Kran hebt Baumstämme, Bild: John Deere

Mit der intelligenten Kransteuerung (IBC) von John Deere lässt sich der Kran effizienter handhaben, wodurch die Produktivität um bis zu eine Ladung pro Tag erhöht wird. Bei der neuen 2.0-Version der intelligenten Kransteuerung wurde die Präzision der Greifersteuerung verbessert, vor allem bei langen Reichweiten. Bild: John Deere

An Forstmaschinen werden ganz unterschiedliche und mitunter konkurrierende Anforderungen gestellt. So soll die Motorleistung auf optimale Erntegeschwindigkeit ausgelegt werden, dies aber bei gleichzeitig verringertem Lärmpegel, minimierten Abgasemissionen und reduzierter Bodenverdichtung. Auch der Komfort und die Ergonomie in der Fahrerkabine spielen bei der Erntequalität eine wichtige Rolle. Und dann sind noch die geänderten waldbaulichen Zielsetzungen und gesetzlichen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Herausforderungen, die die Hersteller auf unterschiedliche Art und Weise meistern.

In Deutschland hat die Forstpolitik in den letzten Jahrzehnten zu immer laubholzreicheren Mischwäldern geführt, die zwar den geänderten klimatischen und ökologischen Bedingungen besser gerecht werden, die aber eine andere Holzerntetechnik und -technologie bedingen. Homogene Fichten- und Kiefernbestände mit langen, geraden Schäften, wie sie beispielsweise in skandinavischen Wäldern überwiegen, sind relativ einfach zu durchforsten. Laubhölzer hingegen haben kürzere, starke Stämme und sind meist weit verzweigt mit einer ausladenden Krone. Ihr Holz ist schwerer und härter. Insofern werden an Harvester (Vollernter), Forwarder (Tragschlepper) und Skidder (Rückeschlepper) sehr unterschiedliche Anforderungen gestellt, was ein differenziertes Produktportfolio erfordert.

Ökologie stellt hohe Anforderungen an Technik

Auch die Forstwirtschaft hat wirtschaftlichen Aspekten zu folgen, zusätzlich unterliegt sie aber einer ganzen Reihe von strengen Rahmenbedingungen ökologischer, klimatischer und umweltpolitischer Art. Denn der Wald ist nicht nur Holzlieferant, er ist auch Wasserspeicher, hat filternde Wirkung, ist Lebensraum für unzählige Tiere und Pflanzen und spielt für das Klima der Erde eine bedeutende Rolle.

Prof. Dr. Ute Seeling, Bild: KWF
Prof. Dr. Ute Seeling, geschäftsführende Direktorin des Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF). Bild: KWF

Um die ökologischen Beeinträchtigungen durch die Holzernte möglichst gering zu halten, haben sich in deutschen Wäldern vier Meter breite Rückegassen bewährt. Damit will man die unweigerliche Bodenverdichtung gering halten, die das Wachstum flachwurzelnder Bäume sowie das Bodenmikroleben nachweisbar negativ beeinflusst. „Zur Einhaltung der hohen Anforderungen an den Bodenschutz und gegen tiefes Eingraben bei nassem, aufgeweichtem Boden reagiert die Forsttechnik beispielsweise mit Extrembreitreifen bis zu 940 mm Reifenbreite oder Zwillingsbereifung, zusätzlichen Achsen für bis zu zehn Räder, Raupen- oder Kettenfahrwerken oder Traktionshilfen und mit einem bestimmten Leistungsgewicht“, erläutert Professor Dr. Ute Seeling, geschäftsführende Direktorin des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF).

Gewichtsoptimierung hat Grenzen

Thomas Wehner, Bild: KWF
Thomas Wehner, Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF). Bild: KWF

Eine andere Maßnahme, die Eigengewichtsoptimierung von Forstmaschinen, hat allerdings Grenzen, denn die Maschinen benötigen eine bestimmte Motorleistung und müssen stabil und robust sein. „Selbst wenn 500 Kilogramm Gewicht eingespart werden könnten, scheidet etwa eine Fahrerkabine aus Aluminium oder Verbundmaterialien bereits aus Stabilitäts- und Sicherheitsgründen aus. Hier bleibt es beim Stahlbau“, sagt Thomas Wehner, Ressortleiter Information und Marketing beim KWF. Außerdem hätte das auf das Gesamtgewicht der Maschine im Verhältnis wenig Einfluss.
Vor allem die Leistungsfähigkeit der Forstmaschine entscheidet letztlich über ihre Einsatzmöglichkeiten. Kleine Harvester und Forwarder eignen sich nur für schwächeres Holz und geringere Mengen.

