschaften, und nicht nur für den Prüfstand entwickelt wurden.

Die Positionen der LCVs im PistenBully 100

Bucher Hydraulics und PistenBully: Eine unschlagbare Entwicklungszusammenarbeit

Neben den LCVs steckt Bucher Hydraulics an fünf weiteren Stellen in den PistenBully Modellen – oft unsichtbar, aber entscheidend für das perfekte Zusammenspiel. Je nach Modell und Einsatzprofil unterscheiden sich Aufbau und Komponenten. 

Die Tabelle zeigt die Komponenten des PB100 und PB 100 E im Überblick

Komponente/FunktionenPistenBully 100Funktionen im PistenBully 100 E
LCV-Ventile (8x)
Steuern das Schild vorne und den Geräteträger hinten. Zwei Steuerblöcke, acht Ventile, jede Funktion mit eigener VentilscheibeOKOK
MSS-Modulhydraulik
Steuert Fräse & Loipenspurgerät: Seitenfinisher anpressen, Frästiefe; Loipengerät heben/senken, Spurplatten anpressen, Spurweite verstellen. Modularer Aufbau, spart Gewicht und BauraumRollout geplantOK
Elektrisch proportionales DBV
Sichert den Arbeitsdruck, ermöglicht das Vorwärmen des Hydrauliköls.OKOK
Bremsblock
Kalibrierte Ventile für die zuverlässige dynamische BetriebsbremseOKOK
Absperrblock Druckspeicher
Schaltet die Druckspeicher zu / abOKOK
Mobile DCU/PSU
Wandelt die Hochvolt-Spannung des PB100 E in die sekundäre Spannung fürs Bordnetz um–OK

Modularität in Fräse und Loipenspurgerät am Beispiel PB 100 E

Beim neuen, vollelektrischen PB100 E, der dieses Jahr in Serie geht, steckt nun auch zusätzlich die MSS-Modulhydraulik auf der Fräse und dem Loipenspurgerät. Für die Langlaufloipe – also genau dort, wo Fräse und Loipenspurgerät als Einheit funktionieren müssen – ist vor allem das Zusammenspiel aus feinfühliger LCV‑Steuerung und einer modular aufgebauten Hydraulik entscheidend. Je nach Anforderungen der Pisten oder Loipen werden Fräse und Loipenspurgerät unterschiedlich ausgestattet. Mal braucht es mehr Spur, mal weniger – und genau hier spielt die MSS‑Modulhydraulik ihre Stärke aus. 

Funktionsprinzip Schraube in Schraube

Nach dem Schraube‑in‑Schraube‑Prinzip lässt sich das Loipenspurgerät modular erweitern oder verschlanken, ohne das System jedes Mal neu zu denken. Der Vorteil liegt in der Kombination: weniger Gewicht, kompakter Bauraum und eine stabile Funktion über die gesamte Einsatzdauer. Weil die Module standardisiert sind, bleibt das Prinzip gleich – je nach Ausstattung von Fräse oder Loipenspurgerät.

Elektrifizierung von Pistenfahrzeugen - neue Chancen und neue Herausforderungen

Mit der Elektrifizierung von Pistenfahrzeugen, wie beim PB 100 E, verändert sich nicht nur der Antrieb, sondern auch die Anforderungen an die Hydraulik. Während bei konventionellen Fahrzeugen der Dieselmotor den Geräuschpegel bestimmt, arbeitet ein Elektromotor nahezu geräuschlos. Dadurch treten plötzlich die Geräusche der Hydraulik in den Vordergrund: Strömungsgeräusche des Öls und Pumpengeräusche, die zuvor vom Dieselmotor überdeckt wurden.

Eine erfolgreiche Elektrifizierung bedeutet deshalb weit mehr, als einen Dieselmotor durch einen Elektromotor zu ersetzen. Das gesamte Zusammenspiel aus Antrieb, Hydraulik und Regelung muss auf Geräusch, Dynamik und Wirkungsgrad optimiert werden. Ein intelligentes Smart Power Pack verfolgt dabei das Prinzip des Flow on Demand. Statt den Antrieb permanent mit konstanter Drehzahl laufen zu lassen, wird nur genau so viel hydraulische Leistung bereitgestellt, wie die jeweilige Arbeitsfunktion tatsächlich benötigt. Die Drehzahl des Elektromotors passt sich kontinuierlich dem aktuellen Bedarf an.

