Kugellager, Bild: Pixarbay

Zu viel oder zu wenig Schmierstoff schadet Lagern. Bild: Pixarbay

Nahezu 50 Prozent aller Lagerausfälle werden durch unsachgemäße Schmierung verursacht – entweder durch übermäßige oder durch nicht ausreichende Schmierung. Einen großen Anteil daran haben mangelhafte Nachschmierverfahren. Zum Beispiel kann ein Wartungsprogramm auf dem Papier gut aussehen, seine konsequente Umsetzung jedoch aufgrund menschlicher Fehler oder durch die Abwesenheit des Maschinenführers scheitern.

Bei den Pumpenlagern ist eines der größten Probleme, dass Lagerschmiersysteme üblicherweise nicht für eine optimale Schmierung ausgelegt werden. Bei ölgeschmierten Lagern beispielsweise wird der Ölfüllstand durch ein seitliches Fenster geprüft. Diese Prüfung muss erfolgen, wenn die Pumpe abgeschaltet ist und sich auf dem Sumpflevel befindet. Der Ölstand muss im Zentrum des niedrigsten Rollkörpers gehalten werden, um eine Überfüllung zu verhindern. Eine Überfüllung kann zu extremer Wärmeentwicklung führen, die die Funktionsfähigkeit des Ölfilms im Zeitverlauf beeinflusst. Kontrollfenster sind außerdem schwer ablesbar, vor allem dann, wenn das Öl kontaminiert und das Fenster verfärbt ist.

Fettgeschmierte Lager haben ihre eigenen Problematiken. Auch sie können überfüllt werden. Typische Pumpenanwendungen erfordern einen Füllstand von einem Drittel bis zwei Dritteln des freien Lagerfassungsvermögens. Auch hier kann eine Überfüllung zu größerer Wärme und in der Folge zum Lagerausfall führen.

Automatisch schmieren

Einzelpunktschmiervorrichtung, Bild: The Timken Company
Einzelpunktschmiervorrichtungen geben regelmäßig Fett oder Öl an Wälzlager, Ketten, Führungen und andere Maschinenbauteile ab. Bild: The Timken Company

Angesichts der Probleme an, die bei manueller Schmierung auftreten können, bieten sich automatische Schmiersysteme als praktikable Lösung an. Automatisierte Schmiersysteme gibt es in verschiedenen Ausführungen – von kostengünstigen Einzelpunkt-Schmiervorrichtungen bis zu zentralisierten Schmiersystemen für hohe Anforderungen.

Die Vorteile von Einzel- oder Mehrpunkt-Schmiervorrichtungen gegenüber zentralisierten Systemen sind ihre niedrigeren Montagekosten, der einfachere Einbau und die präzise Schmiermittelmenge, die an jeden Schmierpunkt abgegeben wird. Dagegen bieten zentralisierte Schmiervorrichtungen die Möglichkeit, ganze Systeme zu schmieren, und sie sind eine dauerhafte Lösung. Ein weiterer Vorteil ist, dass ein einziges System eine komplette Anlage schmiert, vorausgesetzt, dasselbe Schmiermittel wird für alle Schmierpunkte verwendet. Allerdings erfordert ein solch großes System ein konsequentes Wartungsprogramm, um die problematischen Themen Wasser und Verunreinigung in den Griff zu bekommen.

Einzel- und Mehrpunkt-Schmiervorrichtungen

Mehrpunkt-Schmiersystem, Bild: The Timken Company
Die zentralisierten Mehrpunkt-Schmiersysteme der Interlube AC Reihe werden zumeist in landwirtschaftlichen Maschinen eingesetzt. Die AC2 Multi Line Grease Pump beispielsweise kann Fett an bis zu 36 Schmierpunkte fördern. Bild: The Timken Company

Einzelpunktschmiervorrichtungen werden mit Gas oder elektromechanisch betrieben. Sie geben regelmäßig Fett oder Öl an Wälzlager, Ketten, Führungen und andere Maschinenbauteile ab. Mehrpunkt-Schmiervorrichtungen sind zentralisierte Schmiersysteme, die Fett an mehrere Schmierpunkte befördern können. Die kleineren motorisch betriebenen Mehrpunktschmiervorrichtungen sind zwar auf eine bestimmte Anzahl an Schmierpunkten limitiert, doch kann dies durchaus ein Vorteil gegenüber ihren wesentlich größeren, zentralisierten Pendants sein.

