Gehäuse von Schraubenkompressoren
Gehäuse von Schraubenkompressoren sind ein Einsatzgebiet für Flüssigdichtungen. Bild: Henkel

In welchen Punkten unterscheiden sich Flüssigdichtungen von O-Ringdichtungen?

Es gibt kein Setzen der Dichtung. Die zwei Flanschoberflächen werden auf Metallkontakt zusammengefügt, dadurch bleibt die richtige Schraubenvorspannung während der gesamten Lebensdauer erhalten. Die Schrauben müssen nicht nachgezogen werden. Außerdem ist durch den Metall-Metallkontakt kein Spalt für Dichtungsstärke erforderlich.

Dazu kommt, dass Oberflächenungenauigkeiten toleriert werden können, denn die Flüssigdichtungen lassen einen gewissen Spielraum in der Güte der Oberflächenrauhigkeit und Ebenheit der Flanschoberfläche zu. Kratzer in den Oberflächen werden durch den Klebstoff ausgefüllt, so dass keine Feinbearbeitung erforderlich ist.

Außerdem benötigt eine O-Ring-Dichtung feinst bearbeitete Flanschflächen, damit die Elastomerdichtung nicht durch Unregelmäßigkeiten beschädigt wird. Die Flanschgeometrie zur Aufnahme der O-Ringdichtung muss gewährleisten, dass die Dichtung nicht plastisch verformt wird und dass die Gegenkraft durch elastische Verformung auf die Flanschflächen unter allen Betriebsbedingungen erhalten bleibt.

Dann hätten wir noch die chemische Beständigkeit: Ausgehärtete Flüssigdichtungen weisen hervorragende Beständigkeit gegen Schmieröle, Wasser-Glykolmischungen und die meisten industriellen Flüssigkeiten auf. Bei vertikalen Dichtflächen ist das Aufbringen einfacher, weil die flüssige Raupe auch auf senkrechten Flanschen haftet, während Feststoffdichtungen meist auf horizontalen Flanschflächen verwendet werden. Darüber hinaus lassen sich Feststoffdichtungen vor und während der Montage nur schwer auf den Werkstücken positionieren. Flüssigdichtungen lassen sich vollautomatisch durch Roboter-, Siebdruck- oder Schablonensysteme auftragen.

Loctite 518 und andere Flüssigdichtungen können nicht einfach als Ersatz für O-Ringe oder andere Feststoffdichtungen im Reparaturfall verwendet werden.

Oliver Droste, Henkel