Das reduziert nicht nur den Energieverbrauch und schont die Batterie, sondern senkt gleichzeitig die Strömungsgeschwindigkeiten und damit die hydraulisch verursachten Geräusche. Das Ergebnis ist ein ruhigeres, effizienteres und angenehmeres Arbeitsverhalten, Dies ist ein entscheidender Vorteil gerade bei elektrisch angetriebenen Pistenfahrzeugen, bei denen jedes unnötige Geräusch unmittelbar wahrnehmbar wird.

Das Herzstück: Die LCV-Technologie

Im Alltag zählt neben der Feinfühligkeit noch etwas: Die Maschine muss sich schnell an unterschiedliche Strecken, Schneelagen und Anbau‑Kombinationen anpassen lassen. Jedes LCV‑Ventil im PB100 übernimmt eine Funktion, präzise abgestimmt auf Schild oder Geräteträger. Die LCV‑Ventile übersetzen Joystick‑Befehle in präzise Bewegungen des Geräteträgers – und damit, über die mechanische Verbindung, in die exakte Positionierung von Fräse und Loipenspurgerät zum Fahrzeug. So bleibt das Ansprechen reproduzierbar, auch wenn Schnee, Untergrund und Last ständig wechseln. Die Ventile adressieren sich automatisch im System, gleichen Fertigungstoleranzen selbstständig aus und liefern über ihre linearisierte Kennlinie ein Ansprechverhalten, das sich unabhängig vom Arbeitsdruck vorhersagen lässt. Für den Fahrer heißt das: Eine bestimmte Joystick-Bewegung erzeugt immer dieselbe Reaktion, egal ob die Fräse in gefrorenen oder weichen Untergrund greift.

LCV Technologie adressiert sich automatisch und gleicht Toleranzen aus – für reproduzierbares Ansprechen.

Genau das meint Jörg Kathriner, wenn er von "Gefühl zur Maschine" spricht. Die linearisierte Kennlinie ist die technische Übersetzung dieses Gefühls: Sie macht eine intuitive Bewegung reproduzierbar. Hochpräzise, ruckfrei und jederzeit kontrollierbar, unabhängig davon, wie schwer die Last ist. Ein Ingenieur würde es Regelgüte nennen. Ein Fahrer nennt es Vertrauen in die Maschine. 

Dazu kommen die Diagnosefähigkeit der LCVs. Die Ventile laufen serienmäßig immer in der Standardvariante, spezifische Anpassungen wie Schwingungstilgung oder seitliche Dämpfung erfolgen über Aufbauplatten. Das LCV ist dabei ein hochpräzises Hydraulikventil, das Toleranzen und mechanisches Spiel über die gesamte Lebensdauer von Ventil und Maschine kompensiert. Alle Verbraucher werden über Sitzventile leckölfrei in Position gehalten; bei Bedarf lässt sich für jede Funktion zusätzlich eine Schwimmstellung aktivieren. Gerade beim 12‑Wege‑Räumschild zeigt sich der Effekt: Das Schild reagiert komplett lastunabhängig, egal ob gerade 100 kg oder 1.000 kg Schnee zusammengeschoben werden müssen. Entscheidend in der Praxis ist, dass der Fahrer mehrere Funktionen gleichzeitig, proportional und druckunabhängig bedienen kann.

Vom Praktiker zum gefragten Experten

Schnee ist kein „Untergrund“, sondern ein Material: je nach Temperatur, Feuchte und Alter reagiert er völlig anders – und genau darauf muss die Präparation abgestimmt sein.

Jörg Kathriner gibt sein Wissen seit Jahren selbst weiter. Er kennt die Technik nicht nur aus der Kabine, sondern auch aus der Werkstatt. Und er teilt diese Erfahrung: Bei der PistenBully Academy in der Schweiz wird er regelmäßig vor Ort als Experte dann hinzugezogen, wenn es um Praxisfeedback, technische Einschätzungen und den Blick auf die Anwendung geht. Dabei geht es weniger um „Unterricht“ als um das, was ein Operator nur im Einsatz lernt: woran er merkt, dass alles passt, und wo er nachjustieren muss. Denn selbst die präziseste Hydraulik entfaltet ihren Wert erst dann, wenn sie im Alltag verlässlich reagiert und Vertrauen schafft.

Zurück auf die Loipe - und ein Blick nach vorn

Am nächsten Morgen starten die ersten Langläufer in die Klassikspur – oder skaten über die frisch präparierte Loipe. Flow ist dieses seltene Hochgefühl, wenn alles stimmt: Der Ski fühlt sich leicht an, du findest deinen Rhythmus, der dich mühelos trägt. Die Spur läuft ruhig, führt sicher und schnell. Du läufst nicht gegen den Schnee, du läufst mit ihm. Dass sich das so selbstverständlich anfühlt, ist kein Zufall. Es ist das Zusammenspiel aus einem Fahrer, einer Batterie und einer präzise abgestimmten Hydraulik- und Steuerungstechnik. Jörg Kathriner entscheidet, wie viel Druck der Schnee an diesem Tag verträgt – die Maschine setzt feinfühlig um. Die Hydraulik übersetzt Erfahrung in Struktur: in eine Spur, die nicht nur „da“ ist, sondern trägt.

