Benno Birke, Bild: fluid

Benno Birke beobachtet, dass die Energieeffizienz, trotz der Verbesserungen der vergangenen Jahre, weiterhin ein Kernthema in der Hydraulik ist. Industrie 4.0 soll nun weiteres Potenzial erschließen. Bild: fluid

Was sind aktuell Ihre Aufgaben bei Rexroth?

Ich habe die weltweite Verantwortung für die Entwicklung, die Qualität und die Koordination der Fertigungsstandorte für Industriehydraulik.

Was hat Rexroth im Bereich Hydraulik auf der Hannover Messe gezeigt, die in diesem Jahr keine MDA hatte?

Wir haben eine kleine Revolution gezeigt: ein Antriebsaggregat, genannt Cytropac. Das ist eine autarke Antriebseinheit, mit offenen Schnittstellen, eigenständiger Regelung und einem ausgeklügelten Condition Monitoring. Die Konzeptstudie hatte schon auf der EMO enorme Begeisterung ausgelöst, weil wir mit dem platz-, öl-, und energiesparenden Design vollkommen weggehen von den bekannten Konzepten für Hydraulikaggregate.

Welche Rolle spielt das Design einer Hydraulikkomponente heute?

Das Thema Industriedesign hat erheblich an Bedeutung gewonnen. Zum Beispiel lässt sich über geschicktes Design eine deutliche Geräuschminimierung erreichen, was Bosch Rexroth am Beispiel des Cytropac-Systems durch die Kapselung in einem Gehäuse gelungen ist.

Wir arbeiten seit vielen Jahren intensiv mit einem Designer bei uns im Haus zusammen, wodurch wir die rein technische Lösung mit Designansätzen verknüpfen können. Das ermöglicht auch völlig andere Möglichkeiten bei der Maschinenkonzeption. Damit können Anwender sich natürlich USPs erschließen, aber auch der Endkunde profitiert, weil zum Beispiel die Bedienelemente, Anzeigeelemente, LEDs oder Ähnliches einfacher angeordnet sind.

Also es geht beim Design einerseits ums Aussehen, andererseits auch um Bedienbarkeit?

Und um noch viel mehr, Temperatur zum Beispiel. Wir haben nicht überall auf der Welt 20 Grad Celsius Umgebungstemperatur, es gibt ja auch Regionen, wo ganz andere klimatische Bedingungen herrschen. Auch das kann man über Designfaktoren berücksichtigen, indem man die Kühlung zum Beispiel geschickt nach außen bringt. Das ist ein hochspannendes Thema.

Die Hydraulik ist ja keine reine Hightech-Industrie. Sehen Sie für die Produktion in Deutschland langfristig eine Zukunft, gerade was die relativ einfachen Komponenten angeht?

Ich denke, man kann das nicht pauschal beantworten. Es sind verschiedene Aspekte zu beachten. Auf den ersten Blick wirken die Produkte teilweise recht einfach, aber das ändert sich, wenn Sie in die Tiefe gehen.

Wenn Sie sich das Thema Erzeugung und Übertragung der Leistungsdichte sowie Robustheit anschauen, gibt es zum Beispiel an einem Ventil enorm enge Toleranzen, die von außen nicht sichtbar sind. Das setzt sich beim Thema Strömungsverluste und damit Energieeffizienz fort.

Hydraulik, und gerade moderne Digitalhydraulik, erfordert ein enormes Know-how und tiefe Erfahrung, von daher sehe ich Europa auch für die Zukunft als einen wesentlichen Fertigungsstandort.

Natürlich haben wir neben den deutschen Werken auch Fertigungsstandorte in Amerika und Asien. Aber dort setzen wir sehr stark auf lokale Produkte für lokale Applikationen. Wir haben zum Beispiel in Asien andere Drücke, andere Durchflüsse und andere Schaltzeiten, die dann im Zusammenwirken gegebenenfalls auch andere Kosten mit sich bringen.