Schnellentgratpresse nach der Generalüberholung, Bild: Kuka

Wie neu: Die Reis-Entgratpresse wurde entsprechend den Kundenwünschen mit einer neuen Steuerung sowie anderen Standfüßen, einer neuen Schutzgittereinrichtung und einer höheren Vor-richtung für größere Werkzeuge ausgestattet. (Bild: Kuka)

Wenn die Generalüberholung bei Kuka Industries in Obernburg ansteht, haben die Maschinen bereits Tausende Betriebsstunden hinter sich – und das sieht man ihnen an: Leckagen, mechanische Beschädigungen, abgenutzte Zylinder und Dichtungen, Spiel oder Rost sind die häufigsten Ver-schleißerscheinungen. Doch das ist alles kein Problem: „Es gibt nichts, was wir hier nicht wieder hin-bekommen“, ist Eberhard Amrhein, Leiter Customer Service für den Raum EMEA, überzeugt. „In den letzten 35 Jahren sind Maschinen in den unterschiedlichsten Zuständen bei uns gelandet – und bisher konnten wir noch jede Maschine nach den Wünschen des Besitzers in Top-Form zurückgeben.“

Eine davon ist die Reis-Schnellentgratpresse eines deutschen Zulieferers. Die Presse vom Typ SEP 16-100 mit 100 Tonnen Presskraft schaffte das Unternehmen Ende der 1990er an, um damit Druckgussteile für die Automobilindustrie herzustellen. Nach 16 Jahren im Dreischichtbetrieb läuft sie immer noch dauerhaft, ist jedoch etwas in die Jahre gekommen. Die Steuerung entspricht nicht mehr dem neuesten Stand der Technik und auch größere Werkzeuge können nicht ohne weiteres eingebaut werden.

Was tun – mit einer neuen Maschine durchstarten oder auf die jahrelange bewährte Basis bauen? Obwohl bevorzugt der Wert der bisherigen Maschine erhalten werden soll, überlegt der Betreiber, sich eine neue anzuschaffen. Diese würde gewisse Spezifikationen bereits erfüllen – wie eine bestimmte Einbauhöhe und einen hohen technischen Stand. Dem entgegen steht der Neupreis.

Mit aktueller Steuerungsgeneration wieder auf Industriestandard

Für die endgültige Entscheidung holt sich der Kunde erneut die Experten von Kuka Industries an Bord, die ihn schon bei der Anschaffung beraten hatten. Nach einer Evaluation, welche eine mechanische, elektrische, hydraulische und steuerungstechnische Betrachtung beinhaltet, steht fest: In diesem Fall würde es sich lohnen, in eine Grundüberholung zu investieren. Nicht immer ist das der Fall. "Es gibt Situationen, in denen eine Überholung, je nach Umfang und Aufrüstungsgrad, an den Neupreis einer Maschine herankommt", erläutert Eberhard Amrhein.

"Bestimmte Teile bleiben allerdings alt und trotzdem kostet es 80 oder 90 Prozent vom Neupreis, die Maschine wieder herzurichten. Je nach Umfang ist eine neue Maschine auch relativ schnell gebaut. Das muss man von Fall zu Fall abwägen." Entsprechend dem Wunsch des Eigentümers führt das Unternehmen die Umrüstungen durch: andere Standfüße, eine neue Schutzgittereinrichtung, erweiterte Einbauhöhe für größere Werkzeuge.

Besonders wichtig ist dem Betreiber, dass die Steuerung für die Entgratpresse den neusten Standards entspricht. In der Maschinenfabrik erhält die Presse Dialog IV. Diese PC-basierte Steuerung hat Kuka speziell für und mit Kunden wie dem Automobilzulieferer entwickelt. Über Monitor und Touchscreen lassen sich werkzeugabhängige Programme erstellen, modifizieren, speichern und vervielfältigen. Zudem ermöglichen robuste Hardwaretaster, die Presse auch im rauen Gießereibetrieb problemlos zu bedienen, in der Verschmutzungen ein Arbeiten mit Touch-Displays erschweren.

Ersatzteilverfügbarkeit wie bei Neuanschaffung

Im Zuge einer Grundüberholung lässt es sich meist nicht vermeiden, dass der Betreiber einige Zeit auf seine Maschine verzichtet. "Bei einer Anlage mit Robotern kann man notfalls diesen baugleich ersetzen und die Programmierung übertragen. Das ist mit einer Presse nicht immer machbar", erklärt Eberhard Amrhein. Um die Ausfallzeit möglichst gering zu halten, muss der Kunde den Ablauf deshalb genauestens planen und die Produktion entsprechend anpassen.

Von dem Zeitpunkt der Demontage bis zur Wiederinbetriebnahme und Abnahme im Werk vergehen mehrere Wochen. Dazwischen wird die Maschine einmal komplett in Einzelteile zerlegt und gereinigt. Alle fehlerhaften und verschlissenen Komponenten werden anschließend gegen neue Bauteile ausgetauscht. Damit verfügt die überholte Maschine über die gleiche Ersatzteilgewährleistung wie eine neue Maschine. "Jetzt hat der Kunde wieder 16 Jahre seine Ruhe", sagt Eberhard Amrhein schmunzelnd. do