Blick in die Entwicklungsabteilung des Maschinenbauers Trumpf.

Beim Maschinenbauer Trumpf setzen die Ingenieure künftig auf die Vorteile der Mobilfunkfrequenz 5G.

| von Britta Muzyk-Tikovsky, freie Fachautorin für fluid

Das Hochtechnologieunternehmen Trumpf bietet Fertigungslösungen in den Bereichen Werkzeugmaschinen und Lasertechnik und beschäftigt sich bei der digitalen Vernetzung mit dem Thema 5G. Christian Bauer vertritt Trumpf bei der Gremienarbeit für den neuen Mobilfunkstandard. Im Interview erläutert er, welche Vorteile 5G im Vergleich zu anderen Funknetzen bietet und welche Einschränkungen beim Einsatz lauern.

Welche Bedeutung hat 5G für die Industrie?

Bauer: 5G ist für die Industrie wichtig. Geplant ist, dass Firmen nach der Einführung von der Bundesnetzagentur sogenannte „Campus Lizenzen“ erwerben können. Dies sind dedizierte Frequenzen, die ausschließlich dem Lizenznehmer zur Verfügung stehen. Damit können – im Gegensatz zu WLAN – Überlagerungen bei Sendegebieten und dadurch verursachte Störungen vermieden werden.

Welche Vorteile hat 5G noch im Vergleich zu anderen Funknetzen?

Die Netzkapazität lässt sich besser auf die Anwendung abstimmen. Geringe Latenzzeiten etwa sorgen dafür, dass Roboter Befehle möglichst ohne Verzögerung ausführen. Die erweiterte Breitbandkapazität und größere Gruppe an Teilnehmern ermöglichen eine höhere Vernetzung unter Maschinen. Beim „Beamforming“ strahlt die Antenne das Signal nicht mehr in einem breiten Kegel, sondern fokussiert auf den Ort des Empfängers ab.

 

Portraitbild von Christian Bauer, der bei Trumpf die Gremienarbeit für den Mobilfunkstandard 5G verantwortet.
Christian Bauer verantwortet bei Trumpf die Gremienarbeit für den neuen Mobilfunkstandard. - Bild: Trumpf

Wird in Zukunft jedes Unternehmen ein eigenes 5G Netz einrichten?

Jedes Unternehmen kann es erwerben, genau. Innerhalb des Frequenzbands lassen sich auch Sub-Netze für spezielle Anwendungen einrichten. Dabei kann ein Subnetz auf einen der 5G-Vorteile ausgerichtet sein, etwa auf eine geringe Latenzzeit. Das nennen Experten dann „Slicing“.

Gibt es Nachteile?

Eher Einschränkungen. Der Anwendungsfall gibt vor, ob die große Bandbreite, die geringe Latenzzeit oder ein möglichst großer Kreis an Teilnehmern benötigt wird. Optimiert man einen dieser Vorteile, geht das bis zu einem gewissen Grad zu Lasten der anderen.

Hat Trumpf schon konkrete Pläne für die Implementierung von 5G?

Ideen für Einsatzszenarien gibt es viele. Die Vergabe der Lizenzen hat aber gerade erst begonnen. Einige wichtige Fragen sind noch offen, zum Beispiel zu Zuverlässigkeit der Datenübertragung im industriellen Umfeld (Quality of Service) oder möglichen und wirtschaftlichen Betreibermodellen. Deshalb legen wir bei Trumpf derzeit einen Schwerpunkt auf Gremienarbeit, etwa in der „Plattform Industrie 4.0“ oder in der „5G Alliance for Connected Industries and Automation“ (5G-ACIA). Als Gründungsmitglied vertreten wir bei der 5G-ACIA die Interessen der Industrie.

Wie wird Trumpf von 5G profitieren?

Schon heute übertragen Trumpf Maschinen Daten von Sensoren in die Cloud. Mithilfe von 5G passiert das noch schneller. Außerdem könnte das neue 5G-Mobilfunknetz die zentrale Übertragungstechnologie in Produktionsstätten, auf Werksgeländen und zwischen den verschiedenen Niederlassungen werden.

Welche persönliche Empfehlung würden Sie Unternehmen geben, die 5G in Zukunft nutzen möchten?

Wichtig ist zuerst, die Möglichkeiten der 5G-Technologie und die Anschlussfähigkeit in der eigenen Fertigung zu kennen. Dann sollte fallweise geprüft werden, wo diese Technologie den entscheidenden Mehrwert liefern kann.

Das Interview führte Britta Muzyk-Tikovsky, freie Fachautorin für fluid

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