Beide Typen stellen die kontinuierliche Schmierung über eine bestimmte Zeitspanne sicher. Aber die Mehrpunkt-Schmiervorrichtung, deren Schmiermittelkammer stets makellos reines Schmiermittel zur Verfügung stellt, erfordert im Vergleich zu zentralisierten Systemen einen nur minimalen Wartungsaufwand und ist ein unabhängiges, allein operierendes Gerät. Das bedeutet, dass nicht die gesamte Anlage heruntergefahren werden muss, wenn nur ein System versagt. Schäden, die aus einem Schmierungsproblem resultieren, sind daher geringer, und Wartungskosten werden reduziert. Mehrpunkt-Schmiervorrichtungen sind darüber hinaus sehr kompakt und eine geeignete Lösung, wenn mehr als ein Schmiermitteltyp in einer Anlage eingesetzt wird.

Je nach gewähltem Produkt und den spezifischen Anwendungsanforderungen können die Schmiervorrichtungen als Kurzzeitschmierungen bis hin zu vielen Monaten arbeiten. Während manche Produkte für den einmaligen Einsatz ausgelegt sind, lassen sich andere Geräte mit austauschbaren Schmiermittelkartuschen nachfüllen und haben so eine längere Lebensdauer.

Zentralisierte Schmiersysteme

Zentralisiertes Nachschmiersystem, The Timken Company
Wird ein zentralisiertes System für eine komplette Betriebsanlage gewünscht, stehen verschiedene Typen zur Auswahl. Der gebräuchlichste Typ ist ein Ölumlaufsystem. Bild: The Timken Company

Wird ein zentralisiertes System für eine komplette Betriebsanlage gewünscht, stehen verschiedene Typen zur Auswahl. Der gebräuchlichste Typ ist ein Ölumlaufsystem – etwa von Groeneveld oder Interlube. Hier wird Öl aus einem Vorratsbehälter an verschiedene Schmierpunkte gepumpt. Der Vorteil: Eine Einheit kann viele Lager versorgen.

Leider können sich mit der Zeit Verunreinigung und Feuchte im System bilden und Wartungsarbeiten erforderlich machen. Bereits 0,04 Prozent Wasser im Schmiermittel kann die Lagerlebensdauer um bis zu 50 Prozent reduzieren. Diese Systeme sind außerdem auf Filter gegen Verunreinigungen angewiesen, die regelmäßig gereinigt werden müssen.

Ein anderer Typ eines zentralisierten Schmiersystems, der für Pumpenlager interessant ist, ist die Ölnebelschmierung. Dabei benetzt eine bestimmte Ölmenge in feinen Tröpfchen in regelmäßigen Abständen das Lager. Diese Systeme arbeiten gut, müssen jedoch auch gewartet werden, um sicherzustellen, dass die Sprühdüsen frei von Kontamination und nicht verstopft sind. Zu berücksichtigen ist auch die Gefahr, dass das Arbeitsumfeld der an der Anlage tätigen Mitarbeiter benebelt wird, sowie die hohen Kosten des Systems.

Zusammenfassung

Pumpenlager können manuell geschmiert werden, mit einem zentralisierten Schmiersystem oder durch kleinere Einzel- oder Mehrpunkt-Schmiersysteme. Manuelle Schmierverfahren lassen sich gut schriftlich dokumentieren, leiden aber unter der Ungewissheit, ob die definierten, planmäßigen Schmierintervalle tatsächlich eingehalten werden.

Zentralisierte Schmiersysteme können dieses Problem durch die Automatisierung des Schmiervorgangs lösen, sind aber kostspielig und erfordern aufgrund der Kontamination durch Feststoffe oder Wasser eine regelmäßige Wartung.

Mehrpunkt-Schmiervorrichtungen schließlich sind auf eine bestimmte Anzahl an Schmierpunkten limitiert, aber praktisch wartungsfrei, weniger kostspielig und kompakt. Sie erlauben den Einsatz verschiedenartiger Schmiermittel in einer Betriebsanlage und betreffen nur eine begrenzte Anzahl von Schmierpunkten in einer Anlage, falls eine solche Einheit ausfallen sollte.

Diese Themen interessieren Sie? Mit dem wöchentlichen fluid-Newsletter sind Sie immer auf dem Laufenden.