„Wenn aber die Wälder immer ertragreicher werden, dann ergeben sich andere Anforderungen an die Holzerntetechnik. Notwendig sind hohe Standzeiten, die wiederum stabile Konstruktionen und robuste Technik erfordern, was die Motoren und die Maschinen insgesamt auch schwerer macht. Um ein gewisses Eigengewicht kommt man nicht herum, denn die Maschinen müssen auch kippsicher konstruiert sein“, sagt Wehner.

Interessanterweise waren sich die Fachleute auf einem kürzlich stattgefundenen KWF-Workshop zum Thema Bodenschutz einig, dass ein geringeres Eigengewicht der Maschinen eine nachrangige Option sei, dass es vielmehr Obergrenzen bei der Nutzlast geben sollte. Nutzlast heißt maximale Ladung, zusätzlich zum Eigengewicht. So werden Forwarder in Nutzlastklassen unterteilt. Standard sind zehn bis zwölf Tonnen, es gibt aber auch Nutzlastklassen von nur acht oder bis zu 15 Tonnen Gewicht.

In Bayern werden zum Beispiel aus Bodenschutzgründen bereits sehr schwere Forwarder nicht mehr zugelassen.
Sämtliche Optimierungen befinden sich also im Spannungsfeld zwischen waldbaulicher Anforderung und technischer Realisierbarkeit. Simon Wütz, Produktexperte MaxiFleet bei Komatsu, bekräftigt: „Der Arbeitseinsatz im Wald verlangt einerseits robuste Maschinen, die an die rauen Bedingungen angepasst sind. Andererseits werden aufgrund des Bodenschutzes leichte Maschinen verlangt. Hier gilt es, auch zukünftig die richtige Balance zu finden.“

Absatzmärkte Forsttechnik - Regionale Unterschiede

Im Jahr 2016 wurden in Deutschland insgesamt 393 neue Forstspezialmaschinen für den professionellen Forsteinsatz verkauft, das waren neun Prozent weniger als im Vorjahr. Bild: KWF

„Der Absatz hält sich seit Jahren im Durchschnitt relativ stabil, die Hersteller äußern sich mit verhaltener Zufriedenheit“, beurteilt Thomas Wehner die wirtschaftliche Situation in der Forstmaschinenbranche. Im langjährigen Mittel errechnete das KWF in Deutschland rund 410 verkaufte Maschinen verschiedener Sparten. 2016 wurden insgesamt 393 neue Forstspezialmaschinen für den professionellen Forsteinsatz verkauft, neun Prozent weniger als im Vorjahr. In Österreich wurden im selben Jahr 46 und in der Schweiz 44 neue Forstspezialmaschinen verkauft. Dr. Jürgen Munz, Geschäftsführer Vertrieb bei Komatsu, schätzt den Forstmaschinenmarkt im Jahr 2016 als eher durchmischt ein, in Mitteleuropa sogar als rückläufig. Die Gründe sieht er in der sinkenden Profitabilität der mechanisierten Holzernte, die mit einer Zurückhaltung der Unternehmer in Bezug auf Neuinvestitionen einhergeht.

Der Herstellermarkt von Forstmaschinen ist überwiegend regional geprägt, große global agierende Hersteller und Fullliner sind eher die Ausnahme. Manche Hersteller produzieren nur sehr wenige Maschinen pro Jahr. Tobias Kohler, Key Market Manager bei Hawe Hydraulik, sieht die Ursache unter anderem in den unterschiedlichen Arbeitsweisen in den einzelnen Ländern und Erdregionen: „Während in den USA häufig mit Feller Bunchers und Knuckleboom Loaders gearbeitet wird, trifft man in Europa und Asien kaum auf diese Geräte.

Innerhalb von Europa gibt es in Skandinavien den höchsten Automatisierungsgrad. Dort wird meist flächendeckend mit professionellen Harvestern und Forwardern gearbeitet, wohingegen man in Deutschland noch vergleichsweise häufig auf Nebenerwerbsforstwirte mit semi-professionellen Geräten oder einfachen Rückewagen trifft.“