Hier entsteht flow: Langläufer kennen dieses Gefühl: Bewegung, Schnee und Spur bilden eine Einheit. Ein Moment zum Loslassen, Kopflüften, allesvergessen. Doch dieser Flow beginnt nicht erst auf der Loipe. Er entsteht bereits in der Entwicklung eines Systems und genau dort beginnt die Geschichte dieser Entwicklungspartnerschaft.

Jörg Kathriner

Und genau dieses Zusammenspiel wird sich weiter verändern. Der PB100 E markiert einen wichtigen Entwicklungsschritt und öffnet den Blick auf das, was als Nächstes kommt. Seit über einem Jahrzehnt arbeiten wir eng mit Kässbohrer zusammen. Wir entwickeln mit dem Fahrer im Blick. Wir denken vom Erlebnis der Langläufer her. Wir bauen Systeme so, dass sie unter Extrembedingungen performen: in Kälte, Vibration und Nässe. Mit dem elektrischen Antrieb verschieben sich die Maßstäbe: Dynamik, Effizienz und Fahrgefühl. Genau dieses “wir” bewegt am Ende alles: eine Loipe, die läuft – und Menschen, die ihren Flow finden.

Früher suchte Jörg Kathriner den Flow auf Ski – heute formt er ihn Nacht für Nacht in den Schnee. Mit Erfahrung, Gefühl und einer Maschine, die jede Nuance umsetzt.

Jörg Kathriner hat den Flow früher selbst gesucht – als Langläufer, Schritt für Schritt, Atem für Atem. Heute erzeugt er ihn: mit Erfahrung, Gefühl und einer Maschine, die jede Nuance umsetzt. Für Skater heißt das: eine Rille, die schnell läuft, weil sie präzise geführt ist. Für Klassik-Läufer: eine Spur, die sauber steht und dich trägt: hoch, dicht und verlässlich. Und wenn am Morgen die ersten Langläufer über Jörg Kathriners Nachtarbeit gleiten und niemand kämpfen muss, dann schließt sich der Kreis.

Am Ende bleibt von all der Technik vor allem eines: der Moment, in dem Jörg sieht, dass sich seine Arbeit in der Nacht gelohnt hat. "Wenn am Morgen die ersten Langläufer mit einem Lächeln von der Loipe zurückkommen, dann weiß ich, dass wir unsere Arbeit gut gemacht haben, sie ihren Flow gefunden haben dann weiß ich: Passt. Die Technik sieht keiner – aber die Spur schon.”

Quelle: Bucher Hydraulics GmbH, bearbeitet von: Sabine Königl

Was Sie zum Thema PistenBully Hydraulik wissen müssen

Wie funktioniert die PistenBully Hydraulik mit LCV-Ventilen? Die LCV-Ventile von Bucher Hydraulics übersetzen Joystick-Befehle in präzise hydraulische Bewegungen. Durch ihre linearisierte Kennlinie ermöglichen sie ein reproduzierbares, weitgehend lastunabhängiges Ansprechverhalten.

Für welche Temperaturen ist die PistenBully Hydraulik ausgelegt? Die Hydraulik ist für Temperaturen bis -40 °C ausgelegt. Die Pistenfahrzeuge selbst sind für Einsätze bei Temperaturen bis -25 °C konstruiert.

Welche Vorteile bietet die PistenBully Hydraulik beim Räumschild? Die LCV-Technologie ermöglicht eine proportionale und druckunabhängige Steuerung. Beim 12-Wege-Räumschild bleibt das Ansprechverhalten unabhängig davon, ob 100 kg oder 1.000 kg Schnee bewegt werden.

Welche Rolle spielt die PistenBully Hydraulik im PB100 E? Der vollelektrische PB100 E erhält zusätzlich eine MSS-Modulhydraulik für Fräse und Loipenspurgerät. Sie ermöglicht unterschiedliche Konfigurationen bei kompaktem Bauraum und geringem Gewicht.

Wie unterstützt die PistenBully Hydraulik die Loipenpräparierung? Die Hydraulik ermöglicht die präzise Positionierung von Fräse und Loipenspurgerät. Dadurch lassen sich Anpressdruck und Arbeitsbewegungen an unterschiedliche Schnee- und Untergrundbedingungen anpassen.