Funktionsweise der Leckage-App, Bild: Greiner Bio-One
Stefanie Kästle demonstriert die Funktionsweise der Leckage-App. Durch einfaches Scannen des QR-Codes sind alle Informationen zur Leckagestelle sofort sichtbar. Bild: Greiner Bio-One

Insgesamt werden 76 Leckagen mit einem Einsparpotenzial von 25.200 Euro gefunden. Die Leckagebeseitigung organisiert Ralf Hipp intern: Ein bis zwei Personen reparieren anhand der Leckagedokumentation des Mader-Teams, das neben Bildern auch eine Beschreibung des Leckageorts enthält, die Leckagen. Mit Hilfe der Markierung durch Aufkleber und einer Nummer können die Leckagen eindeutig identifiziert und schließlich vom Reparatur-Team als „beseitigt“ dokumentiert werden.

„Ich bekam nach Abschluss der Reparaturen die Mappe mit der Leckagedokumentation von den Kollegen zurück. Mit Datum und Unterschrift bestätigten sie bei jeder Leckage, dass sie beseitigt wurde“, erläutert Hipp die Vorgehensweise. Nach Beseitigung der Leckagen nimmt die Leckagerate merklich ab, das bestätigt auch die jährliche Messung im Dezember. Gegenüber dem Vorjahr sank der Druckluftverbrauch bei Produktionsstillstand um rund 29 Prozent.

„Dennoch war die Leckagerate von 18 Prozent, die wir im Dezember 2015 ermittelten, noch nicht das, was wir wollten. Unser Ziel ist eine Leckagerate von maximal 10 bis 15 Prozent“, erläutert Ralf Hipp. Dass dies alles andere als leicht zu erreichen ist, zeigt die Messung im Juli 2016. Die Leckagerate steigt innerhalb von sechs Monaten erneut auf 22 Prozent. Der Entschluss zu einer weiteren zweitägigen Leckageortung durch den Spezialisten im Herbst 2016 ist schnell gefasst.

Mehr Kontrolle durch elektronische Dokumentation

Leckage-Online-Portal, Bild: Greiner Bio-One
Ralf Hipp testet das Leckage-Online-Portal auf dem Tablet. Über seinen individuellen Zugang kann er das Online-Portal jederzeit auch über den Webbrowser auf seinem PC aufrufen und dort alle aktuellen Informationen einsehen. Bild: Greiner Bio-One

Ausgerüstet mit Leckageortungsgerät und Tablet werden dieses Mal alle Leckagen mit den zugehörigen Messwerten und Fotos direkt vor Ort digital erfasst. „Alles zuerst auf Papier zu erfassen, die Fotos mühselig der richtigen Leckage zuzuordnen, Messwerte in Excel übertragen und dann alles in einer Präsentation aufzubereiten, war nicht nur sehr aufwendig, sondern ließ uns auch weniger Zeit für die Leckageortung selbst. Zudem war der Prozess fehleranfällig“, berichtet Stefanie Kästle.

Man entschied sich schließlich dazu, den Prozess zu digitalisieren und bei der Ortung Tablets einzusetzen, über die alle gesammelten Informationen vor Ort digital erfasst werden. Über einen QR-Code erhält jede Leckage eine eindeutige Kennzeichnung (ID) und kann im Nachgang sicher per Smartphone identifiziert werden. „Alle Messdaten, Bilder und Informationen zur gescannten Leckagestelle werden dann, vorausgesetzt man hat die Leckage-App installiert, direkt auf dem Smartphone angezeigt“, berichtet Heiko Leonhardt, der gemeinsam mit seinem Kollegen Manuel Stephan für die zweite Leckageortung zuständig ist.

So hat auch Ralf Hipp erstmals – in Echtzeit – von seinem Arbeitsplatz aus den vollen Überblick über den Stand der Dinge: „Über das Online-Portal sehe ich alle georteten Leckagen und kann sie, wenn die Reparatur erfolgt ist, als repariert markieren.“ Die Option, die Leckagen direkt im Anschluss an die Reparatur über die Leckage-App auf einem Smartphone als „repariert“ zu markieren, nehmen sein Team und er nicht in Anspruch. „Zum einen ist die Verwendung von Smartphones im Werk nicht gestattet, zum anderen ist den Kollegen, die für die Reparatur zuständig sind, Papier lieber“, erklärt Hipp.

