Seebühne, Bild: Bregenzer Festspiele, Karl Forster

Das Kernstück der Seebühne ist der Bühnenzylinder mit der ausfahrbaren Drehbühne, die zwei weitere Spielflächen bereithält. Die Unterseite des aufklappbaren Bodens ist mit einer Video-Wall ausgestattet, auf die wechselnde Bühnenbilder projiziert werden. Bild: Bregenzer Festspiele, Karl Forster, Österreich

Die siebzigjährige Geschichte der Bregenzer Festspiele ist begleitet von einer Reihe technischer Meisterleistungen, die dem Opernerlebnis auf dem Bodensee zu Weltruhm verholfen haben. Von Juli bis August finden auf einer in den See gebauten Bühne spektakuläre Opernaufführungen statt, die als Gesamtkunstwerk aus Musik, Gesang, modernster Bühnentechnik, effektvoller Beleuchtung und Naturkulisse allabendlich rund 7000 Zuschauer anlocken. Für die Aufführung von Giacomo Puccinis Oper „Turandot“, deren Handlung im „Reich der Mitte“ angesiedelt ist, ließ Bühnenbildner Marco Arturo Marelli eine „Chinesische Mauer“ als Kulisse in den See bauen. Zur Steuerung der komplexen Bühne ist Beckhoff-Technik im Einsatz.

Bühnenbild, Bild: Bregenzer Festspiele, Karl Forster
Ein ganz besonderer Effekt des Bühnenbildes ist ein Boot, das scheinbar wie von selbst die Bühne umkreist. Es ist auf einem Hubscherenaufbau montiert, der unter der Wasseroberfläche auf einem 260 m langen Schienensystem bewegt wird. Bild: Bregenzer Festspiele, Karl Forster, Österreich

Geschichte der Seebühne

Die Tradition der Bregenzer Festspiele reicht bis ins Jahr 1946 zurück: Auf zwei im Gondelhafen verankerten Kiesfrachtern führten die Bregenzer das Singspiel „Bastian und Bastienne“ von Wolfgang Amadeus Mozarts auf. Bald reichte der Platz auf den Kähnen nicht mehr aus und man begann mit dem Bau einer Bühne im See, die mit den Jahren immer größer und aufwendiger wurde. Alle zwei Jahre, mit dem Wechsel des Spielplans, wird die Bühne komplett abgerissen und neu errichtet Das gilt auch für die rund 119 Holz- bzw. Stahlpfähle, die bis zu sechs Meter tief in den Seegrund gerammt sind und das immense Gewicht der Bühne tragen. Nur so können die Veranstalter sichergehen, dass die Seebühne den Belastungen durch Wind, Wasser und Hochwasser standhält.

Modularität des Beckhoff-Klemmensystem, Bild: Michel Matuschke
Die Modularität des Beckhoff-Klemmensystems erlaubt nachträgliche Änderungen und die Integration zusätzlicher Funktionen. Bild: Michel Matuschke, Beckhoff Automation

Die von Marco Arturo Marelli entworfene Kulisse für die Turandot-Inszenierung besteht aus einer 72 Meter langen Mauer, die sich wie ein riesiger Drache über die Bühne schlängelt. Aus rund 29.000 Einzelteilen bestehend, sorgt eine aufwendige Konstruktion aus Stahl, Beton und Holz für die Stabilität der Mauer. „Die Bühne hat ein Gewicht von 335 Tonnen; das stellt hohe Anforderungen an die Statik“, wie Stefan Frischke, Steuerungstechniker der Seebühne Bregenz, feststellt. „Schließlich muss das Bühnenbild auch extremen Wetterlagen wie Sturm und Schlagwetter standhalten.“ Wenn es die Regie vorgibt, muss die Mauer jedoch auch effektvoll einstürzen können, wie es gleich zu Beginn der Oper passiert: Dahinter werden über 200 aus Ton geformte Krieger sichtbar, die gleichsam vom Himmel herab in den See zu marschieren scheinen.

Das eigentliche Kernstück der Seebühne ist der Bühnenzylinder in der Mitte der Konstruktion, der nicht nur als ausfahrbare Drehbühne dient, deren Unterteil gleich zwei weitere Spielflächen bereithält. Die Unterseite des aufklappbaren Bodens ist mit einer Video-Wall ausgestattet, auf die effektvoll Bilder projiziert werden.