40 Bohrgestänge wurden in eine Tiefe von 1200 Meter in das Troll-Gasfeld getrieben. Im Spätsommer 1995 wurden die ersten Pipelines bis zum Festland – insgesamt 70 Kilometer – am Meeresgrund verlegt, sodass bereits im Mai 1996 die Gasförderung startete.

Die Troll A stellt ihren eigenen Druck für die Gasförderung her. Mit Hilfe von riesigen Ventilatoren wird das Gas aus dem Boden befördert. Das Ganze funktioniert wie bei einem Turbolader im Verbrennungsmotor. Ein Motor bezieht seine Kraft aus der Verbrennung eines Kraftstoff-Luft-Gemisches. Um die Leistung zu steigern, nutzen Turbolader Frischluft und zusätzlich Abgasluft zum Antrieb einer Turbine, die ihrerseits die Luft durch einen Verdichter jagt. Auf diese Weise komprimiert, gelangt erheblich mehr Luft in die Zylinder als ohne Aufladung. Der Durchsatz steigt.

Troll A - Bild: Harald Pettersen - Statoil
Die Troll A liegt knapp 100 Kilometer vor der norwegischen Küste. Mit Hilfe von riesigen Ventilatoren wird das gewonnen Gas in die 70 Kilometer langen Pipelines bis zum Festland gepumpt. So wird jede Sekunde eine Tonne Gas bewegt. Bild: Harald Pettersen - Statoil

Das Prinzip funktioniert auch bei der Gasförderung. Mit Hilfe von großen Kompressoren wird Luft in das Troll-Gasfeld gepumpt, um mehr Gas zu pumpen. Dieses wird dann 70 Kilometer bis zu einer Sammelstation an der norwegischen Küste gefördert. Die Plattform Troll A kann pro Tag bis zu 100 Millionen Kubikmeter Gas fördern und erzeugte allein im Jahr 2004 knapp 25,39 Milliarden Standardkubikmeter Gas. Somit wird innerhalb einer Sekunde knapp eine Tonne Gas gefördert und ans Festland transportiert.

Von der Sammelstation führt eine Gasrohrleitung durch einen diagonalen Tunnel von 250 Metern im norwegischen Küstengebirge bis zur Gasaufbereitungsstation Kollsnes.

Mit Strom vom Festland versorgt

Troll A ist die erste Offshore-Anlage, die über eine umweltfreundliche HVDC-Light-Leitung (Hochspannungs-Gleichstromübertragung) vom Automatisierungshersteller ABB vom norwegischen Festland aus mit Strom versorgt wird. Verglichen mit traditionellen brennstoffbetriebenen Generatorlösungen für Offshore-Anlagen sorgt diese für eine emissionsfreie Plattform und einen geringeren Personalbedarf.

Über einen auf Kabelwicklung basierenden VHV-Motor (Hochspannungsmotor) und Generator von ABB sowie über eine HVDC-Light-Unterwasser-Stromverbindung wird die Energie vom Festland zur Plattform befördert. Zwei 40-Megawatt-VHV-Motoren gingen im Oktober 2005 in Betrieb. Sie treiben die Kompressoren auf der Plattform an, die den Druck beim Gastransport aufrechterhalten und sinkenden Speicherdruck ausgleichen sollen.

Das HDVC-Light-System wurde speziell für die Stromübertragung unter der Erde und unter Wasser ausgelegt. Die Hochspannungsgleichstrom-Übertragung (HGÜ) wird hauptsächlich für große Energiemengen und die Verbindung unabhängiger Stromnetze genutzt. HGÜ-Leitungen können nicht überlastet werden, gewährleisten Netzzuverlässigkeit und lassen keine Parallelflüsse zu, wie sie für miteinander verbundene Wechselstromsystem charakteristisch sind.

Schonend für die Umwelt

Dadurch stoßen weder die Plattform noch die Gasaufbereitungsanlage in Kollsnes Kohlendioxid noch Stickoxid aus. Dadurch werden Emissionen von knapp 230.000 Tonnen CO2 und 230 Tonnen NOx im Jahr eingespart. Auch im Bereich Gesundheit und Sicherheit zeigen sich Verbesserungen. Dank der neuen Technik und des Verzichts auf eine Energieerzeugung vor Ort konnte die Zahl der Unfälle zurückgefahren werden, was sich positiv auf die Arbeit auswirkt.

Weltweit steigt der jährliche Erdgasverbrauch kontinuierlich an. Wurden 2009 noch 2,97 Billionen Kubikmeter benötigt, waren es 2015 bereits 3,46 Billionen Kubikmeter Erdgas.

Hintergrundinformationen

Weltrekorde der Sea Troll
1996 wurde die Sea Troll im Guinness Buch als größte Offshore-Gas-Plattform mit dem Weltrekord ausgezeichnet.

2006 zum 10. Geburtstag der Troll-Gas-Produktion gab die Sängerin Katie Melua ein Konzert in einem der hohlen Beine der Plattform. Dieses Konzert war ebenfalls ein neuer Weltrekord: für das tiefste Unterwasserkonzert auf 303 Meter unter dem Meeresspiegel. In einer DVD-Dokumentation wird über Vorbereitungen und das Konzert berichtet.

Der amerikanische Fernsehsender Discovery Channel hat einen Dokumentarfilm über den Bau, den Transport und die Inbetriebnahme unter dem Titel „Gasgigant in der Nordsee – die Sea Troll“ produziert.