Auch die zweite Leckageortung hat einen ähnlich hohen Leckagewert zum Ergebnis wie 2015. „Der Leckagewert war zwar etwa gleich hoch wie 2015, aber die einzelnen Leckagen waren kleiner. Dies lässt vermuten, dass seit der ersten Ortung wieder neue kleine Leckage entstanden sind.

MADER AirXpert und MADER Leckage-App

AirXpert ist ein modulares Dienstleistungsangebot des schwäbischen Druckluft- und Pneumatikspezialisten. Die Pakete AirXpert Start, Plus und Pro sind auf die individuellen Anforderungen der Kunden ausgerichtet und bieten verschiedene Stufen der Effizienzsteigerung. Die Dienstleistungspakete enthalten herstellerunabhängige Lösungen, die durch Spezialisten ausgearbeitet und realisiert werden. Jedes AirXpert Paket besteht aus drei Modulen, die beliebig kombiniert werden können:  Energieeffizienz-Analyse, Leckagen und Druckluftqualität.

MADER AirXpert  wurde nach DIN EN ISO 11011 vom TÜV Süd beurteilt und die Einhaltung der Norm bestätigt. Neben der Zertifizierung nach DIN EN ISO 11011 „Druckluft-Energieeffizienz-Bewertung“ bestätigt der TÜV SÜD auch die Einhaltung der VDI-Richtlinie 3922 „Energieberatungen für Industrie und Gewerbe“, der DIN EN 15900 „Energieeffizienz-Dienstleistungen“ und der DIN  EN 16247-1 „Energieaudits“.

Die Leckage-App ist Teil des Dienstleistungspakets AirXpert. Das Unternehmen bietet damit  einen „smarten“ Einstieg ins Leckagemanagement. Druckluft-Leckagen werden papierlos und schnell per Smart Device erfasst und in Echtzeit dokumentiert, wirtschaftlich und ökologisch bewertet sowie entsprechend priorisiert. Sowohl bei der Erfassung der Leckagen als auch nach deren Beseitigung sind der Druckluftverlust bzw. die Einsparung in kWh, CO2-Emissionen und Euro über das kundenspezifische Leckage-Online-Portal jederzeit einsehbar. Weitere Informationen unter www.mader.eu und www.mader-energieeffizienz.de

Leckagerate auf 15 Prozent gesenkt

Ralf Hipp macht sich keine Illusion. Dass die Leckagerate trotz der Beseitigung in 2015 nach wie vor hoch ist, führt er auch auf den Verschleiß zurück, der durch den 3-Schicht-Betrieb kaum vermeidbar sei. „Am häufigsten betroffen sind Schläuche und Ventile“, berichtet er. Aber auch für diese Problematik könnte es, laut Stefanie Kästle, eine Lösung geben. „Die strukturierte elektronische Erfassung der Leckagen bietet den Vorteil, dass auch über längere Zeit eine Analyse der Leckagestellen erfolgen kann. Wo treten Leckagen besonders häufig auf? Kann hier vielleicht durch die Verwendung hochwertigerer Komponenten oder der regelmäßige Austausch von Verschleißteilen der Druckluftverlust vorbeugend verhindert werden?“ Einen ähnlichen Vorschlag machte, so berichtet Ralf Hipp, auch der Auditor, der sich beim letzten Energiemanagement-Audit nach DIN EN ISO 50001 von den Ergebnissen des Leckagemanagements hellauf begeistert zeigte.

Zwischenzeitlich wurden auch die Leckagen, die bei der zweiten Ortung gefunden wurden, von Hipps Team beseitigt. Den Erfolg der Leckageortung bestätigt schließlich die Messung im Dezember 2016: Die Leckagerate beträgt nun 15 Prozent und sank somit um 7 Prozent. Das entspricht einer Einsparung 77.000 kWh Strom bzw. 10.000 Euro pro Jahr. Amortisiert hat sich der Einsatz des Mader-Teams für Greiner Bio-One erneut innerhalb von weniger als drei Monaten. tha

 

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