| von Dr. Thomas Isenburg, freier Autor für fluid.de
Forstmaschine im Wald, Bild: Komatsu Forest
Ein typischer Anwendungsfall für Bioöle sind heute Forstmaschinen. Bild: Komatsu Forest

Eine Nachfrage bei den Herstellern bestätigt aber noch keinen umfassenden Einsatz in den Maschinen. Botz sieht in den höheren Kosten der Öle die Ursache hierfür. Dafür sind diese dann aber biologisch abbaubar und haben weitere Vorteile, wie auch Versuche bei Continental ermittelten: Der Genehmigungsprozess hierfür dauerte viele Jahre, da über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren diverse Parameter untersucht werden mussten. Hierzu baute das Unternehmen die Maschinen immer wieder auseinander und untersuchte sie.

Bei Continental wurde ein Prüffeld im Umfeld von Contitech definiert. Der Versuchsaufbau bestand aus einer kleinen Presse des Typs Joos LAP200. An ihr wurde ein Presszyklus durchgeführt, bei dem in drei Minuten der Pressvorgang 80-mal wiederholt und aus diesen Zyklen ein Durchschnittswert gebildet wurde. Während des Versuches wurden die Parameter Presskraft und Energieverbrauch beobachtet.

Energie und Zeit sparen mit Bioöl

Verglichen wurden diese Parameter bei Ölen auf einer fossilen Basis mit einer Grundlage, die aus den speziell gezüchteten Sonnenblumen bestand. Das Ergebnis verblüffte: Wenn das Schmieröl natürlichen Ursprungs verwendet wird, können fünf bis 15 Prozent der Energie eingespart werden. Ebenso werden die Taktzeiten um etwa fünf Prozent bei dem Einsatz des Hydrauliköls auf der Basis von Sonnenblumen-Ölen reduziert. Die Ursache für diesen positiven Effekt sieht Bolz in einem erhöhten Korrosionsmodul bei den Hydaulikölen aus Sonnenblumen. Auch deswegen meint Bolz über die Produkte: „Ökonomie, Ökologie und Hightech widersprechen sich hier nicht.“ Der höhere Preis soll sich durch die Einsparungen rechnen.

Ein weiterer Ansatz findet sich bei den Vollerntern im Bereich der Forstwirtschaft. Diese Hydraulik-Systeme sollten mit Bioölen ausgestattet sein, da gerade bei der Arbeit im Wald die Schläuche an Ästen hängen bleiben und reißen können. Bei den Arbeitsdrücken von 300 bar entleert sich der Tank in den Wald. Deswegen werden hier Bioschmierstoffe verwendet, erklärt Doktorand Otto aus Aachen. Hier wird der Einsatz dann über Zertifikate vorgeschrieben. Eine andere klassische Anwendung der Bioschmierstoffe findet sich bei Schleusentoren. Hierfür bildet das Wasserhaushaltsgesetz dann den rechtlichen Rahmen.

Skepsis gegenüber Bioöl hält sich

Neben dem Preis sieht Otto den teils schlechten Ruf der Bioschmierstoffe als Markthemmnis. Dieser geht auf den Beginn der Entwicklung vor etwa 30 Jahren zurück, denn die erste Generation war schlicht unausgereift und führte zu Verharzungen in Maschinen. Die Konsequenz waren Ausfälle und kürzere Lebensdauern. Vom einstmaligen Hype um die Bioöle blieb daher bis heute Skepsis. Ein weiteres Hindernis besteht in der Nichtmischbarkeit mit Mineralölen. Die ist im Beispiel in der Landwirtschaft mit ihren verschiedenen Anbaugeräten problematisch.

Resümierend zeigten der große Teilnehmerzuspruch und die regen Diskussionen das Interesse der Branche an dem Thema. Jedoch sprechen sich gesetzliche Rahmenbedingungen nur im geringen Umfang für Bioschmierstoffe aus und neue Erkenntnisse setzen sich nur langsam durch, sodass erhebliche Marktzuwächse noch auf sich warten lassen. Dabei zeigen die Marktzahlen einen konstant positiven Trend. do

 

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