Im Fokus der Medien stehen beim Autonomen Fahren Automotive-Hersteller wie Tesla. Dabei hat eine ganz andere Branche hier Pionierarbeit geleistet. Während die PKW-Hersteller noch mit Betaversionen und gesetzlichen Regularien beschäftigt sind, gehören autonom fahrende Maschinen in der Bergbauindustrie längst zum Alltag.

Anders als im B2C-Bereich sind hier oft nachrüstbare Lösungen gefragt, denn die Betreiber haben kein Interesse daran, nur des autonomen Fahrens wegen den Fuhrpark auszutauschen. Das Bergbau-Unternehmen Rio Tinto hat beispielsweise im Dezember 2017 Caterpillar mit einem Retrofit von 19 Fahrzeugen beauftragt. Dabei geht es um Lastkraftwagen vom Typ 793F, die in der Marandoo-Eisenerzmiene in Westaustralien eingesetzt werden. Die ersten Fahrzeuge sollen Mitte des Jahres mit entsprechender Technologie ausgestattet werden. Bis Ende 2019 sollen dann alle LKWs nachgerüstet sein.

Das Bergbau-Unternehmen Fortescue Metals Group setzt schon länger autonome LKWs ein und erweitert diese Flotte aktuell. Auch hier geht es um Retrofit-Lösungen. Nachgerüstet werden rund 100 LKWs der Modelle Cat 795F und 789D sowie Komatsu 930E an zwei verschiedenen Standorten. CEO Nev Power berichtet, dass die Strategie im Transport auf autonome Fahrzeuge zu setzen, die das Unternehmen seit 2012 verfolgt, die Produktivität um 20 Prozent verbessert habe. Auch die Sicherheit und Effizienz habe sich verbessert.

Der Auftrag wurde möglich, nachdem Caterpillar im Januar 2017 angekündigt hatte, die Technologie für autonomes Fahren nun auf weitere Modelle auszuweiten, auch auf Modelle anderer Hersteller. Die Bergbau-Unternehmen hatten auf diesen Schritt gedrängt, um die Technik nutzen zu können, ohne ihre vorhandenen Maschinen ersetzen zu müssen, erklärt Caterpillar. Eines der Modelle, das künftig auch autonom fahren soll, ist der 797F, der größte LKW der Cat-Modelle. Diese Fahrzeuge haben eine Nutzlast von 363 Tonnen.

Auch unter Tage werden autonome Maschinen in absehbarer Zeit unterwegs sein. Volvo präsentierte bereits im Juni 2016 den Prototypen eines LKWs, sich in den unterirdischen Minensystemen allein zurechtfindet. Getestet wird er in der Kristineberg-Mine in Nordschweden. Der LKW soll eine Distanz von sieben Kilometern abdecken, in einer Tiefe von bis zu 1320 Metern, erklärte das Unternehmen zu Beginn der Tests.

Die Geschichte autonomer Maschinen im Bergbau reicht schon einige Jahre zurück. Komatsu beispielsweise hat mit dem AHS-System seit zehn Jahren entsprechende Technik im Programm. Heute sind mehr als 100 AHS-Lastwagen in Australien sowie Nord- und Südamerika unterwegs. Die ersten Versuche begann das Unternehmen 2005 in einer Kupfermine in Chile. Der erste kommerzielle Einsatz gelang 2008 in einer Rio-Tinto-Eisenerzmine in Australien. Heute setzt dieses Unternehmen AHS-Trucks in vier Minen ein. Sie werden von einer Betriebszentrale in Perth ferngesteuert, das von den Minen rund 1500 Kilometer entfernt liegt.

In anderen Anwendungsbereichen ziehen die Hersteller nun nach, wie das Beispiel Volvo Group zeigt: Im September 2016 präsentierte das Unternehmen Prototypen zweier Baumaschinen, im Mai 2017 folgte ein autonomes Müllauto. Im November 2017 präsentierte es einen LKW, der zwar noch nicht für den allgemeinen Straßenverkehr gedacht ist, aber zumindest in Gegenden mit eingeschränktem Verkehrsaufkommen wie Häfen fahren kann.

Autonomes Fahren in der Landwirtschaft

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