Die Grafik zeigt den Einlauf von Hydrauliköl in das Getriebe.

Vernachlässigen Instandhalter die Wartung der Zentralschmieranlage oder machen bei der Wiederbefüllung des Öl- oder Fettreservoirs Fehler, sind Schäden an der Maschine absehbar. - Bild: stock.adobe.com/Petrovich12

| von Helmut Winkler, TMM

Zentralschmieranlagen bestehen aus einem Druckerzeuger, einem Öl- oder Fettbehältnis und aus Leitungen – zum Teil auch aus Steuerkomponenten. Bei der Auslegung und Berechnung einer Zentralschmieranlage legt der Konstrukteur Schmierstoffdaten zugrunde, die dem Anwender nicht immer zugänglich sind. Bei Schmierölen wird als Anhaltspunkt oft die Viskosität angegeben, bei Schmierfetten die Penetration. Zweifelsohne sind das zwei wichtige Schmierstoffdaten, aber nicht die einzig relevanten. Oft geben Hersteller nur die DIN-Bezeichnung an, wie zum Beispiel HLP 46 oder KPF 2N-30. Schmieröle und Schmierfette sind aber Mischprodukte und haben komplexe Wirkungsspektren. Schon geringe Temperaturänderungen können Auswirkungen haben. Zudem werden Schmierstoffe in einer Zentschmieranlage nicht zu unterschätzenden mechanischen Belastungen ausgesetzt, auf die nicht alle Produkte gleich reagieren.

Schwachstellen in ZSA

Für Öle eignen sich nahezu alle Varianten von Zentralschmieranlagen (ZSA). Öl ist im Vergleich zu Schmierfetten leichter zu fördern. Bei Umlaufanlagen kann auch noch eine Schmierölpflege durch Filterelemente erfolgen. Umlaufschmierungen sind durch die Wiederverwendung des Schmierstoffes wirtschaftlich interessant. Durch das geschlossene System gelangt auch kein oder nur wenig Schmierstoff in die Umwelt. Werden mit einem Schmieröl mehrere Reibstellen versorgt, so muss das Leistungsvermögen des eingesetzten Schmierstoffes dem Anforderungsprofil aller betroffenen Maschinenelementen entsprechen. Da stellen sich die Fragen: Wie kann ein Instandhalter oder Servicemitarbeiter erkennen, ob ein Produkt dem Anforderungsprofil aller Reibstellen entspricht? Was passiert, wenn das Produkt irgendwann nicht mehr auf dem Markt ist?

Auf dem Bild ist eine Zentralschmieranlage für ein hydraulisches Fluid zu sehen.
Inspektions- und Wartungsfehler sind die Feinde einer modernen Zentralschmieranlage (ZSA) für Schmierfette. - Bild: Helmut Winkler

Häufig wird eine Norm-Bezeichnung angegeben, wie zum Beispiel HLP 46. Diese ist alleine betrachtet nicht immer hilfreich. Sie deklariert, dass es sich um ein Hydrauliköl mit Korrosionsschutz- und Verschleißschutzadditive sowie einer Mittelpunktsviskosität von 46 mm2/s handelt. Die Leistungsfähigkeit eines mineralölbasierten Schmierstoffes wird aber weitgehend von Additiven bestimmt. In diesem Punkt unterscheiden sich die Produkte einer Normenklasse deutlich. Nur bei der Mittelpunktsviskosität kommen keine Unklarheiten auf und auch das nur bei gemäßigten Temperaturen.

Instandhalter sollten daher einige Vorsichtsmaßnahmen einleiten. Zunächst sollten sie wichtige Kennwerte für das von dem Maschinenhersteller eingefüllte Öl zusammenstellen. Hilfreich ist auch eine Additivanalyse.

Bei der Ölviskosität ist das Verhalten in Abhängigkeit der Temperatur bedeutend. Anhaltspunkt kann der Viskositäts-Index sein. Hier gilt die Regel: Je höher der Viskositäts-Index ist, umso geringer der Temperatureinfluss. Bei Außenanwendungen ist auch die maximale förderbare Ölviskosität wichtig. Ansprechpartner diesbezüglich ist in der Regel der Schmieranlagenhersteller. Vom Maschinenproduzenten sollte die Öl-Mindestviskosität für einen schadensfreien Lauf der versorgten Maschinenelemente eingeholt werden.

Wenn ZSA für Schmierfette streiken

Auf dem Bild ist ein alter Fettbehälter im Hydrauliksystem zu sehen.
Bei der Befüllung des Fettbehälters ist darauf zu achten, dass dieses ohne Lufteinschlüsse erfolgt. Wird das Nachschmierdepot über Fettkartuschen aufgefüllt reduziert sich das Gefahrenpotenzial deutlich. - Bild: Helmut Winkler

Als Platzhalter für Schmierstoffe werden verschiedene Verdickervarianten eingesetzt. Zur Klassifikation eines Schmierfettes wird meistens die NLGI-Klasse angegeben, die über eine Penetrationsmessung ermittelt wird. ZSA-Hersteller geben oft an, welche Penetrationsklassen in der Schmieranlage förderbar sind. Das gilt aber nur für den Fetttransport. Denn die Zentralschmieranlage hat die Aufgabe, einen Schmierstoff ohne Vorschädigung von A nach B zu transportieren. Welche Wirkung ein Schmierfett an der Reibstelle entfaltet, ist von Fall zu Fall unterschiedlich.

Bei jedem Produkt- oder Lieferantenwechsel gilt es daher zu erörtern, ob das Neuprodukt im gesamten Anforderungsbereich einer Maschine die tribologischen Leistungsdaten erfüllt und keine Unverträglichkeit bei einer Fettvermischung, zum Beispiel beim Nachschmieren auftritt. Bei Schmierfetten können nicht alle Zentralschmieranlagenvarianten zum Einsatz kommen. In der Regel nutzen Anwender Progressiv- und Zweileitungssysteme, bei Fließfettschmierungen sind auch Kolbenverteiler möglich.

Erhöhte Ölabscheidung

Durch die hohe dynamische Belastung beim Fetttransport kann es zu einer erhöhten Ölabscheidung kommen. In der Zuleitung können sich, vor allem bei zusätzlicher Temperaturbelastung, Bereiche mit Ölüberschuss beziehungsweise mit zu wenig Öl bilden. Werden Schmierfette im Fettbehälter über längere Zeit einer dynamischen Belastung und erhöhter Temperatur ausgesetzt, folgt oft eine Ölseparation (Fettausmagerung). Kommt es beim Nachfüllen des Fettbehälters zu einer Fettvermischung, kann eine Schmierfetterweichung durch Unverträglichkeit eintreten. Die Angabe „mischbar bei Schmierstoffen“ sagt also noch nichts über die Verträglichkeit der Produkte aus.

Vor dem Produkt- oder Lieferantenwechsel werden folgende Informationen benötigt: die Transportfähigkeit (dabei unter anderem die NLGI-Klasse), die Grundölviskostität des Schmierfettes, das Viskositäts/Temperatur-Verhalten des Hydrauliköls, die Ölabscheidung, die Polarität und Homogenität, der Verdampfungsverlust bei höheren Temperaturanwendungen, der Fließdruck bei der unteren Anwendungstemperatur und die scheinbare dynamische Viskosität: Übersteigt die Viskosität 5000 mPa s wird ein Fördern in Schmieranlagen erschwert oder unmöglich. fl, do

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